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Unterhaching:Rote Karte für Abiturienten

Abi-Zeugnis-Vergabe mit Abstandsregeln

Die Abiturzeugnisse am Berliner Rheingau-Gymnasium wurden dieses Jahr auf dem Sportplatz überreicht, mit viel Luft zwischen den Gästen. In der Hauptstadt gab es Grund zu feiern - "das beste Abitur seit Jahren".

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Landratsamt verbietet Zeugnisverleihung des Lise-Meitner-Gymnasiums im Fußballstadion.

Wohin mit 104 Abiturienten nebst Eltern, wenn man in Corona-Zeiten die Abschlusszeugnisse übergeben möchte? Die Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums ist zu eng, der Schulhof zu klein. Warum also nicht einfach auf die größte Immobilie ausweichen, die Unterhaching zu bieten hat: das Fußballstadion. Eine großartige Idee, finden Bürgermeister, Schule und die Spielvereinigung. Nur im Gesundheitsamt schütteln die Verantwortlichen den Kopf. In Unterhaching kann man die Ablehnung nicht verstehen.

Denn die einfache Rechnung könnte ein anderes Ergebnis zulassen: Wenn jeder Schüler mit Mutter und Vater zur Zeugnisvergabe erscheinen würde, käme man auf 312 Personen. Mit Lehrer und Schulleitung vielleicht auf etwa 400. Im Stadion gibt es 14 200 Plätze. Für jeden also 355. Man könnte weit mehr als jeden zweiten Sitz frei lassen. Betrachtet man die Rasenfläche, so stünden bei 7140 Quadratmeter jedem der 104 Abiturienten großzügige 68,7 Quadratmeter zur Verfügung. Vorgeschrieben sind aktuell zehn Quadratmeter für jeden, zumindest in Schwimmbädern.

Ins Unterhachinger Freibad dürften damit im Moment 1260 Badegäste gleichzeitig. Doch bei Schulveranstaltungen ist das anders. Hier gilt Paragraf 5 der 6. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, der besagt noch bis mindestens 5. Juli: Nicht mehr als hundert unter freiem Himmel. "Aktuell können wir das nicht genehmigen", teilt Landratsamtssprecherin Christina Walzner mit. Sollte sich das dann ändern, könnte die Behörde für den Termin am 17. Juli doch noch grünes Licht geben.

Schulleitung und Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) hatten die Idee vor drei Wochen an die Spielvereinigung herangetragen. Dort war man laut Vize-Präsident Peter Wagstyl begeistert: "Der Schule und der Gemeinde etwas Gutes zu tun, wäre genau unser Ding gewesen", sagt er. Die Schule habe die Kosten übernehmen wollen, "aber das hätten wir nicht zugelassen", gibt er sich spendabel. Die Entscheidung des Landratsamts überrasche ihn sehr. Zumal die Spielvereinigung schon genau durchdacht hatte, wie die Abstands- und Hygienevorschriften für die Abiveranstaltung eingehalten werden könnten.

Auf der Westtribüne wäre genügend Platz, die Zeugnisübergabe hätte auf dem Rasen stattgefunden, so Wagstyl. Jetzt plant die Schule laut Bürgermeister fünf Abschlussveranstaltungen hintereinander.

© SZ vom 26.06.2020/hilb

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