Jubiläums-Wiesnbier:Das Hopfen-Geheimnis

Die Brauereien stellen das nach alten Aufzeichnungen gebraute Jubiläums-Wiesnbier vor. Das Rezept bleibt unter Verschluss.

Astrid Becker

Es ist ja alles so streng geheim. Niemand - außer den Beteiligten - darf die Rezeptur des Jubiläums-Wiesnbieres jemals erfahren. Nicht einmal die Chefs der Münchner Brauereien durften wissen, was ihre Braumeister genau in dieses Bier gemischt haben. Und auch die Nachwelt wird darüber wohl nie Genaueres in Kenntnis bringen: Das Rezept wurde verplombt und soll im Bier- und Oktoberfestmuseum künftig unter Verschluss gehalten werden.

Vorstellung des Jubilaeums-Wiesnbiers

So sieht es aus: Das Jubiläums-Wiesnbier ist dunkler in der Farbe mit einer feinen Hopfennote und leichter Restsüße.

(Foto: ddp)

Wie das geheime Getränk nun schmeckt, darf eigentlich auch noch niemand wissen. Selbst die Braumeister haben es erst am Freitag das erste Mal probiert. Und, wie zu erwarten war, ist dieses Bier, das nur im historischen Teil der Wiesn ausgeschenkt werden soll, "genau so geworden wie wir es uns gedacht haben": nämlich etwas dunkler in der Farbe mit einer feinen Hopfennote und leichter Restsüße.

"Des is scho was Besonderes", urteilt denn auch Apollonia Häußler, die ihre Brauer-Ausbildung bei Augustiner 2009 als Jahrgangsbeste abgeschlossen hatte, nun Brauwesen in Weihenstephan studiert und der die Ehre zuteil wurde, das Bier als erste zu zapfen und natürlich auch zu verkosten. Herb, aber nicht bitter, so lautet denn auch ihr Kommentar: "Mir schmeckt's" - und nach einiger Überlegung: "Des könnt' auch ein Frauenbier werden."

Im Mai war im Verein Münchener Brauereien erstmals darüber nachgedacht worden, ein gemeinsames Bier für die historische Jubiläumswiesn zu brauen. Eines, das einer alten Rezeptur nachempfunden sein sollte.

Wie in den Anfängen

Die jeweiligen Braumeister, Wolf Dummert von Hofbräu, Roland Bittl und Werner Mayer von Augustiner, Christian Dahncke von Paulaner, Andreas Höflinger von Hacker, Jörg Lehmann von Spaten-Franziskaner und Christoph Tenge von Löwenbräu kramten daraufhin tief in den Tresoren und Archiven ihrer Brauereien nach alten Aufzeichnungen über das Bier von vor 200 Jahren: "Wie es genau geschmeckt hat, das wissen wir ja nicht", sagen sie heute.

Aber Übereinstimmungen habe man gefunden, die nun in ihre gemeinschaftliche Vorstellung vom Wiesnbier der Altvorderen eingeflossen sind. Eines stand dann auch schon bald fest: Wenn ein solches, dem Märzen ähnliches Bier gebraut werden sollte, müsste es auch direkt aus Fässern in Steinzeugkrüge gezapft werden - eben ganz so wie in den Anfängen des Oktoberfests.

Im Juni wurde dann mit dem Brauen begonnen, nun muss das fertige Produkt noch einige Wochen lagern - bis zur Wiesn. Hergestellt wurde es übrigens in Arbeitsteilung: Während Paulaner und Hacker die Rohstoffe für dieses Bier besorgten - zum Beispiel die alte Gerstensorte "Barke" und ein Malz namens "Tradition" von Mälzereien aus der Münchner Region - waren die Männer von Spaten-Franziskaner und Löwenbräu für die Koordination des ganzen Projekts zuständig.

Gebraut wurde das Ganze dann bei Hofbräu und Augustiner: in ausreichender Menge, wie es heißt. Was genau "ausreichend" ist, wird aber nicht verraten. Weil es geheim ist, was sonst.

© SZ vom 14.08.2010/mar
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