Restaurant Chang City Asiatische Fusionsküche mit kühler Perfektion

Die offene Küche beherrscht den Raum: Das Chang City ist die Dependance des Grünwalder Fusion-Asiaten in der Innenstadt.

(Foto: Catherina Hess)

Man nehme: Das Beliebteste aus Asiens Küchen und ergänze es mit dem Besten der kalifornischen Küche. Das Ergebnis schmeckt nicht nur den FC-Bayern-Spielern.

Von Marcelinus Sturm

Oftmals färbt der sportliche Erfolg eines Fußballvereins ab auf Personen und Dinge in seinem Umfeld, die mit diesem Erfolg rein gar nichts zu tun haben. Sie kommen dann plötzlich zu unverhofftem Ruhm. Das gilt zum Beispiel für Restaurants. Wo die Spieler des FC Bayern essen gehen, da isst man in der Champions League der Kochkunst, so lautet die Vermutung (umgekehrt tun sich Lokale, wo Spieler der Sechziger einkehren, nicht ganz so leicht mit dem Image, aber das ist eine andere Geschichte).

Jedenfalls gibt es draußen in Grünwald, wo viele Bayernspieler ihre bescheidenen Villen stehen haben, einen jener derzeit so modischen Fusion-Asiaten, von dem es heißt: "Der Chang ist die Kantine des FC Bayern." Nguyen van Giang ist der aus Vietnam stammende Inhaber des Lokals. Sein Handwerk hat er im Mangostin gelernt, auch im Königshof und im Tantris hat er gearbeitet, bis er sich dann 2007 selbständig machte. In Solln, wo man als Fußballprofi notfalls auch wohnen kann, hat er später die Zweigstelle Chang-Bistro eröffnet. Und nun gibt es seit einem halben Jahr auch eine Dependance in der Innenstadt, das Chang City. Schließlich brauchen Ribéry und Robben ja auch irgendwas zu beißen, wenn sie aus der Praxis von Müller-Wohlfahrt im Alten Hof kommen.

Feine Fusionsküche in edlem Ambiente

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Das Konzept von Nguyen van Giang ist einfach: Man nehme das Beliebteste aus Asiens Küchen zwischen Japan und Thailand und ergänze es mit kalifornischer Fusionsküche und US-Prime-Beef. Dabei achte man auf hohe Qualität der verwendeten Produkte und präsentiere seine Gerichte in noblem Ambiente, bei dem der Gast sofort an Feng Shui denkt. Dieses Konzept geht auch in der Sporerstraße auf: Die offene Küche im Erdgeschoss beherrscht den Raum. Im ersten Stock empfängt einen weltstädtische Eleganz von japanischer Formenstrenge, der Blick auf die Frauenkirche ist allein schon einen Aufpreis wert.

Den gibt es so oder so, denn das Chang City ist kein Discounter. Bei den Garnelen aus Wildfang ist man mit 37,50 Euro dabei, das Thunfischsteak kostet genauso viel, und das übersichtliche US-Rib-Eye-Steak kommt auf stolze 29,50 Euro. "Sicherlich", würde Kaiser Franz sagen, "beim Gehalt eines Bayern-Spielers ist das keine große Affäre." Die meisten anderen aber dürfen sich schon fragen, ob es das auch wert ist. Und da fällt die Antwort zwiespältig aus.

Die Preise gehen insofern in Ordnung, als es sich um wirklich erstklassige Ware handelt, mit der man im Chang City arbeitet. Da macht die Küche erfreulicherweise keine Kompromisse, ebenso wie bei der hervorragend sortierten Weinkarte. Garnelen wie Langostinos, beides jeweils Wildfang, waren ebenso vorzüglich wie der Thunfisch und brauchten keine großen Beilagen-Spielereien. Auch ein einfaches Standardgericht wie die Miso-Suppe mit Meeresalgen, Pilzen und Seidentofu (7 Euro) kommt der Perfektion schon ziemlich nahe, ebenso wie das traditionelle thailändische Hühnercurry Gai Pat Met Mamuang (17,50).

Der Sushi-Meister ist ein größer Könner

Eine der Stärken des Restaurants sind auch die Sushi- und Sashimi-Gerichte; Sushi-Meister Adul Khungthong ist ein großer Könner. Die einfache Sushi-Platte (30 Euro) enthält sechs verschiedene Rollen, von der Gelbschwanzmakrele über den Thunfisch bis hin zu Mexican Maki (mit Shrimps, Avocado und Fischrogen). Bei den Vorspeisen enttäuschten nur die japanischen Edamame-Bohnen (6,50 Euro), sie waren halt ein bisschen langweilig. Was sich vom Thunfischtartar mit Meeresalgen (22,50 Euro) nicht sagen lässt. Da ging der Geschmack des Fischs leider in der Schärfe der Algen völlig unter. Schade.

Das allein hätte die positive Bilanz bei unseren Besuchen des Chang City aber noch nicht geschmälert - wäre da nicht jener Sommerabend gewesen, an dem eine ganze Menge schiefging. Es begann damit, dass der Sushi-Reis an jenem Abend ausgesprochen bröckelig war: Trotz behutsamem Umgang hatten wir Esser am Schluss ein großes Häufchen Reis in der Sojasaucenschale liegen.

Die Hauptspeise, der gebratene Wolfsbarsch auf Thaicurry (28,50 Euro) war zwar in Ordnung, auch wenn uns die Sauce trotz ihrer angenehmen Schärfe ein wenig an den Dosenfisch aus Jugendtagen - Hering in Tomatensauce - erinnerte. Bei der Bestellung wurden wir aber gefragt, wie wir den Wolfsbarsch gerne hätten: durch oder noch leicht glasig? Letzteres, sagten wir. Glasig war er dann leider überhaupt nicht. War zwar nicht schlimm - aber wenn man extra gefragt wird?

Als leichtes Dessert bieten sich im Chang City die gänzlich unasiatischen Macarons zum Stückpreis von zwei Euro an. Meist waren sie wunderbar luftig, an jenem einen Abend aber erinnerten sie ein wenig an die De-Beukelaer-Prinzenrolle. Das legte den üblen Verdacht nahe, dass sie noch vom Vortag stammten. Wie gesagt: eine Ausnahme.

So bleibt am Ende eine gewisse Bewunderung ob der meist kühlen Perfektion, die im Chang City zweifellos zu Hause ist. Man hat sehr gut gegessen, keine Frage, aber was genau so toll war, weiß man schon am nächsten Tag nicht mehr genau zu sagen. Hat etwas von einem Bundesligaspiel des FC Bayern München mit vielen Toren: Routine auf hohem Niveau zu stolzen Preisen, aber auf die Dauer nicht mehr sehr aufregend.

Keine Kompromisse: Die Köche arbeiten mit erstklassiger Ware.

(Foto: Catherina Hess)