Kommentar:Fragwürdiger Alleingang

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Haars Bürgermeister wirft mit seinem Vorstoß, die Leibstraße für die Tram auszuschließen, viele Fragen auf.

Von Bernhard Lohr, Haar

Es ist kaum zu glauben, wie schlecht vorbereitet und geradezu fahrlässig sich die Gemeinde Haar am Dienstagabend in die Debatte über eines der wichtigsten Verkehrsprojekte des Jahrzehnts gestürzt hat. Die Verlängerung der Trambahnlinie von der Kreillerstraße/St.-Veit-Straße in Berg am Laim bis nach Haar steht seit mehr als einem Jahr im Kreistag und in München auf der Tagesordnung. Nun kam es erstmals in Haar auf den Tisch. Und was passiert? Die Gemeinderäte bekommen vorab keine vertiefenden Unterlagen, um sich in den komplexen Vorgang einarbeiten zu können. Mehrere beteuern sogar, von dem Vortrag der Planer überrumpelt worden zu sein. Und dann sehen sie sich noch mit einem Bürgermeister konfrontiert, der geradezu ultimativ fordert, eine Trassenvariante über die Leibstraße per Gemeinderatsbeschluss auszuschließen.

Ein solches Vorgehen ist fragwürdig. Und es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig. Es wäre vielmehr ein fataler Fehler bei einem Projekt, das in seiner Bedeutung für die Verkehrsinfrastruktur in Haar gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Fragwürdig ist es, weil eigentlich erst einmal eine Informationsoffensive notwendig wäre. Dann könnte eine Grundsatzdebatte folgen. Beides fiel am Dienstag aus. Dazu kommt, dass der Bürgermeister sein Ansinnen - zumindest öffentlich - im Gemeinderat gar nicht näher begründete. Es ist anzunehmen, dass es ihm um Parkplätze in der Straße geht und um deren Charakter als Einkaufsstraße. Aber gesagt hat er es nicht.

Es wäre auch absolut verfrüht gewesen, jetzt schon nein zu einer Trambahn in der Leibstraße zu sagen, weil bisher die Planer selbst erst dabei sind, Trassen zu skizzieren und zu bewerten. Bis die Trambahn kommt, werden viele Jahre vergehen, wenn sie überhaupt vom Bund als sinnvolles, förderfähiges Projekt anerkannt wird. Geradezu fatal wäre deshalb der vom Bürgermeister geforderte Ausschluss der Linienführung über die Leibstraße zum Bahnhof gewesen, weil genau diese Linie aus Sicht der Planer das höchste Fahrgastaufkommen verspricht. Der Bahnhof würde so zur Verkehrsdrehscheibe. Davon kann letztlich das ganze Vorhaben abhängen. Der Bürgermeister hat mal wieder mit einem Alleingang für Kopfschütteln gesorgt.

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