Seelsorge:Ein Mann des offenen Worts

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Seelsorge: "Andere sitzen im Bierkeller, ich schreibe meine Bücher", sagt Michael Gmelch.

"Andere sitzen im Bierkeller, ich schreibe meine Bücher", sagt Michael Gmelch.

(Foto: Claus Schunk)

Der scheidende Neubiberger Militärdekan Michael Gmelch wird nicht müde, Reformen in der katholischen Kirche anzumahnen.

Von Angela Boschert, Neubiberg

Eine nüchterne und ernüchternde Bilanz über die Kirche zieht Michael Gmelch, der katholische Militärdekan an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg, am Ende seiner Dienstzeit: "Ich habe 44 Jahre Theologie betrieben, aber die offenen Fragen sind geblieben, als ob nichts passiert sei." Evangelische und katholische Gläubige dürften immer noch nicht selbstverständlich ein gemeinsames Abendmahl feiern, Frauen immer noch nicht Priesterinnen werden und Nichtgeweihte immer noch keine Pfarrei leiten. Außerdem säßen zu wenige Frauen auf Leitungspositionen, beklagt Gmelch.

Der Theologe kehrt in seine Heimatdiözese Eichstätt zurück. Sein Nachfolger ist in Neubiberg kein Unbekannter: Sylwester Walocha war von 2010 bis 2015 in der Pfarrei Rosenkranzkönigin tätig und wird Mitte Juni offiziell in sein Amt eingeführt. Vor 13 Jahren ging Gmelch zur Militärseelsorge nach Flensburg und kam im Februar 2018 nach Neubiberg. Hier wie dort konnte er Ratsuchenden dank seiner Zusatzausbildungen im Bereich Psychologische Beratung und Traumapsychotherapie helfen. Sein Wissen und seine Erfahrungen hat er in fünf Büchern gesammelt, die "mit großer Disziplin" entstanden sind, wie er selbst sagt: "Andere sitzen im Bierkeller, ich schreibe meine Bücher."

Die Entscheidungsträger brauchten Zeit, um frei von Verwaltungsaufgaben und Verpflichtungen die Struktur der katholischen Kirche auf den Prüfstand stellen zu können, lautet Gmelchs Fazit, das aufmerken lässt ebenso wie seine Vorträge, Bücher und Exkursionen. Denn - das hat Gmelch in seinem jüngst erschienenen Buch "Hört endlich auf damit, nur betroffen zu sein! - Missbrauchstrauma und die Bischöfe" deutlich ausgeführt - die Kirche brauche einen systemischen Wandel hin zu modernen Strukturen.

Im Rückblick auf seine Zeit an der Universität der Bundeswehr sieht Gmelch die interkulturelle Kompetenz und religiöse Dialogfähigkeit der Studierenden und Universitätsbediensteten als Highlight. Er habe nie bekehren, sondern aufzeigen wollen, und habe erlebt, wie der ohnehin lebendige Austausch über verschiedene Religions- und Glaubensfragen bei Exkursionen, etwa nach Rom, Israel, Istanbul oder Santiago di Compostela, in die Tiefe ging. Ob in Neubiberg oder auf dem Segelschulschiff Gorch Fock oder beim Einsatz gegen den sogenannten Islamischen Staates in Jordanien - Gmelch stand vielen Soldaten zur Seite. Sein Ziel sei gewesen, dass alle sagen: "Zu unserm Pfarrer kannste gehen. Der steht mitten im Leben und weiß, was Sache ist."

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