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Hundert Tage im Amt:Erfolgreicher Moderator

Thomas Pardeller versucht, die Fraktionen frühzeitig einzubinden.

(Foto: Claus Schunk)

Bürgermeister Thomas Pardeller von der CSU scheint es innerhalb kurzer Zeit gelungen zu sein, die Fronten im Neubiberger Rathaus aufzubrechen.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Ein Termin jagt den anderen, ständig neue Themen, viele Menschen führen. Keine Frage, das Amt des Bürgermeisters ist eine große Aufgabe. Noch dazu, wenn man es zum ersten Mal innehat. Doch für Thomas Pardeller hätten die ersten hundert Tage im Neubiberger Rathaus schlechter laufen können. Der 32 Jahre alte CSU-Politiker hat schon jetzt einige Dinge umgesetzt, die er im Wahlkampf versprochen hatte, einen neuen Stil im Gemeinderat und alle noch mehr einzubinden etwa. So stellt es sich nicht nur dem Beobachter dar, das bestätigen auch Menschen, die mit ihm zusammenarbeiten.

"Ich bin gut ins Amt gestartet und die sehr abwechslungsreiche Arbeit macht mir enorm Freude", sagt er selbst. Sein Kalender ist schon jetzt gut gefüllt. Etwas schade findet er, dass Veranstaltungen etwa von Vereinen derzeit coronabedingt nicht stattfinden. Dort wäre er gern in Kontakt mit den Bürgern gewesen. Denn auch das, nah an den Bürgern sein zu wollen, hatte er im Wahlkampf als eines seiner Vorhaben immer wieder genannt.

Im Gemeinderat funktioniert die Zusammenarbeit bisher gut. Während es Anfang des Jahres noch hoch her ging, Sitzungen auch mal bis nach 23 Uhr dauerten und es gerade um die Erweiterung des Rathauses immer einmal wieder zu Auseinandersetzungen kam, scheinen die Wogen mit dem neuen Bürgermeister nun geglättet. Pardeller leitet die Sitzungen ruhig. Er hört sich alle Meinungen an, gibt aber schon eine Linie vor.

Als beispielsweise zuletzt im Gemeinderat Kritik an der Arbeit der Projektsteuerer kam, weil die Sanierung des Hauses für Weiterbildung erneut teurer wird, sagte er: "Ja, das ist nicht gut gelaufen." Was man jetzt nur tun könne, sei "nach vorne schauen und daraus lernen". Wenn Gemeinderäten ein Aspekt fehlt, hat der Bürgermeister auch kein Problem damit, einen Beschlussvorschlag zu ergänzen. Bei all dem kommt ihm natürlich zugute, dass er schon viele Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik als Gemeinderat und Kreisrat hatte. Wie er sagt, hat er mit der Kommunalpolitik seine "Leidenschaft zum Beruf machen können."

Schon vor Entscheidungen gibt es Gespräche

Schon im Vorfeld der Entscheidungen macht der Bürgermeister sich bei Fraktionssprecherrunden und in Gesprächen mit seinen Stellvertretern - Zweiter Bürgermeister ist Kilian Körner von den Grünen, Dritter Bürgermeister Reiner Höcherl von den Freien Wählern - ein Bild der Meinungen. Pardeller sieht darin eine gute Möglichkeit "die Sichtweise des anderen zu verstehen und die Belange der Fraktionen frühzeitig in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen", sagt er. Das alles kommt gut an.

"Es ist ein sehr unaufgeregtes, ruhiges und inhaltliches Miteinander", sagt Körner, der sich freut, nun nach Sitzungen noch mit der Familie essen zu können. Auch in den anderen Fraktionen wird der neue, kooperative Stil gut angenommen. Er fruchtete bereits in einem fraktionsübergreifenden Antrag, den Wirten auf Parkplätzen unbürokratisch Freischankflächen zu ermöglichen. Selbst beim so konträr diskutierten Rathaus-Projekt ist ein einstimmiger Beschluss dazu gelungen, wie es weitergehen soll. Bedenken der Freien Wähler, dass der Einsatz eines Experten zur Arbeitswelt 4.0 zu weiteren Verzögerungen führen würde, konnte Pardeller offenbar ausräumen.

Bis jetzt gelingt es dem neuen Rathauschef außerdem, früh zu agieren und möglicherweise Unmut zu vermeiden, bevor er überhaupt entsteht. So ging er beispielsweise proaktiv auf den Beirat des Seniorenzentrums zu, um ihm zu erläutern, dass der Neubau wegen der coronabedingt angespannten Haushaltssituation verschoben werden müsse. Und traf auf Verständnis.

Auch Körner erzählt von einem Thema, bei dem Pardeller sehr früh dran war, beim Thema Lastenräder. Er selbst habe ihn angesprochen, dass das ein wichtiges Thema sei, da habe dieser nur gelächelt und ihm mitgeteilt, die Gemeinde habe sich schon für die Teilnahme an einem Modellprojekt zu Lastenrädern beworben. Wie schon im Wahlkampf, als Pardeller und sein damaliger Konkurrent Körner sich bei vielen Dingen ziemlich einig waren, ist das auch jetzt noch so. "Ich, in der Opposition? Nein. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir sehen viele Dinge einfach ziemlich ähnlich", sagt Körner.

Guter Draht zur Verwaltung

Nicht nur in die Aufgabe, den Gemeinderat zu steuern, auch in die Aufgabe als Chef der Verwaltung wächst Pardeller offenbar rasch hinein. Natürlich sei es eine Veränderung nach zwölf Jahren mit dem gleichen Bürgermeister, sagt ein Mitglied der Verwaltung, das nicht namentlich genannt werden will. Dass er zu jedem der Mitarbeiter Kontakt aufgenommen habe, sei jedenfalls gut angekommen, sagt der Mitarbeiter. Dass er sich mit einen Kuchen erkenntlich gezeigt habe, sei eine nette Geste gewesen. Pardeller revanchiert sich: "Im Rathaus wurde ich optimal aufgenommen und kann auf ein kompetentes und hoch motiviertes Team in der Verwaltung bauen."

Dass es in der Zukunft auch einmal knifflige Situationen geben wird, ist so gut wie sicher. "Er wird schon auch die Erfahrung machen, dass er es nicht allen recht machen kann", sagt der Verwaltungsmitarbeiter. Das weiß Pardeller selbst, diesen Anspruch sieht er auch nicht. Als Bürgermeister sei man auch ein Stück weit Moderator und versuche, die unterschiedlichen Interessen in Einklang zu bringen. "Bisher ist das recht gut gelungen, auch weil man merkt, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen", sagt er.

© SZ vom 11.08.2020
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