Erste Hilfe:Vom Fernseher zur Unfallstelle

Erste Hilfe: "Man sieht, dass gemeinsame Hilfe in der Not sehr wohl funktionieren kann", sagt Christian Aron, nachdem er mit anderen in Aschheim einen verunglückten Rentner reanimiert hat.

"Man sieht, dass gemeinsame Hilfe in der Not sehr wohl funktionieren kann", sagt Christian Aron, nachdem er mit anderen in Aschheim einen verunglückten Rentner reanimiert hat.

(Foto: Sebastian Gabriel/)

Als ein Rentner in Aschheim gegen einen Baum fährt, zögern die Anwohner nicht lange: Sie ziehen den Mann aus seinem Auto und beginnen mit der Reanimation.

Von Celine Imensek, Aschheim

"Die Ersthelfer, die den Mann aus dem Auto gezogen und reanimiert haben, sind vollkommen richtig vorgegangen. Das hat auch der Notarzt später bestätigt", sagt Florian Gebauer, Kommandant der Aschheimer Feuerwehr zwei Tage nach dem Einsatz. Ein 79-jähriger Mann hatte am späten Sonntagnachmittag in Aschheim offensichtlich aufgrund einer akuten Erkrankung die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, er beschädigte drei Fahrzeuge und fuhr dann gegen einen Baum.

Zur gleichen Zeit schaute Christian Aron in seiner Wohnung in der Saturnstraße entspannt ein Bundesliga-Spiel. Als er gegen 17.30 Uhr einen lauten Knall hörte, lief er hinaus auf die Straße. Dort waren bereits einige Passanten zusammengekommen. "Eine Frau hat sofort zu mir gesagt, dass man den Mann aus dem Auto holen muss", sagt Aron. Ein vorbeikommender Radfahrer habe ihm dann dabei geholfen, den bewusstlosen Rentner aus dem Fahrzeug zu bergen, während zwei Nachbarinnen die Feuerwehr und Polizei verständigten. Weitere Unterstützer versuchten, den Mann gegen Schaulustige abzuschirmen.

"Eine Nachbarin stellte fest, dass kein Puls vorhanden war und so begann ich gleich mit einer Herzdruckmassage", erzählt Aron. Dabei ging ihm der Sohn einer Anwohnerin, ein ausgebildeter Ersthelfer, zur Hand. Dafür sei er sehr dankbar gewesen, sagt der 72-Jährige. Denn obwohl er immer wieder zur Auffrischung einen Erste-Hilfe-Kurs besuche, seien bei ihm Fragen aufgekommen.

"Als der Patient auf die Herzdruckmassage reagierte, war ich nicht sicher, ob ich weitermachen sollte oder ob ich ihm damit vielleicht schade", erinnert sich der Aschheimer an die Situation. Weil der andere die Reanimation weiterführte, schloss sich auch Aron an. Nach wenigen Minuten konnten die Nachbarn den Verunglückten an professionelle Retter übergeben: Einsatzkräften der Feuerwehr. Er wurde später mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Die Rettungskräfte boten den Umstehenden zudem psychologische Hilfe an. "Vor allem die Leute, die den Unfall gesehen haben, standen sichtlich unter Schock", erzählt Kommandant Gebauer. "Da herrscht dann viel Redebedarf." Christian Aron nahm das Angebot der Rettungskräfte zwar nicht an, sagt aber, dass er vor allem am nächsten Tag viel über den Vorfall nachgedacht habe. Die Zusammenarbeit der Anwohner bleibe ihm besonders positiv im Gedächtnis. "Meine Rolle war ein kleiner Teil", sagt der 72-Jährige, "und man sieht, dass gemeinsame Hilfe in der Not sehr wohl funktionieren kann."

Bei der Reanimation des Unfallopfers waren nach Aussage von Zeugen noch weitere Helfer beteiligt.

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