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Bauprojekt:Aschheim wehrt sich gegen den Schlachthof

Schlachthof in München, 2011

Wie am Schlachthof in München könnten bald in Aschheim Tiere angeliefert und zerlegt werden. Für einige Bürger eine Schreckensvorstellung.

(Foto: Hess)

In einer nicht-öffentlichen Sitzung hat der Gemeinderat dem Bau eines Groß-Schlachthofs zugestimmt. Doch die Anwohner wollen dagegen vorgehen.

Gegen den Groß-Schlachthof, der im Aschheimer Gewerbegebiet gegenüber dem Möbelhaus XXXLutz entstehen soll, wird Protest laut. Bürger aus Aschheim, aber auch aus den benachbarten Kommunen Kirchheim und Feldkirchen wehren sich gegen das Projekt. Sie fürchten Geruchsbelästigungen und weitere negative Auswirkungen, wenn ein Investor aus Nordrhein-Westfalen auf dem etwa elf Hektar großen Grundstück an der Autobahnumfahrung A 99, so wie es die Gemeinde Aschheim beschlossen hat, ein Fleischhandelszentrum mit eigener Schlachtung und Biogasanlage baut.

Die Stimmung im Ort sei aufgeladen, sagen die Gegner des Schlachthofs

Um den Schlachthof zu verhindern, hat sich nun die Gruppe "Aschheimer gegen Schlachthof" gegründet. Im sozialen Online-Netzwerk Facebook hat der lose Zusammenschluss bereits knapp hundert Sympathisanten. Für Gründerin Sabine Maier war die Nachricht, die Aschheims Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) auf der Bürgerversammlung Ende April präsentiert hatte, nach eigenen Worten ein "Schock" gewesen. In nicht-öffentlicher Sitzung hatte der Gemeinderat zuvor den Plänen für einen Schlachthof auf Gemeindeflur zugestimmt.

Gemeinsam mit ihren Mitstreitern will sich Sabine Maier nun mit allen verfügbaren Mitteln gegen das Projekt wehren. Die Stimmung im Ort sei spürbar aufgeladen. "Es gibt einen Widerstand, den Aschheimern ist das nicht egal", sagt Maier.

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Der Aschheimer Gemeinderat hat sich in seiner nicht-öffentlichen Sitzung - nach Darstellung des Bürgermeisters im Grundsatz einstimmig - für die Baupläne des Investors ausgesprochen, der unter dem Namen Opus Munich GmbH und Co. KG auftritt und sich zurückverfolgen lässt zu einem Fleischgroßhändler in Nordrhein-Westfalen. Der Bauausschuss beschloss daraufhin, einen Bebauungsplan für das betreffende Gewerbegebiet aufzustellen. Dieser wird derzeit von einem Stadtplanerbüro entworfen. Das Schlachtzentrum werde komplett eingehaust, sodass Geruchsbelästigungen nicht zu befürchten seien, versichert Glashauser. Zudem betreffe die Schlachtung nur einen kleinen Bereich der Gebäude, im Rest sei die Weiterverarbeitung untergebracht.

Auch in Kirchheim und Feldkirchen regt sich Protest

Alle Anwohner überzeugt das jedoch nicht. Sobald der Bebauungsplan, der die Nummer 150 trägt, öffentlich gemacht wird, wollen Aschheimer Bürger Einspruch dagegen erheben. Dabei koordinieren sich die Gegner des Schlachthofs mit Nachbarn in Feldkirchen und Kirchheim. Zudem wolle man Kontakt zu Bürgermeister Glashauser und den Gemeinderäten suchen, erklärt Maier. Für Initiatorin Maier ist der Schlachthof auch eine Frage der Reputation für die Gemeinde Aschheim. Ein solches "Negativgewerbe" schrecke möglicherweise andere Unternehmen davon ab, sich in der Kommune niederzulassen, warnt sie.

Mit ihrer Ablehnung sind die Aschheimer nicht allein. Auch in Kirchheim führt die Vorstellung, bald einen Großschlachtbetrieb für Rinder und Schweine in unmittelbarer Nähe zu haben, bei einigen Einwohnern zu Befürchtungen. Die ersten Wohnhäuser des Kirchheimer Ortsteils Heimstetten liegen ebenso wie das Naherholungsgebiet Heimstettener See Luftlinie weniger als einen Kilometer weit vom geplanten Standort entfernt - wesentlich näher als der Aschheimer Ortskern.