Bauernproteste:"Leistungsträger und Stabilisatoren der Gesellschaft"

Bauernproteste: Bricht eine Lanze für die Bauern: Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) beim Neujahrsempfang der Christsozialen in Ismaning.

Bricht eine Lanze für die Bauern: Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) beim Neujahrsempfang der Christsozialen in Ismaning.

(Foto: Claus Schunk)

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber lobt bei der CSU in Ismaning die Bauern in den höchsten Tönen. Einen Seitenhieb auf den Koalitionspartner Hubert Aiwanger überlässt sie dem Landtagsabgeordneten Maximilian Böltl.

Von Sabine Wejsada, Ismaning

Die Bauern und die CSU - das ist eine Liebesbeziehung, die für das schöne Bayern steht. Zumindest hört es sich so an, wenn die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, wie am Mittwochabend beim verspäteten Neujahrsempfang ihrer CSU in Ismaning geschehen, in den höchsten Tönen von diesem Berufsstand schwärmt. Die Bauern seien die "Leistungsträger und Stabilisatoren der Gesellschaft", sagt Kaniber. Dass sie sich durch "Vernunft, Gemeinsinn und Pragmatismus" auszeichnen, hat vorher schon der neu gewählte CSU-Landtagsabgeordnete Maximilian Böltl aus Kirchheim in seinem Grundwort betont.

All diese Tugenden suche man bei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und seiner Regierungskoalition vergeblich, sagt Kaniber. Und versichert doch, dass sie an diesem Abend vor den mehr als 150 Gästen in der Seidl-Mühle "kein Ampel-Bashing" betreiben wolle, "weil die es schon selber macht". Das beste Beispiel seien die Kürzungen im Agrarbereich, einem Sektor der deutschen Wirtschaft, dessen Wert die bayerische Regierung seit jeher hochhalte.

Bäuerinnen und Bauern, die seit Wochen mit Kind und Kegel, Traktoren und brennenden Tonnen im ganzen Land gegen die Pläne der Ampel-Koalition demonstrieren und als "positive Speerspitze" auch andere Branchen wie Gastronomie und Spediteure auf die Straße gebracht haben, sind für Kaniber "die Mutmacher". Dass man diese Menschen "automatisch in die rechte Ecke stellt", sei eine Vorverurteilung und unanständig, befindet die Landwirtschaftsministerin und unterfüttert ihre These mit Zahlen: Bei der Landtagswahl im vergangenen Oktober hätten nur sechs Prozent der Bauern die AfD gewählt. Die übergroße Mehrheit sei bei der CSU daheim, die Landwirte seien "die wahren Leistungsträger". Und deswegen sei die CSU "stolz auf unsere Bauern" und kämpfe gegen die Ungerechtigkeiten, die da aus der Bundeshauptstadt kommen.

Am Mittwochabend jedenfalls bleibt es rund um das Bildungs- und Kulturzentrum ruhig, keiner der vielen Ismaninger Landwirte ist mit dem Bulldog vorgefahren oder hat ein Transparent mitgebracht. Sie applaudieren der Ministerin, die auf der Bühne im großen Saal ein leidenschaftliches Plädoyer für die Landwirtschaft und deren Bedeutung für das Land hält.

Dann zieht die Ministerin einen Vergleich zu den Klimaklebern

Kritik daran, dass der Staat Klimakleber von der Straße holt und Landwirten mit ihren Traktoren freies Geleit gibt, lässt Michaela Kaniber nicht gelten. Wenn man sich auf die Fahrbahn pappe, "ist der Körper eine lebendige Waffe", sagt sie, wenn jemand "Gemälde mit Tomatensuppe besprühe, ist das eine Straftat". Die Bauern aber machten nur von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch, verteidigt sie den Protest. Es sei also "unmöglich, das gleichzusetzen, Bauern sind keine Straftäter", ruft die Ministerin.

Für Kanibers Landtagskollegen Böltl stehen die Landwirte "für vieles, was die Gesellschaft und auch die CSU ausmacht". Nach der Devise "Machen, anpacken, kümmern" langten die Bäuerinnen und Bauern konkret hin, sorgten für kurze Lieferwege und leisteten so einen großen Beitrag zum Umweltschutz. "Mir ist die konventionell produzierte Kartoffel lieber als die Bio-Avocado aus Guatemala", sagt Böltl und lobt den Einsatz des Berufsstandes zum Erhalt der "schönen Kulturlandschaft in Bayern". Auf den Höfen sei "der gesunde Menschenverstand" zu Hause. Bei der CSU sowieso. Doch auch im Freistaat sei zu beobachten, dass durch die Ampel-Politik die Erlöse schwinden. Einen Seitenhieb auf den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern kann sich Böltl hier nicht verkneifen. Ihm rät er dringend, sich "nicht nur um Wald, Wild und Wut" zu kümmern.

So passioniert wie sich Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei ihrer Festrede in Ismaning für ihre Klientel einsetzt, so engagiert appelliert sie am Ende an das Publikum im Saal, bei der Europawahl im Mai nicht bei der AfD, die den "Dexit" vorantreiben wolle, das Kreuz zu machen, und alle, die damit liebäugeln, zu überzeugen, es nicht zu tun: "Deutschland und Bayern brauchen Europa", sagt Kaniber. Bleibt abzuwarten, ob die von der Ministerin genannten sechs Prozent der Bauernschaft im Bayern das beherzigen.

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