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Coronavirus:Notbetreuungen bleiben leer

Neubiberg, KiBeG Kindergarten am Hallstattfeld, durch zwei neue Mitarbeiter werden 4 zusätzliche Plätze frei,

In den Notgruppen, die in Tagesstätten eingerichtet wurden, bleiben die meisten Plätze leer.

(Foto: Angelika Bardehle)

Nur wenige Eltern nutzen bisher die eingeschränkten Öffnungen der Kindertagesstätten und Schulen. Doch das könnte sich bald ändern. Die Einrichtungen befürchten in diesem Fall unkontrollierbare Ansteckungen.

Kindertagesstätten und Schulen sind die dritte Woche so gut wie leer. Die Notbetreuungen stehen nur Eltern offen, die in der Gesundheitsversorgung, der Pflege oder in sonstigen Bereichen der kritischen Infrastruktur arbeiten, doch auch von ihnen werden die Angebote bisher nur selten genutzt. Das könnte sich demnächst allerdings durch erweiterte Regelungen ändern.

In den insgesamt 15 Einrichtungen der Caritas im Landkreis München stehen Erzieherinnen und Erzieher seit vorvergangener Woche bereit, doch oft kommt nicht ein einziges Kind. In der vergangenen Woche seien nur knapp zehn Kinder von ihren Eltern gebracht worden, sagt Christian Müller. Der Fachbereichsleiter für die Kindertageseinrichtungen der Caritas sagt: "Ich glaube, viele versuchen es dann lieber daheim, weil sie die Befürchtung haben, die Kinder könnten sich anstecken."

Auch Nicole Zeh, die Leiterin der kommunalen Kindertageseinrichtungen der Gemeinde Grasbrunn, bestätigt: Es ist nicht viel los. In der vergangenen Woche wurde in den drei Einrichtungen kein einziges Kind betreut, in dieser Woche sind es zwei, beide im Kinderhaus in Harthausen. Zeh sagt: "Ich vermute, dass oft noch die Großeltern mit eingespannt werden. Viele Betriebe bieten auch Home-Office an, dann bleiben die Eltern mit den Kindern zusammen Zuhause." Die Notbetreuung dürfe nur dann in Anspruch genommen werden, wenn die Eltern durch ihre Arbeit an der Aufsicht gehindert werden. Doch das ist nicht die einzige Einschränkung.

"Auch schon drei Kinder generieren viele soziale Kontakte."

Derzeit gilt in den Einrichtungen zur Kinderbetreuung grundsätzlich ein Betretungsverbot. Bestimmte Berufe sind davon jedoch ausgenommen, denn die Eltern werden als Arbeitskräfte dringend benötigt. Dazu zählt die Gesundheitsversorgung, die Pflege oder die sogenannten sonstigen Bereichen der kritischen Infrastruktur wie beispielsweise Einrichtungen zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung, Lebensmittelversorgung, Polizei oder Feuerwehr. Eltern in diesen Berufen dürfen ihre Kinder in den Einrichtungen weiter betreuen lassen - bisher allerdings nur, wenn beide Elternteile in einem solchen Beruf tätig sind oder im Falle von Alleinerziehenden. Das steht im Informationsblatt für Eltern des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales.

Seit Montag dürfen auch Kinder in die Betreuung gegeben werden, wenn nur ein Elternteil in der Gesundheitsversorgung oder Pflege arbeitet. Das Sozialministerium begründet die Entscheidung mit dem steigenden Personalbedarf in diesen Bereichen. "Ich könnte mir vorstellen, dass deshalb in nächster Zeit mehr Eltern als jetzt die Kinderbetreuung in Anspruch nehmen", sagt Nicole Zeh.

Ob es zu weiteren Ausweitungen der Regelungen der Kinderbetreuung kommen wird, ist unklar. Christian Müller sieht zu starke Lockerungen kritisch: "Dann bringen alle Eltern die Kinder." Das Betretungsverbot sei da, um möglichst wenig Kontakte stattfinden zu lassen. "Auch schon drei Kinder, die in die Einrichtung gebracht werden, generieren viele soziale Kontakte", sagt Müller. Es sei außerdem schwer zu kontrollieren, dass vor allem kleine Kinder immer Abstand beim Spielen zu anderen halten oder in den Ellbogen statt in die Hand niesen.

"Im besten Fall sollten die Kinder aus Infektionsschutzgründen daheim bleiben", findet Oliver Westphalen. Er ist Geschäftsführer der Nachbarschaftshilfe Vaterstetten, Zorneding und Grasbrunn, die im vereinseigenen Kinderpark eine Kinderbetreuung für ihre Mitarbeiter anbietet. In der vorigen Woche wurden im Kinderpark fünf Kinder betreut, deren Eltern so weiterhin arbeiten konnten.

In 23 Schulen werden derzeit insgesamt 54 Schüler betreut

Auch in Schulen stehen Lehrer zur Betreuung der Kinder bereit. Allerdings nur für Schüler von der ersten bis zur sechsten Jahrgangsstufe. Die höheren Klassen seien alt genug, um auch alleine Zuhause bleiben zu können. Schulamtsdirektorin Karin Olesch erhält durch eine Abfrage des Kultusministeriums jeden Tag aktuelle Zahlen aus den 65 Schulen im Landkreis. In 23 Schulen werden gerade insgesamt 54 Schüler betreut. In den restlichen Schulen wurden keine Kinder zur Betreuung angemeldet. Nur selten sind es zwei oder drei Schüler in einer Schule. "Die Situation könnte sich aber in den nächsten Tagen ändern", sagt Olesch. Das Kultusministerium informierte die Eltern mit einem Schreiben über die geänderten Regelungen. Viele erhalten es erst diese Tage und werden nun eventuell ihre Kinder betreuen lassen.

Trotzdem werden auch weiterhin viele Eltern versuchen, einen Weg zu finden, um ihre Kinder nicht in die Betreuung zu geben - um sie und sich vor Ansteckung zu schützen.

© SZ vom 26.03.2020/hilb
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