bedeckt München 30°

Grenznah betrachtet:Eschenrieder Spange

Als "Meilenstein im Autobahnnetz" wurde die Zufahrt zur A99 von der Politik gefeiert. Ihr Funktionalität stand aber lange auf dem Prüfstand.

Von Sonja Niesmann

Am 4. September 1998 wurde feierlich das Band durchschnitten. "Eine der wichtigsten Autobahnlücken in Deutschland ist geschlossen", frohlockte damals Günther Grafwallner von der Autobahndirektion Südbayern in seinem Aufsatz "Und langsam schließt sich der Ring". Während für Grafwallner ein "Meilenstein im bayerischen Autobahnnetz gesetzt" wurde, fanden manche die Eschenrieder Spange schon damals so überflüssig wie einen Kropf. Wer sich von der Autobahn Stuttgart München nähert, hat an der Peripherie auf kurzer Distanz nämlich gleich zwei Möglichkeiten, in den Autobahnring Nord/A 99 einzubiegen: über die Eschenrieder Spange und, nur 3,8 Kilometer weiter stadteinwärts, am Langwieder Kreuz, das 1999 fertiggestellt wurde.

Planungen für einen Autobahnring rund um München, der den Durchgangsverkehr aus der Stadt heraushalten und auch schnelle Verbindungen zwischen den Umlandgemeinden schaffen sollte, gab es schon seit den 1930er-Jahren. Verwirklicht wurde schließlich zunächst der Ostabschnitt, dann der erste Teil des Nordabschnitts. Zur Autobahn Stuttgart floss der Verkehr dann lange Zeit weiter über die - chronisch überlastete - B 471, die Südumgehung Dachaus. In den 1970er-Jahren wurde dann die Idee für die Eschenrieder Spange geboren. Wenn, so lautete das Argument der Planer, aus Naturschutzgründen ohnehin kein Südring gebaut werde, sei es sinnlos, den Verkehr von der Nürnberger Autobahn bis zum Langwieder Kreuz zu leiten. Dann könne man die Tangente gleich ein Stück weiter im Norden bauen. Doch unter dem wachsenden Druck von Politikern und Bürgern, vor allem aus dem Landkreis Dachau, über dessen Flur die Trasse verläuft, wurde schließlich beschlossen, beide Verbindungen parallel voranzutreiben.

1993 begannen die Bauarbeiten, 1994 wurden sie unterbrochen

1993 begannen die Bauarbeiten für die 6,2 Kilometer lange Spange durchs Graßlfinger Moos, 1994 wurden sie schon wieder eingestellt. Zwei Jahre lang beschäftigte die Eschenrieder Spange, vor allem ihre Umweltverträglichkeit, die Gerichte, bis 1996 das Bundesverwaltungsgericht den Weiterbau gestattete. Einschließlich des Allacher Tunnels ist die Verbindung 8,7 Kilometer lang und hat 200 Millionen Euro verschlungen, die Hälfte entfiel allein auf die aufwendige Unterquerung der Würm.

Zwischen den mehrspurigen Trassen von Stuttgarter Autobahn, Eschenrieder Spange und A 99 mit ihren die Landschaft prägenden Lärmschutzwänden und -wällen liegt eingeschnürt ein dreieckförmiges Gelände. Eingeschnürt, aber nicht abgehängt: Durch den für den Autobahnbau nötigen Aushub von 2,3 Millionen Kubikmetern Kies aus dem "Luß" entstand ein neuer Baggersee. Rund um dieses Lußsee benannte Badegewässer und den Langwieder See legten die Stadt München und der Erholungsflächenverein ein großzügiges Freizeitgelände an. Ein sehr beliebtes - allerdings mit einem ständigen, je nach Windrichtung lauteren oder leiseren Grundrauschen von allen Seiten.

© SZ vom 07.09.2017 //gna

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite