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Energieversorgung in Taufkirchen:Unter Hochspannung

Wenn die Anlage wie einst in Unterhaching außer Wärme auch Strom produziert, sichert das in den Sommermonaten Einnahmen.

(Foto: Claus Schunk)

Nach dem Scheitern in Unterhaching steht die Kalina-Technologie zur Stromproduktion aus Geothermie vor einer neuen Bewährungsprobe. Die Anlage in Taufkirchen hat die ersten Kilowatt ins Netz eingespeist.

Die Kraft-Wärme-Koppelung ist die Königsdisziplin auf dem Feld der Tiefengeothermie. Beherrscht ein Kraftwerk diese Kunst, dann vermag es mit kochenden Thermalwassers nicht nur Wohnstätten und Betriebe mit Wärme zu versorgen, sondern kann die überschüssige Energie in einen Generator stecken und damit Strom erzeugen. Vor allem im Sommer, da die Wärmenachfrage zu manchen Zeiten gegen Null tendiert, ist der Betreiber dankbar für dieses zweite Standbein, denn mit jeder Umdrehung des Kilowattzählers klingelt es in seiner Kasse.

In Unterhaching ist diese Rechnung bekanntlich nur deshalb nicht aufgegangen, weil Komponenten des Kalina-Kraftwerks zickten und deshalb die Stromproduktion eingestellt wurde.

Vor wenigen Tagen nun hat nur wenige Kilometer entfernt das Geothermiekraftwerk in Taufkirchen erstmals für einen Probebetrieb Strom ins Netz gespeist. In den nächsten Wochen wird die Stromproduktionsanlage sukzessive hochgefahren, und dann wird es sich zeigen, ob die Anlage hält, was sich die Betreiber von der GeoEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG versprechen. In der Branche wird die weitere Entwicklung mit großem Interesse verfolgt, denn die Taufkirchner vertrauen als einzige in Deutschland ausgerechnet auf jene Kalina-Technik, mit der die Unterhachinger gescheitert sind. Diese Wahl ist freilich keinem Trotz geschuldet, sondern fußt auf der Überzeugung, von den Störfällen in der Unterhachinger Pionier-Anlage gelernt zu haben.

Man habe sich die Erfahrungen der Unterhachinger zunutze gemacht, sagte ein Sprecher der Firma Daldrup. "Die Weiterentwicklung unseres Prozesses klingt intelligent, aber die müssen erst einmal anschalten" , sagte im Dezember Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer der Unterhachinger Geothermiegesellschaft, die inzwischen größtenteils im Besitz der Grünwalder GEW ist. Jetzt also haben sie "angeschaltet", nun werden vor allem die modifizierten Dichtungskomponenten auf die Probe gestellt. Riecht es in der Taufkirchner Anlage bald nach Ammoniak, dem Arbeitsmedium des Kalina-Prozesses, dann wird die gute Laune der Bohrtechnik- und Geothermiespezialisten von der Daldrup & Söhne AG, deren Tochterunternehmen die GeoEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG ist, bald verflogen sein. Läuft die Anlage auch in Volllast tadellos, würde das Risiko der Investoren belohnt.

Für eine seriöse Bewertung ist es noch zu früh

70 Millionen Euro hat die gesamte Anlage bisher gekostet. Seit Ende 2015 versorgt das Kraftwerk die Gemeinden Oberhaching und Taufkirchen mit Fernwärme, jetzt soll der Verkauf von Strom sprichwörtlich das Kraut fett machen. Die ersten Testläufe seien gut gewesen, es sei aber noch zu früh, eine seriöse Bewertung abzugeben, sagte Falk von Kriegsheim, Pressesprecher der Daldrup & Söhne AG, die in Grünwald ihren Gesellschaftersitz hat. Der ersten Einspeisung waren laut Pressemitteilung des Unternehmens erfolgreich abgeschlossene Systemtests der Komponenten der Stromerzeugungsanlage in den vergangenen Tagen vorausgegangen. Damit werde nun erstmals und stabil, parallel zu der für Taufkirchen und Oberhaching eingespeisten Fernwärme, auch umweltfreundlich erzeugter Strom des Kraftwerks in das öffentliche Netz eingespeist. Die aktuelle Stromproduktion im Testbetrieb sei jedoch noch sehr gering. Mit dem witterungsbedingten Rückgang der Fernwärmeproduktion werde die Stromproduktion aber hochgefahren.

Ein weiterer Wärmetauscher werde in der zweiten Jahreshälfte 2018 hinzugeschaltet, so dass dann aus heutiger Sicht die Stromproduktion sukzessive in den Volllastbetrieb übergehen werde. Der Vorstand des Unternehmens, so heißt es weiter, gehe für das Geschäftsjahr 2018 davon aus, dass entsprechende Einspeiseerlöse aus der Stromerzeugung erzielt werden könnten. Mit dem 138 Grad heißen Wasser, das in einer Schüttungsmenge von 120 Litern/Sekunde aus 3800 Metern Tiefe gefördert wird, können tatsächlich hohe Einnahmen erzielt werden. Im Endausbau soll das Kraftwerk neben 61 000 Megawattstunden Fernwärme rund 21 000 Megawattstunden Strom produzieren, das sind 21 Millionen Kilowattstunden, jede vergütet mit 25,2 Cent.

Im Januar hat Daldrup seine Beteiligung verdoppelt

Bei Daldrup zeigt man sich offenbar optimistisch, die gesteckten Margen erreichen zu können. Erst im Januar hat der Konzern seine Beteiligung am Geothermiekraftwerk Taufkirchen nahezu verdoppelt. Die Geysir Europe GmbH, an der Daldrup zu 75,01 Prozent beteiligt ist, hatte dem Schweizer Unternehmen Axpo Power AG deren Gesellschaftsanteile in Höhe von 35 Prozent an der GeoEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG abgekauft. Damit hält Geysir jetzt insgesamt 73,61 Prozent der Anteile am Geothermiekraftwerk Taufkirchen. Weitere 26,31 Prozent halten unverändert die Gemeindewerke Oberhaching GmbH und 0,08 Prozent die BioEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG. Mit der Umsetzung des Anteilskaufs hält der Konzern Daldrup & Söhne umgerechnet 55,21 Prozent am Geothermiekraftwerk Taufkirchen, vor dem Anteilskauf waren es 28,96 Prozent.