Mitten im Landkreis:Der Videobeweis Gottes

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Zwei Opferstock-Diebe haben nicht damit gerechnet, dass die Kirche Überwachungskameras einsetzt.

Kolumne von Michael Morosow, Pullach

"Gottes Aug' ist überall, drum klau mir nicht mein Lineal" - diesen Hinweis auf überirdische Überwachungsmethoden nahm man als Schüler nicht allzu ernst und so fand das ein oder andere Schulkind unter dem Reim den Zusatz: "...aber er petzt nicht." Die Gewissheit, dass der Herrgott Strauchdiebe und andere lasterhafte Zeitgenossen bei ihrem schäbigen Tun zwar beobachtet, sie aber nicht an die Polizei verrät, mag auch ein Pärchen in Sicherheit gewiegt haben, als es am 7. und 8. Oktober 2021 die Heilig-Kreuz-Kirche in Obergiesing betrat und ganz anderes im Sinn hatte als zu beten.

Die beiden, ein 31-Jähriger aus dem Landkreis München und seine gleichaltrige wohnsitzlose Begleiterin, versuchten am ersten Tattag gemeinsam vergeblich, unter den Augen des gekreuzigten Christus den Opferstock aufzubrechen, tags darauf erschien eine der beiden Personen alleine zu selbigem Zweck. Beide Male machten sie keinen Cent Beute, entkamen aber unerkannt. Glaubten sie wenigstens. Ein halbes Jahr später haben sie nun Besuch von der Polizei bekommen. Der Herrgott hat auch dieses Mal nicht gepetzt, es waren vielmehr qualitativ hochwertige Videoaufnahmen einer im Kirchenraum platzierten Überwachungskamera, die die Kriminaler klar sehen ließen und sich das diebische Duo nun wegen besonders schweren Falls des Diebstahls vor einem irdischen Gericht verantworten muss.

Auch in einem zweiten Fall waren es keine himmlischen Hinweisgeber gewesen, die Monate nach der Tat die Ermittler auf die Spur eines Einbrechers führten, sondern die modernen Methoden der Spurensicherung. Ein 16-jähriger Münchner wird dabei ebenso überrascht aus der Wäsche geguckt haben wie die beiden Opferstockdiebe, als ein Vierteljahr nach einem Einbruchsversuch in Pullach die Polizei vor seiner Tür stand. Am Wochenende des 22./23. Januar hatte der Jugendliche versucht, sich gewaltsam Zugang zu einem Verkaufsstand an der Bahnhofstraße zu verschaffen, was ihm misslang. Am Tatort hinterlassen hatte er aber neben einem Schaden von mehreren Tausend Euro auch seinen genetischen Fingerabdruck, woraus das Kommissariat 52 in Zusammenarbeit mit der DNA-Auswertung beim Bayerischen Landeskriminalamt einen Treffer erzielte. Sicher mit dem Segen Gottes.

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