Kiesabbau:Das Hochbirket wird zum Baggersee

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Kiesabbau: Der Kies wird mit Förderbändern ins Werk der Firma Glück transportiert.

Der Kies wird mit Förderbändern ins Werk der Firma Glück transportiert.

(Foto: Robert Haas)

Nachdem auch die Genehmigung des Landratsamtes vorliegt, beginnt die Firma Glück mit dem Abbau von Kies in tieferen Schichten. Naturschützer kritisieren, dass jetzt auch das Grundwasser angetastet wird.

Von Rainer Rutz, Planegg

Das Gräfelfinger Kies-Unternehmen Glück darf in den nächsten zwei Jahren weitere 166 000 Kubikmeter Kies auf Planegger Gemeindegebiet gewinnen. Die Firma will nach eigenen Angaben die bereits im Trockenabbau genutzte Fläche von rund 4,2 Hektar - das sogenannte Hochbirket - weitere vier Meter in die Tiefe abgraben und damit bis in den Bereich des Grundwassers vordringen. Im April vergangenen Jahres hatte der Bauausschuss der Gemeinde Planegg einstimmig den zusätzlichen Abbau genehmigt, vor einigen Tagen kam vom Landratsamt München die dazu notwendige wasserrechtliche Erlaubnis. Glück kann daher mit den Arbeiten sofort beginnen.

Für Gräfelfing und Planegg bedeutet das vermutlich zusätzliche Lkw-Fahrten auf den Straßen. Die jetzt entstehende neue Grube soll laut einer Pressemitteilung der Firma Glück bis zum 30. September 2024 vollständig ausgekiest sein. Die Rekultivierung und Aufforstung werden dann nach Angaben des Familienunternehmens weitere sechs Jahre dauern. Die Grube Hochbirket enthalte "wertvollen Rohkies", der mit Baggern abgebaut und über das kilometerlange Förderbandsystem der Firma "umweltfreundlich in die Aufbereitung nach Gräfelfing abtransportiert" werde. Verfüllt werden soll anschließend "nach den geltenden Richtlinien", so Glück: Vorgesehen sei "eine Verfüllung im Nassbereich mit unbedenklichem Bodenaushub sowie im Trockenbereich mit einem Gemisch aus Boden und Bauschutt".

"Schon wieder werden Auflagen in den Wind geschlagen."

Gerade die Art und die Dauer der Wiederauffüllung stoßen bei Naturschützern auf harsche Kritik. "Schon wieder werden Auflagen in den Wind geschlagen", heißt es beispielsweise in Stellungnahmen der Ortsgruppen Würmtal-Nord des Bundes Naturschutz und des Grünzug-Netzwerks Würmtal. So seien die Wiederaufforstungsauflagen des Landratsamts München aus dem Jahr 1991, dem Genehmigungsjahr für die jetzige Grube, nicht oder nur unvollständig eingehalten - ein Vorwurf, der der Firma Glück immer wieder von Naturschützern und einigen Gemeinderäten aus Gräfelfing und Planegg gemacht wird. "Längst müssten demzufolge schon wieder die Schwammerl in einem gar nicht mehr so jungem Wald wachsen", heißt es in der Stellungnahme der Naturschützer: "Was stattdessen wächst, sind problematische Arten wie Bärenklau, Springkraut, Goldrute oder der japanische Staudenknöterich." Es gebe immer noch "am südlichen Ende eine 22 Hektar große Kahlfläche und Kiesgrube". Mit der zusätzlichen Auskiesung des Hochbirkets sei "auch noch die letzte Auflage gefallen, dass jedenfalls das Grundwasser nicht berührt werden darf", schreiben die Naturschützer mit Blick auf die behördliche Genehmigung zur Nassauskiesung, auf die sich Glück jetzt berufen kann.

Für die Kritiker zeichnet sich eine fatale Entwicklung ab: "Sollte demnächst das Douglaswäldchen, das sich östlich der Kompostieranlage nahe der empfindlichen Hangkante oberhalb der Siedlung "Im Grund" befindet, gerodet und dort Kies ausgebaut werden, wird dann wohl auch nass ausgekiest", vermuten Herbert Stepp vom Grünzug-Netzwerk und Malwina Andrassy vom Bund Naturschutz. Sie weisen darauf hin, dass beispielsweise im Lochhamer Schlag der Abbau von Kies dann nur noch 200 Meter neben "Haderner Häusern, nahe von Schulen und Sportplätzen" situiert sei: "Soll das immer so weitergehen?" Mit Blick auf die Genehmigungsverfahren sprechen Stepp und Andrassy von einem "großen Vertrauensverlust in den Kiesabbau im Landschaftsschutzgebiet. Durch diese Salamitaktik verliert der Kiesabbau im Bannwald bei großen Teilen der Bevölkerung jegliche Akzeptanz". Der Planegger Umweltausschuss hatte die weitere Auskiesung der Grube Hochbirket im April 2021 ohne jede Diskussion genehmigt.

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