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Kunst:Ein Meer aus Märchenkönigen

König Ludwig II. war alles andere als simpel gestrickt: Deshalb wäre es zu einfach gewesen, die aufwendig gestalteten Gussfiguren in eine Richtung blicken zu lassen. Kreuz und quer stehen die Büsten im Schlosspark Nymphenburg auf einem Tisch.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Schloss Nymphenburg zeigt eine Installation zum Geburtstag von König Ludwig II. Der Umbau ist nun außerdem im Endpurt-

Es war bei einer Ausstellung von Ottmar Hörl, als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Professor für Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg darum bat, sich doch einmal des König Ludwigs II. für das Schloss Nymphenburg künstlerisch anzunehmen. Hörl: "Da habe ich nicht schnell genug Nein gesagt."

Gut so. Sonst stünde die ältere Dame mit dem Seidentuch um den Hals nun kaum mit weit aufgerissenen Augen vor Hörls gigantischer Installation im Schlosspark und fragte die Leute neben sich, was es denn mit den goldenen Köpfen auf sich habe. Nun, an diesem Samstag wäre der Märchenkönig 173 Jahre alt geworden. Und deshalb können die Besucher des Schlosses zwischen dem mittleren Bau und der Wasserfontäne jetzt einhundert Mal den bayerischen König Ludwig II. bestaunen.

Das wellige Haar, der Bart, die Uniform wurden in einem aufwendigen Gussverfahren nachgeformt und mit Gold lackiert. Kreuz und quer stehen die Büsten auf einem Tisch, denn die Köpfe alle in dieselbe Richtung blicken zu lassen, das wäre vermutlich doch zu einfach gewesen. Denn König Ludwig II. war ja alles andere als simpel gestrickt. "Eine Herausforderung", sagt Kunstprofessor Hörl. Und begann erst einmal, sich recherchierend mit der komplexen Persönlichkeit des Kini auseinanderzusetzen.

Auch im Schloss Nymphenburg selbst steht eine Recherche an, und bei dieser wird es auch um Geld gehen. Die Restaurierungswerkstätten des Schlosses werden weiter aus- und umgebaut. Der größte Teil der Arbeiten wurden bereits im Jahr 2014 abgeschlossen - an den Werkstätten für Stein, Stuck, Bildhauerei, Kunsthandwerk, Gemälde, Skulptur und Vergoldung. Nun komme noch "das Schluss-Steinchen", wie Jochen Holdmann sagt, der Vizepräsident der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Der Rest, sozusagen. Dabei gehe es vor allem um Aspekte des Arbeitsschutzes, "das muss alles den heutigen Verhältnissen angepasst werden".

Insbesondere die Restaurierungswerkstätten für Grafik, Keramik, Tapisserie, Textilien und - ganz neu - für den Bereich Metall werden auf den neuesten Stand gebracht und barrierefrei gestaltet. "Auch Spezialisten für Metall müssen wir jetzt einstellen", sagt Holdmann. Schon heute arbeiten etwa 50 Restauratoren und Kunsthandwerker am Schloss Nymphenburg. Besonders groß seien im Übrigen die Werkstätten für Textilien und Tapisserie, erklärt Holdmann - so ein großer Wandteppich benötigt eben seinen Platz. Bis Ende 2019 sollen die Planungen abgeschlossen sein, dann entscheidet der Haushaltsausschuss im Landtag über die Maßnahme.

"Die schönste Geschichte ist nichts wert, wenn wir nicht auch einen Plan für die Zukunft haben", hatte Heimatstaatssekretär Hans Reichart in seiner Eröffnungsrede gesagt. Einfach so in die Werkstätten hineinspazieren dürfen die Besucher des Schlosses auch künftig nicht. Doch das Schloss Nymphenburg hat dennoch seine Fans: 2017 zählte man 313 248 Besucher. Das sind längst nicht so viele wie in Neuschwanstein. Dafür gibt es im Münchner Westen nun bis zum 30. September den Märchenkönig in Gold zu sehen. Und zwar hundertfach.