Kulturflop Das Musical galt von Anfang an als Experiment

Von Versäumnissen im Marketing will man bei der Stage nicht reden. "Wir glauben nicht, dass mit veränderten Werbemitteln ein wesentlich anderes Ergebnis erzielt hätte werden können", sagt Pressesprecher Stephan Jaekel. Es sei "der Doppelklang aus neuer Show, kombiniert mit einem neuen Spielort", der dazu führte, dass "Fack ju Göhte" wirtschaftlich nicht richtig zündete. Das Musical galt von Anfang an als Experiment, das Marketingbudget sei entsprechend klein gewesen.

Theater, die über längere Zeit ein Musical spielen, haben in München keine Tradition. Als in den späten Achtzigerjahren Musicalpaläste wie die "Neue Flora" in Hamburg oder das sterile Erlebniskonglomerat "SI-Centrum" in Stuttgart mit gleich zwei Theatern gebaut wurden, pflegte man in München vor allem die sogenannten Hochkultur. Im Gärtnerplatztheater bilden die ein bis zwei Musicals pro Saison heute eher eine nette Spielplanerweiterung. Und das Deutsche Theater, traditionell zuständig für Musical in München, hat gar keine Chance, größentechnisch mit den Palästen mitzuhalten.

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Sein Programm besteht aus Tanz, Shows, Konzerten und (teils von der Stage produzierten) Musicals. Sogenannte "Long Runs", Musicals, die mehrere Monate bis Jahre laufen, kauft das Theater nicht. Das war auch der Grund, warum sich die Theaterleitung dagegen entschied, "Fack ju Göhte" unter ihr Dach zu holen, was die Stage einst vorgeschlagen hatte. Ohne Long Run aber entsteht diese Verschmelzung eines Musicals mit einer Stadt, so wie "Der König der Löwen" mit Hamburg, in München gar nicht erst.

"Auch wir haben die Erfahrung gemacht, wie schwer es sein kann, ein neues Stück auf den Markt zu bringen und zum Erfolg zu führen", sagen die Geschäftsführer des Deutschen Theaters, Carmen Bayer und Werner Steer. "Trotzdem ist es natürlich wichtig, das immer wieder zu versuchen." Ein wichtiger Punkt dabei seien die Preise, die an ihrem Theater die 90 Euro nicht überstiegen. Im vergangenen Jahr zählte es 352 000 Besucher, das macht eine Auslastung von 72 Prozent.

Stage Entertainment muss klar gewesen sein, dass eine Off-Produktion wie "Fack ju Göhte" nicht unbedingt Heerscharen aus ganz Deutschland mobilisiert. Fakt ist aber: Um die knapp 700 Plätze im Werk 7 wie geplant achtmal pro Woche auszuverkaufen, hätte es überregionales Publikum gebraucht. Nach München kommen die Touristen aber nicht wegen Musicals, sondern wegen der Atmosphäre, des Essens, wegen der Kultur. Da gehört das Musical zweifelsohne dazu. Wenn es aber kein Musical von nationaler Strahlkraft gibt, oder wenn jenes, das es gibt, nicht entsprechend beworben wird, kommt halt auch keiner deswegen. Zum Vergleich: 80 Prozent der Musicalbesucher in Hamburg geben an, wegen des Musicals überhaupt erst in die Stadt gekommen zu sein.

Diverse Pläne der Stage aus den frühen 2000er-Jahren, ein Musicaltheater zu bauen, wurden nie realisiert. Das Unternehmen hofft trotzdem, langfristig mit einer großen Marke in München Erfolg zu haben, wie Pressesprecher Jaekel durchblicken lässt. Zunächst ist die Stage allerdings noch ans Werk 7 gebunden, der Mietvertrag läuft zehn Jahre. Man wolle dessen speziellen Charakter nutzen, um kleinere Produktionen jenseits des Mainstreams zu etablieren. "Fack ju Göhte" werde im Herbst erst einmal auf Tour geschickt. Ein Nachfolge-Musical für das Werk 7 stehe zwar schon fest, den Titel nennt Jaekel aber noch nicht. Spätestens Anfang 2019 soll es losgehen.

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