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Hilfsprojekt:100 Kilometer zu Fuß in 22 Stunden

Pericles Poetis

Pericles Poetis hat es sonst nicht so mit dem Wandern. Doch er ließ sich für den Löwenmarsch überzeugen und marschierte los.

(Foto: Claus Schunk)

Pericles Poetis aus Pullach hat beim Löwenmarsch von Ludwig Prinz von Bayern das Ziel erreicht - und 12 000 Euro für Bildungseinrichtungen in Kenia gesammelt.

Von Claudia Wessel

Es war zwei Uhr nachts und "stockduster", als der Weg vor Pericles Poetis plötzlich aufhörte. "Da lag ein Baumstamm und dahinter ging es steil bergab", erzählt der Pullacher am Telefon. "Das kann nicht stimmen", habe er zu seinen beiden Begleiterinnen gesagt, einer Mutter und ihrer Tochter. Die drei waren wild entschlossen, die gesamten 100 Kilometer an einem Stück zu schaffen, doch mitten in der Nacht schien es nicht mehr weiterzugehen.

Fast 500 Teilnehmer beteiligten sich an dem "Löwenmarsch" von Schloss Kaltenberg aus, den Ludwig Prinz von Bayern ins Leben gerufen hat, um Spenden für das Projekt "Learning Lions" zu sammeln, über das in der kenianischen Region Turkana Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten und ein Cybercampus geschaffen werden. Der 26-jährige Student aus Pullach war einer von ihnen.

Bis zu seiner Teilnahme habe er mit Wandern eigentlich nichts am Hut gehabt, erzählt Poetis, inzwischen wieder zurück in Florenz, wo er studiert. Doch seine Mutter Patricia Poetis, eine Freundin von Beatrix von Bayern, bat ihren Sohn, zur Unterstützung des Projekts mitzuwandern. Sie überzeugte ihn und Pericles sammelte für die von ihm gelaufenen Kilometer bei Freunden mehr als 12 000 Euro ein- ein großer Batzen der Gesamtsumme von knapp 132 000 Euro. Und ein Erlebnis, an das er sich lange erinnern wird.

Nur ein Bruchteil schafft die ganze Strecke

Ausgestattet mit Informationen über die Route, die Verpflegungsstationen und mit der Handy-App "Alpenverein aktiv" spazierte er erst einmal die meiste Zeit alleine. Da alle Teilnehmer Corona-Abstand einhielten, verlor er die meisten nach und nach aus den Augen. Ohnehin reduzierte sich die Teilnehmerzahl während der Wanderung, denn jeder hatte sich sein persönliches Kilometerziel gesetzt. 542 Personen hatten sich angemeldet, nur 180 Teilnehmer sich das Ziel gesetzt, die gesamten 100 Kilometer zu schaffen. 78 schafften dies auch - unter ihnen Pericles Poetis. Nach 22 Stunden war er am Ziel, nach einer ganzen Nacht ohne Schlaf - und gemeinsam mit Ludwig Prinz von Bayern, der auch mitmarschierte.

Anders die beiden Frauen, mit denen er sich in der Nacht verirrt hatte. Diese gaben, als sie den Weg wieder gefunden hatten, wegen Blasen an den Füßen an der nächsten Verpflegungsstation auf und ließen sich von ihren Angehörigen abholen. Also ging der 26-Jährige alleine weiter. "Die schrecklichste Entscheidung meines Lebens", scherzt er. Denn auf seinem Marsch durch die Nacht und den Regen verirrte er sich nochmals. Sein Navi zeigte ihm schließlich den Weg zur nächsten großen Straße.

Hatte er denn keine Angst so ganz alleine im stockfinsteren Wald mitten in der Nacht? "Na ja", gibt der Pullacher zu. "Ich bin auch Jäger und hatte gerade von der Rückkehr des Wolfs in die bayerischen Wälder gelesen. Daher war mir schon etwas mulmig zumute."

An der Straße angekommen, traf Poetis auf weitere Löwen-Wanderer und stellte fest, dass er auf die offizielle Route des Löwenmarsches gestoßen war. Dank der Antiblasensocken, die ihm Beatrix von Bayern vor dem Marsch empfohlen hatte, konnte er immer noch laufen und hatte dank "mentaler Stärke" auch alle Schlafbedürfnisse vertrieben. Am Vormittag traf er schließlich am Ziel ein, körperlich am Ende, aber stolz.

"Den Muskelkater spüre ich fast heute noch", sagt Pericles Poetis eine Woche danach. Inzwischen genießt er die Rückkehr an seinen Studienort Florenz, an dem er auch viele Kommilitonen aus aller Welt wieder trifft, die es nach der Corona-Pause zurück nach Italien geschafft haben, etwa aus Saudi Arabien, aus Schweden, aus den USA und aus Südafrika. Die Uni, an der er Ökonomie studiert, ist zwar noch geschlossen und es gibt nur Online-Vorlesungen. Aber "die Stadt lebt wieder", sagt der Pullacher.

© SZ vom 15.09.2020/wkr

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