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Meine Woche:Karotten für das Eseltrio

Andrea Westermair mit Esel Fridolin.

(Foto: Claus Schunk)

Die Westermairs aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn halten drei Esel, die sich auf Weihnachten freuen, aber nicht für Krippenspiele taugen.

Von Michael Morosow, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Einen Esel haben an Weihnachten viele zu Hause - neben Ochs, Maria, Josef und dem Jesuskind in einer Miniaturkrippe stehend. Peter und Andrea Westermair sind stolze Besitzer von gar drei Eseln, am Donnerstag haben diese in ihrem Stall Besuch vom Hufschmied bekommen, denn sie sind aus Fleisch und Blut, können iahen und auch zickig sein wie Fridolin, der von der Pediküre nichts hält, aber dann doch das Unvermeidliche über sich ergehen lässt, nachdem er mit einer Karotte bestochen wurde.

Mit sechs Jahren ist er das Nesthäkchen, Doudou und Mufffin haben bereits elf Jahre auf dem Buckel. Jeder der drei Hengste würde eine gute Figur machen in einer lebenden Krippe, aber abgesehen vom gegenwärtigen Lockdown gibt es einen weiteren Grund, der dies ausschließt: "Die drei kann man nicht trennen, wenn, dann müsste man alle drei reinstellen", sagt Andrea Westermair und berichtet von einem kleinen Testlauf vor Jahren mit Doudou und Muffin, als sie und ihr Mann mit jeweils einem auf einem Feldweg in verschiedene Richtungen gegangen seien und nach hundert Metern beide Esel stehen blieben, sich umdrehten und laut klagten. "Das Eselhalten ist nicht einfach", sagt sie.

Die Tiere sind ganz versessen auf Kartoffeln

Mit den fünf Pferden, die in anderen Boxen im Stall stehen, kommt das Eseltrio kaum zusammen, auch auf der Koppel nicht, "das wäre zu gefährlich, Gras ist ungesund für sie", begründet Andrea Westermair das Weideverbot. Aus Heu, Stroh, Ästen, trockenen Blättern und Disteln - "Esel lieben Disteln" - besteht das tägliche Menü für die drei. Auf gekochte Kartoffeln sind sie besonders scharf, bekommen aber nur ab und an welche, "das ist nicht artgerecht, Esel sind Wüstentiere", sagt sie und berichtet von einer Not-Operation eines ihrer Esel, nachdem dieser auch einen Kartoffelsack als fressbar erachtet hatte.

"Bitte nicht füttern", können Besucher auf einem Schild am Gartenzaun lesen. Die drei haben viele Zuschauer, Kinder und Spaziergänger, denn Esel sieht man nicht mehr viele im Landkreis München. Bei den Westermairs gehören die schon lange zum Hof. Marie Lou zum Beispiel, eine Eselsdame, die vor 13 Jahren einging. Sie hatte sogar einmal einen Auftritt in einer lebenden Krippe in Putzbrunn.

An Heiligabend wird das Langohr-Trio zur Feier des Tages wohl eine Extraportion Karotten bekommen - und vielleicht schmatzend ins Wohnzimmer der Westermairs schauen, wo der geschmückte Christbaum steht. Esel lieben auch Tannen und Fichten, würden sie wohl samt Lametta verspeisen.

© SZ vom 21.12.2020/sab
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