Coronavirus im Landkreis München:"Es plätschert weiter"

Coronavirus -Testpflicht

Seit sie für viele Menschen kostenpflichtig sind, geht die Zahl der Corona-Tests rapide zurück.

(Foto: dpa)

Seit Corona-Tests nicht mehr für jedermann gratis sind, ist die Nachfrage im Landkreis um zwei Drittel gesunken. Die Zahl der Erstimpfungen hat sich dadurch aber bisher nicht erhöht.

Von Iris Hilberth, Landkreis

Seit Corona-Tests nicht mehr für alle kostenlos sind, ist die Nachfrage im Landkreis München rapide zurückgegangen. Wie Landrat Christoph Göbel (CSU) bei einem Presse-Jourfixe am Montagmittag mitteilte, ist die Zahl der Tests um zwei Drittel gesunken. Während in der letzten Woche vor der Neuregelung Anfang Oktober noch 8209 PCR-Tests und 6451 POC-Antigen-Schnelltests vorgenommen wurden, waren es in der vergangenen Woche im Landkreis lediglich noch 2728 PCR- und 2627 POC-Tests.

Das sich deshalb mehr Menschen doch noch für eine Impfung entscheiden, ist dagegen nicht zu erkennen. Zwar gibt es weiterhin auch Erstimpfungen, ein signifikanter Anstieg der Zahlen blieb bisher aber aus. "Es plätschert weiter", sagte eine Mitarbeiterin des Landratsamts. Und das tut es nach einer Statistik der Behörde seit der Überschreitung der Marke von 200 000 Erstimpfungen Anfang Juli. Seither ist die Kurve deutlich abgeflacht, 14 Wochen später ist man erst bei 237 010 Erstimpfungen angelangt. Eine stärkere Tendenz nach oben gab es in dieser Zeit nie.

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis ist unterdessen weiter gestiegen, sie lag am Montag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei 84,1. Allein 100 neue Fälle sind am Wochenende dazugekommen. Göbel betonte allerdings noch einmal, dass dieser Wert derzeit keine Rolle mehr spiele, sondern vielmehr das Augenmerk auf der Hospitalisierung liege. Und da zeigt die Corona-Ampel weiterhin grün. Bayernweit kamen innerhalb von sieben Tagen 274 Menschen wegen Corona ins Krankenhaus, im Landkreis München mussten sieben Personen wegen eine Corona-Infektion in stationärer Behandlung. Die Hospitalisierungsinzidenz beträgt somit 2,0 und entspricht in etwa dem bayernweiten Wert, der mit 2,1 angegeben wird. Die Corona-Ampel würde auf Rot springen, wenn in Bayern mehr als 600 Corona-Patienten auf Intensivstationen liegen. Aktuell sind in Bayern 261 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt.

Göbel sieht den Grund für diese relativ hohe Zahl bei den Nichtgeimpften. "Das wäre vermeidbar", sagt er. Insbesondere bei jungen Intensiv-Patienten seien deutlich längere Krankenhaus-Aufenthalte zu beobachten. Es gebe zwar immer wieder auch Impfdurchbrüche, doch sei der Verlauf der Corona-Erkrankung dann zumeist mild. Schwer treffe es geimpfte Personen meist nur dann, wenn eine multiple Immunschwäche oder Vorerkrankungen vorlägen, sagte Göbel; dies hätten ihm Ärzte bestätigt. Göbel appellierte daher erneut an alle Zögerlichen, sich impfen zu lassen.

Wie hoch die Impfquote im Landkreis München inzwischen ist, vermag keiner genau zu sagen. Landrat Göbel geht allerdings davon aus, dass sie "überdurchschnittlich hoch" ist. "Wir haben hier eine informierte und aufgeklärte Gesellschaft mit einem hohen Bildungsgrad", sagte Göbel. Zwar könne er es nicht empirisch belegen, er schätze aber, dass es im Landkreis München nur wenige Menschen gebe, die sich mangels Information nicht impfen ließen. Natürlich gebe es aber auch hier hartnäckige Impfgegner, "die es schon als Nötigung empfinden, dass wir für das Impfen werben", sagte der Landrat.

Mit bislang 488 000 verabreichten Spritzen nähert sich der Landkreis derzeit der Marke von einer halben Million. Darunter seien inzwischen 8330 Auffrischungsimpfungen, viele davon in 28 Alten- und Pflegeeinrichtungen. Auch die bislang 125 Sonderaktionen haben zur Erhöhung der Impfquote beigetragen. 6979 Mal wurden so Menschen für eine Immunisierung gewonnen. Laut Landratsamt diente etwa ein Drittel der verabreichten Spritzen bei diesen Sonderaktionen der Erstimpfung. 58 Mal waren außerdem Impfbusse im Landkreis im Einsatz.

Unter den nicht geimpften Kindern breitet sich das Coronavirus allerdings munter weiter aus. Mittlerweile gibt es 96 Infektionen an 63 Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. 51 weitere Kinder befinden sich als Kontaktpersonen aktuell in Quarantäne. "Das sind im Vergleich zu früher wesentlich weniger, da wir nicht mehr ganze Klassen nach Hause schicken müssen", sagte Göbel. Frühestens nach fünf Tagen können sich Kontaktpersonen frei testen - also nach einem negativen Test die Quarantäne verlassen. 240 Mal sei dieses Angebot in Anspruch genommen worden. Wesentlich geringer ist die Zahl der Infizierten aktuell in den Alten- und Pflegeeinrichtungen. Hier sind derzeit sieben Bewohner in vier Heimen und zwölf Mitarbeiter in sechs Einrichtungen betroffen.

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