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Landkreis München:Warum sich Grünwald auch finanziell rechnet

Freilich macht eine Grünwalder Adresse auf der Visitenkarte mehr her als ein Firmensitz in Taufkirchen oder Sauerlach. Vor allem aber rechnet sich der Gewerbesteuerhebesatz von nur 240 Prozent. Im Landkreis München hat die Gemeinde damit seit Jahren den niedrigsten Satz, gefolgt von Gräfelfing (250) und Pullach (260).

Leisten kann Grünwald sich das, weil die Gemeinde immer genug Geld hatte und nie in die Verlegenheit kam, Steuern erhöhen zu müssen. Im Gegenteil: 2004 senkte man den Hebesatz auf das heutige Niveau. Das war ein geschickter Schachzug, wie sich schnell herausstellte. Fortan meldete der Kämmerer Rekordeinnahmen. Schon ein Jahr später war die Kasse doppelt so gut gefüllt, danach stiegen die Einnahmen auf das Dreifache an.

Grünwald hat 7000 Firmen

4739 Unternehmen zählte Grünwald im Jahr 2006, mittlerweile sind in der 11 000-Einwohner-Gemeinde etwa 7000 Firmen angesiedelt. Kämmerer Raimund Bader konnte sich voriges Jahr über Gewerbesteuereinnahmen von 172 Millionen Euro freuen, etwa 30 Millionen Euro mehr als 2014. Für das laufende Jahr rechnet er mit immerhin 143 Millionen Euro. Zum Vergleich: Haar mit 20 000 Einwohnern nimmt nicht einmal zehn Millionen Euro ein. Damit liegt Grünwald im Landkreis an der Spitze.

Den Grünwaldern ist auch das sogenannte Steuervergünstigungsabbaugesetz zupass gekommen, mit dem der Bund 2004 die Kommunen verpflichtet hatte, einen Gewerbesteuerhebesatz von mindestens 200 Prozent zu verlangen. Damit war die Zeit der Briefkastenfirmen in deutschen Steueroasen, die mit einem Gewerbesteuersatz von null Prozent lockten, vorbei.

Norderfriedrichskoog etwa, ein winziger Ort an der Westküste Schleswig-Holsteins, der aus 13 Höfen besteht, zählte zeitweise bis zu 500 Firmenadressen. Echte Global-Player waren darunter: die Deutsche Bank, Eon, Lufthansa, Siemens, Unilever. Als man gesetzlich gezwungen wurde, einen Mindestsatz einzuführen, wanderten die Firmen wieder ab. "Einige sind damals zu uns gekommen", erinnert sich Grünwalds Kämmerer Bader.

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In Grünwald liegt man mit 240 Prozent nur leicht über dem Mindestsatz und ist damit äußerst attraktiv als Steuerspar-Standort. Landkreisweit liegt der Durchschnitt bei 310, in Bayern bei 422. Die nahe Landeshauptstadt München verlangt gar 490 Prozent, der Bundesdurchschnitt beträgt 438. Laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag sind die Hebesätze in den vergangenen Jahren insgesamt stark gestiegen. Dadurch habe sich "die Schere zwischen günstigen und teureren Wirtschaftsstandorten weiter geöffnet".

Durch die Digitalisierung seien die Betriebe flexibler und eher bereit, den Standort zu wechseln, hat der Verband festgestellt. Das sieht man bei der IHK für München und Oberbayern nicht ganz so. "Deutschlandweit mag das stimmen, im Großraum München können wir das nicht feststellen", sagt Robert Obermeier, Chef-Volkswirt der regionalen IHK. Jede Firma habe andere Standortbedingungen. Eine Umfrage zur Standortzufriedenheit habe dem Landkreis aber durchweg bessere Noten beschert als der Stadt München.