Energiewende:Brunnthal setzt auf Photovoltaik

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Energiewende: In Unterhaching existiert schon eine Freiflächen-Photovoltaikanlage.

In Unterhaching existiert schon eine Freiflächen-Photovoltaikanlage.

(Foto: Sebastian Gabriel/)

Der Gemeinderat verabschiedet Vorgaben für Freiflächenanlagen. Für drei davon gibt es bereits konkrete Anfragen.

Von Angela Boschert, Brunnthal

Die Gemeinde Brunnthal will energietechnisch unabhängiger werden und verhandelt mit drei Investoren über Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Welches Unternehmen seine Panels wohin stellen kann, wird noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen. Doch hat der Gemeinderat am Mittwoch mehrheitlich einen Kriterienkatalog verabschiedet, der etwa Mindestflächengrößen, Abstände zu Wald und Gebäuden und notwendige Eingrünung vorgibt.

Anlass für den Kriterienkatalog sind drei aktuelle Anfragen für zwei Flächen in Brunnthal selbst und eine in Kirchstockach, zwei Bürgerbeteiligungsprojekte auf 4,5 und drei Hektar Fläche sowie ein privates Vorhaben. Letzteres soll 5,1 Hektar groß werden und könnte gut 1800 Haushalte mit je 3500 Kilowattstunden Strom pro Jahr versorgen. Zwei weitere Anfragen wurden niedergelegt.

Für Photovoltaik-Anlagen müssen landwirtschaftliche Flächen geopfert werden. Bürgermeister Stefan Kern (CSU) sagte im Gemeinderat, die Frage sei, wie viel man einbringe und ob das dann Filetstücke oder saure Wiesen seien. Durch den Kriterienkatalog wolle er eine "vernünftige städteplanerische Entwicklung innerhalb von 20 Jahren" sichern und die Verfahren vereinfachen. Im Rat umstritten war die schließlich beschlossene Vorgabe einer Mindestgröße für Photovoltaik-Flächen von 1,5 Hektar. Hilde Miner von den Grünen warnte davor, sich dadurch einzuschränken und gute Gelegenheiten zu verpassen. Martin Werntshofner (Parteifreie Wählergruppe) äußerte als Landwirt die Befürchtung, dass Agrarflächen wegfallen oder die Pacht steigen könnte. Laut Beschluss können mehrerer Anträge gebündelt werden, eine Beschränkung nach oben gibt es nicht. Schließlich entscheidet der Gemeinderat im Bauleitverfahren, bei dem dann auch die Öffentlichkeit beteiligt wird, noch über jedes Projekt, was die Mitglieder des Gremiums sichtlich beruhigte.

Ausführlich diskutierten diese die Eingrünung der Solaranlagen. Bei zwei Meter Abstand innen zur Geländegrenze muss sie fünf Meter breit werden und einen angrenzenden Pflegeweg haben. Die Hecke oder Bepflanzung soll auch verhindern, dass die polierten Oberflächen der Panels blenden. Wichtig war den Gemeinderäten der Abstand zu Wäldern - jetzt mindestens 20 Meter - und zu Bauten. Zu Wohngebäuden müssen 50 Meter zuzüglich weiterer 50 Meter Restriktionsfläche eingehalten werden. Davon ausgenommen sind Splitterbebauung und Gewerbegebiete.

Auch andere Formen der Stromerzeugung werden forciert - dazu gehört die Windkraft

Was heißt das nun konkret für den Energiebedarf der Gemeinde? Die drei Anlagen, für die Anfragen vorliegen, wären insgesamt zwölf Hektar groß. Um die erwünschte Menge Strom zu erzeugen, bräuchte es 68 Hektar für Photovoltaik oder vier Windräder, die nur etwa 1,6 Hektar Aufstellfläche samt Zuwegen benötigen. Vorerst jedoch sieht der verabschiedete Katalog 45 Hektar für Freiflächen-Photovoltaikanlagen vor. Das sind rund fünf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Brunnthals, auf denen 58 Prozent des gesamten Jahresbedarfs an Strom bezogen auf 2019 erzeugt würden. Der Strombedarf sei inzwischen jedoch höher durch alternative Energieformen und E-Mobilität, betonte Kern.

Stromerzeugung aus Biogas, Geothermie, Holz und anderen Quellen sei immer noch erforderlich, betonte Kern. Die Bauern sollten Biogasanlagen installieren, die Bürger mehr Photovoltaik- und Solarthermie-Panels auf ihre Hausdächer montieren, forderte er. Und - "das wird weh tun" - auch Windenergie sei nötig. Die Bemühungen der Gemeinde dazu laufen mittlerweile. Mit dem Bau der ersten Freiflächen-Photovoltaikanlagen in Brunnthal dürfte im Frühjahr 2024 zu rechnen sein.

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