Kreis und quer Besser löschen als zündeln

Vieles wird in Bayern derzeit vom Asylstreit der CSU mit der CDU überlagert.

(Foto: dpa)

Während Politiker die Asyldebatte befeuern, setzen sich viele für eine Integration von Flüchtlingen ein. Zwei Fälle zeigen das gerade dieser Tage.

Von Lars Brunckhorst

Was in der Zeitung steht und was nicht, das bleibt für viele Leser mitunter ein Rätsel. So viel aber lässt sich sagen: Dunkle Mächte sind es nicht, die das entscheiden. Es sind aber auch nicht immer die Redakteure. Diese Woche etwa hätten wir gerne ein Interview mit einer Notärztin zu dem brutalen Anschlag vor zwei Wochen auf Rettungskräfte in Ottobrunn ins Blatt gehoben. Die Ärztin wäre fast selbst Opfer geworden: Nur eine Stunde vorher hatte sie Schichtende. So traf ihre Kollegin die Flasche ins Gesicht, die ein Betrunkener auf das Einsatzfahrzeug warf. Die Berufsfeuerwehr München aber gab das Interview mit ihrer Mitarbeiterin nicht frei.

Das ist einerseits schade, weil die Ärztin wie kaum eine zweite unmittelbar betroffen ist und Interessantes über die Angst hätte sagen können, die bei Einsätzen mitfährt, seit sich Angriffe auf Rettungskräfte häufen. Zum anderen ist das Veto verständlich, weil die Profis von der Münchner Brandwache die öffentliche Diskussion nicht noch mehr befeuern wollten. Schließlich handelte es sich bei dem Angreifer um einen Flüchtling.

Ein Problem, das in Wirklichkeit keines ist

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist solche Zurückhaltung fremd. Im Bierzelt in Baierbrunn griff er vorige Woche den Ottobrunner Vorfall, wie zuvor schon sein Innenminister Joachim Herrmann, dankbar auf. "Wer sich so verhält, muss unser wieder Land verlassen, und zwar zügig." Der Schutz der einheimischen Bevölkerung stehe an erster Stelle. Das stand im Gegensatz zu dem Interview mit der Notärztin in den Zeitungen. Weil Söder es öffentlich sagte und mehrere tausend Zuhörer begeistert Beifall klatschten.

Nachzulesen beziehungsweise anzuschauen auf allen Kanälen war die vergangenen Tage und Wochen auch der Asylstreit, mit dem CSU und CDU die Nachrichten dominierten. Dabei handelt es sich bei dem Thema, das die Parteien nach oben jazzten, um ein Problem, das in Wirklichkeit gar keines ist. Wie eine Recherche der SZ ergab, kommen etwa im Landkreis München seit mehr als einem Jahr praktisch keine neuen Flüchtlinge mehr an. Und an den Grenzübergängen, wo es jetzt Schnellverfahren geben soll, ist es täglich allenfalls eine Handvoll.

Der Zufall wollte es diese Woche, dass der Landkreis für sein vorbildliches Engagement bei der Integration von Flüchtlingen ausgezeichnet wurde - und zwar ausgerechnet von dem von Horst Seehofer geführten Bundesinnenministerium. Das birgt eine feine Ironie, bedeutet die Auszeichnung doch - allem Getöse der CSU zum Trotz - nichts anderes als: Ihr habt das geschafft!

Trotzdem wurde und wird weiter jeden Tag Scheit für Scheit in die glimmende Glut nachgelegt, damit die Themen Flucht und Asyl weiter schwelen und sich die Populisten vor der bayerischen Landtagswahl im Oktober dran wärmen können. Manchmal wünschte man sich mehr Menschen wie von der Münchner Berufsfeuerwehr, die lieber löschen als weiter anheizen.