Mailand: Frau verhaftet:Deutsch-italienisches Familiendrama

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In Italien wird eine Frau verhaftet. Sie soll ihre Kinder nach Mailand entführt haben. Der Münchner Vater kämpft darum, für die Kinder zu sorgen.

H. Klüver u. S. Wimmer

Ein deutsch-italienische Familiendrama ist am Dienstag eskaliert. In Mailand wurde die Mutter, Marinella C., nach deutschem Ersuchen und auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls wegen Kindesentführung verhaftet und in die Strafanstalt San Vittore eingeliefert. Ihre beiden schulpflichtigen Söhne, 12 und acht Jahre alt, leben derweil an einem nicht bekannten italienischen Ort im Untergrund.

Mit der Entführung der Kinder hatte sich die Frau zum zweiten Mal über das Urteil des Münchner Familiengerichts hinweggesetzt, das das alleinige Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht dem Vater zugesprochen hatte.

Der Fall besteht aus einem schwer zu entwirrenden Knoten von bürokratischen Verordnungen, gerichtlichen Beschlüssen und menschlichen Gefühlen. Die Mailänderin Marinella C. und der Münchener Tobias R. heiraten 1997. Die Italienerin gibt ihre Arbeit in Mailand auf und zieht nach Taufkirchen, wo der Mann eine Umzugsspedition aufgebaut hat. Auch die Kinder kommen in München zur Welt. Doch die Ehe hält nicht, das Paar trennt sich 2006. Während das Scheidungsverfahren läuft, behalten beide Elternteile das Sorgerecht.

Die Probleme beginnen, als Marinella C., die in München Arbeit bei einem internationalen Unternehmen gefunden hatte, zwei Jahre später nach Mailand versetzt wird. Sie zieht um und nimmt ohne das Wissen des Vaters die Söhne mit. Nahezu zeitgleich spricht das Familiengericht München dem Vater im September 2008 das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für seine Kinder zu.

Kinder illegal nach Italien gebracht

Der Vater erwirkt über das Bundesjustizministerium, dass das Haager Kindesentführungsübereinkommen vollzogen und die Kinder nach Deutschland zurückgebracht werden sollen. Das italienische Jugendgericht in Mailand gibt dem Begehren statt. Die Mutter taucht mit den Kindern unter, italienische Medien berichten, dass sich das Paar dann angeblich privat einigt, damit die Kinder wenigsten wieder eine öffentliche Schule in Mailand besuchen können.

Im Mai 2009 macht der Vater seine Rechte auf die Kinder geltend, Carabinieri vollstrecken ein deutsches Auslieferungsgesuch, fangen die Kinder vor der Schule ab und schicken sie nach Bayern. Daraufhin kommt es in Mailand zu einer Demonstration, bei der Klassenkameraden und deren Eltern die Rückkehr der Kinder an ihre Schule fordern. Fast ein Jahr lang lebt der Vater mit seinen Söhnen zusammen. Dann taucht im Februar 2010 Marinella C. in Unterhaching auf, passt die Kinder in der Bibliothek ab und bringt sie illegalerweise nach Italien.

Inzwischen hat sie auch gegen die Entscheidung des Mailänder Jugendgerichts, das dem deutschen Ersuchen stattgegeben hatte, geklagt. Das Berufungsgericht ordnete daraufhin im März eine Neuverhandlung vor dem Mailänder Jugendgericht an. Bei dem Termin am Montag, zu dem Marinella C. erschien, wurde die Frau verhaftet. In Italien erregt der Fall enormes Aufsehen. Gerade vor dem Hintergrund, dass der Mutter in Mailand im neuen Verfahren jetzt Recht gegeben werden könnte, bezeichnen italienische Medien die Festnahme und eine mögliche Auslieferung der 48-Jährigen nach Deutschland als "völlig überzogen".

Auch der Vater der Kinder zeigte sich von der Verhaftung seiner Ex-Frau überrascht. Gleichzeitig betonte er, dass sein Interesse einzig und allein den Kindern gelte, die irgendwo in Italien versteckt gehalten werden. Er habe um das Recht gekämpft, als alleinerziehender Vater für seine Kinder sorgen zu können und dieses Recht auch zugesprochen bekommen.

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