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Höhenkirchen-Siegertsbrunn :Tagespflege scheitert an Personalmangel

Irmgard Kaleve hat mit Personalmangel zu kämpfen.

(Foto: lks)

Die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn verwirft ihre Pläne für die Einrichtung kurzfristig buchbarer Betreuungsplätze am Seniorenzentrum. Stattdessen sollen nun Wohnungen für Mitarbeiter gebaut werden.

Von Bernhard Lohr

Die Pläne für eine Tagespflege in HöhenkirchenSiegertsbrunn liegen auf Eis. Die Gemeinderäte haben in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses beschlossen, diese wegen akuten Personalmangels im Seniorenzentrum "Wohnen am Schlossanger" im Moment nicht weiter zu verfolgen.

Die Sorge ist, dass Personal vom Seniorenzentrum zur Tagespflege abwandern könnte. Statt Räume für eine Tagespflege umzubauen, erwägt das Rathaus nun, günstige Wohnungen für Pflegekräfte zu schaffen. Es lässt prüfen, ob dafür auf das Seniorenzentrum ein Stockwerk draufgesetzt werden kann.

Die Personalnot muss groß sein. Denn die Gemeinderäte trafen die Entscheidung wohl wissend, dass die Tagespflege von vielen sehnlich erwartet wird. Ende vergangenen Jahres sprachen sich von 500 befragten Bürgern über 65 Jahren 97 Prozent dafür aus. Innenarchitektin Susanne Moog präsentierte im Dezember eine Voruntersuchung, die aufzeigte, wie an das Seniorenzentrum angrenzende Räume dafür ertüchtigt werden könnten. Es würde ein Aufenthaltsraum mit Küchenzeile geschaffen, dazu ein Ruheraum und ein Wohnbereich. Ein existierendes Pflegebad im ersten Stock müsste umgebaut werden. Zwölf Personen könnten dem Konzept zufolge tagsüber betreut werden. Die Umfrage ergab auch, dass sich die meisten zusätzlich einen Fahrdienst wünschen, der Patienten zur Tagespflege bringt.

242 000 Euro für den Umbau

Mittlerweile wurde geklärt, was der Umbau kosten würde. Die Gemeinde müsste inklusive Möblierung 242 000 Euro brutto ins Untergeschoss stecken. Dazu kämen 57 000 Euro für das Pflegebad. Nicht inbegriffen sind die Kosten, die durch den Umzug der Volkshochschule entstehen. Die kämen auf jeden Fall dazu. Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) sagte im Ausschuss, dass die Gemeinde verpflichtet sei, der Volkshochschule Räume zur Verfügung zu stellen. Der Knackpunkt ist jetzt aber offenbar das Personal.

Mayer räumte ein, dass viele auf die Tagespflege hofften. Gudrun Hackl-Stoll (Grüne) appellierte an die Gemeinderatskollegen, das Projekt nicht aus den Augen zu lassen, auch wenn es sich nicht um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde handle. Für pflegende Angehörige wäre es eine "deutliche Entlastung", etwa wenn sie mal selbst einen Arzttermin wahrnehmen müssten. Als ein Problem wurde auch ausgemacht, dass die Tagespflege in Ottobrunn an der Ottosäule als eine der nächstgelegenen Einrichtungen mittlerweile stark ausgelastet sei. Wenigstens einen positiven Randaspekt wollte Manfred Eberhard (Unabhängige Bürger) erkennen. Vielleicht finde man bessere Räume, sagte er, die vorgesehenen im Souterrain seien nicht ideal.

Die Gemeinderäte beschlossen einstimmig, erst einmal von der Tagespflege abzusehen und folgten ebenfalls ohne Gegenstimme einem Antrag von Andrea Hanisch (CSU), einen Statiker untersuchen zu lassen, ob das Seniorenzentrum aufgestockt werden kann. Hanisch sprach sich für ein Signal aus, innerorts zu verdichten und sagte, die Heimleitung selbst hoffe auf günstigen Wohnraum, um Personal binden zu können. Auch für andere Bedürftige könnte dort Wohnraum entstehen. Zunächst muss aber geklärt werden, ob der Bebauungsplan das Aufstocken zulässt und ob genügend Stellplätze geschaffen werden können.

Die Pläne für den Einbau eines zweiten Aufzugs im Seniorenzentrum werden ungeachtet der neuen Entwicklung auf Drängen von Bürgermeisterin Mayer nicht aufgeschoben. Der Aufzug werde dringend benötigt, sagte sie.

© SZ vom 26.06.2018/belo

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