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Häuser für 1650 Menschen:Wohnen in Hochbrück

Neues Baugebiet Wohnen am Schleißheimer Kanal in Garching Visualisierung: Fink+Jocher

(Foto: Fink+Jocher)

Der Garchinger Stadtteil ist bislang vor allem durch Gewerbe geprägt. Nun soll dort am Schleißheimer Kanal ein Quartier mit Miets- und Einfamilienhäusern entstehen.

Von Irmengard Gnau, Garching

Hochbrück bekommt Zuwachs: Bis zu 1650 neue Einwohner werden bis Ende des Jahrzehnts im künftigen Wohngebiet am Schleißheimer Kanal eine Heimat finden. Und zwar eine sehr ansprechende, wenn es nach den Plänen von Architekt Dietrich Fink geht. Mit seinem Entwurf konnte der Vertreter des Münchner Büros Fink und Jocher das Preisgericht ebenso überzeugen wie die Garchinger Stadträte. Mit ihrer Zustimmung zur Aufstellung eines Bebauungsplans ist der offizielle Startschuss für das Projekt gefallen.

Den Ortsteil Hochbrück dominiert bislang das Gewerbegebiet im Bereich der Bundesstraße B 471, in Zukunft aber könnte sich die Wahrnehmung verschieben. Östlich anschließend an die bestehende Hochbrücker Siedlung wird entlang des Kanals auf einer Gesamtfläche von 12,7 Hektar ein ganz neues Quartier entstehen, mit Raum zum Wohnen - in Mietwohnungen oder Einfamilienhäusern - wie auch zum Leben - mit Geschäften, Freiflächen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Der Siegerentwurf sieht dabei eine sehr gemischte Verteilung von größeren Mietwohnungsblöcken und Doppel-, Reihen- und Einfamilienhäusern vor.

Eine luftige Atmosphäre und Blick auf den Kanal

An der Nordseite des Wohngebiets schirmen vier querstehende, etwa 15 bis 16 Meter hohe Häuserblöcke das Wohngebiet vor dem Lärm der verschiedenen Gewerbebetriebe ab. An ihren Enden schließen sich niedrigere Längsbauten an, die sich wie Finger in Richtung des Kanals recken. Die Baulinien sind immer wieder durchbrochen und Häuser leicht versetzt platziert, sodass eine luftige Atmosphäre entsteht. Durch die Ausrichtung bleibt der Blick auf den Kanal unverstellt.

Mehr als ein Drittel des Areals ist für Freiflächen bestimmt. Zwischen den Gebäuden erstrecken sich von Nord nach Süd vier großzügige Innenhöfe, die begrünt werden oder als Spiel- und Begegnungsflächen dienen können. An der Nordseite des neuen Quartiers soll ein großer Platz zum Zusammenkommen einladen. Dort wird eine Bushaltestelle eingerichtet; in den unteren Geschossen der Häuser rund um den Platz könnten ein Bewohnertreff, ein Café, Arztpraxen oder Geschäfte angesiedelt werden. Das neue Wohngebiet soll außerdem einen Supermarkt bekommen. Die künftigen Neu-Hochbrücker können ihre Wohnungen mit dem Auto von Norden her erreichen. Dazu wird die Daimlerstraße an der derzeitigen Rechtskurve nach Süden Richtung Kanal hin verlängert. Außerdem ist das Gelände von Westen her über die Heidenheimer Straße angeschlossen.

Die Straßen innerhalb des neuen Quartiers sollen weitgehend verkehrsberuhigt werden, viele Querverbindungen Radfahrern und Fußgängern vorbehalten sein. Zwar wird es wie bislang vorgeschrieben zu jeder Wohnung auch Parkmöglichkeiten für Autos geben, doch "ein Überangebot an Stellplätzen" vermeidet der Entwurf - ein "zukunftsweisender" Ansatz, wie das Preisgericht in seiner Bewertung lobend hervorhebt. Verwirklichen wird das Projekt als Investor die Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg mbH (GSW). Vermutlich wird das neue Quartier in drei Bauabschnitten von West nach Ost entstehen. Vom Beginn der Bauarbeiten bis zur Fertigstellung werde es etwa sechs bis sieben Jahre dauern, schätzt Roy Lilienthal von der GSW.

Die Garchinger Kommunalpolitiker zeigten sich fraktionsübergreifend angetan von dem Entwurf, gaben den Planern aber noch einige Anregungen mit. So soll es auch für Jugendliche einen attraktiven Aufenthaltsort geben. Die neue Garchinger Wohnbaugenossenschaft soll einen guten Standort erhalten. In Sachen Verkehr unterstrichen mehrere Stadträte den Wunsch, einen Impuls für die Zukunft zu geben und noch weniger auf das Auto und dafür mehr auf neue Mobilitätsformen zu setzen.

© SZ vom 27.11.2020/belo
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