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Restaurant Locanda Busento:Andächtige Stille über den Tellern

Hoch den Teig: In der Locanda Busento gibt es außer Pizza auch "Pinsa", die ohne Weizenmehl auskommt. Das kommt an bei den Gästen.

(Foto: Catherina Hess)

Die Locanda Busento am Waldfriedhof überzeugt rundum durch Qualität und Service - und hat eine Pizza-Variante auf der Speisekarte, die so manchen Allergiker freuen dürfte.

Als Diego Maradona den SSC Neapel Ende der 1980er Jahre zur italienischen Meisterschaft schoss, stand die Stadt am Fuße des Vesuv Kopf. Die Fans kriegten sich kaum mehr ein vor Freude, und einer schrieb an eine Friedhofsmauer eine Nachricht an die Toten: "Ihr wisst ja gar nicht, was ihr verpasst habt!" Diese hübsche Anekdote erzählte ein Mittester der Kostprobenrunde beim Besuch der Locanda Busento. Durch die Fenster des italienischen Restaurants blickt man nämlich genau auf die Mauer des Waldfriedhofs. Der Spruch könnte dort auch stehen, gemünzt auf das Lokal auf der anderen Straßenseite. Denn was dort geboten wird, ist auf seine Art ebenfalls denkwürdig.

Die Locanda Busento - der Gasthof ist nach dem kalabresischen Fluss benannt - nimmt das gesamte Erdgeschoss eines schönen Gebäudes aus der Jahrhundertwende an der sonst architektonisch völlig reizlosen Fürstenrieder Straße ein. Beim ersten Besuch ist der Gast zunächst einmal beeindruckt von den hohen Gewölberäumen mit den schweren Säulen. Der zweite Blick fällt auf restaurierte, alte Vespas, die in einer Fensternische und auf einem Kachelofen als Dekoelemente thronen. Und dann fällt an der Wand das großformatige Foto eines kleinen Jungen aus dem italienischen Süden auf, der in einer staubigen Landschaft steht, genüsslich aus der Hand isst und die viel zu großen Hosen seines Großvaters trägt.

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Das faszinierende Bild findet sich auch auf der Speisekarte, die nicht nur wegen ihrer Größe im Zeitungsformat etwas Besonderes ist, sondern auch inhaltlich manches bietet, was es in anderen Ristoranti nicht gibt - die "Pinsa" zum Beispiel. Das ist eine Art ovale Pizza, deren kalorienärmerer Teig jedoch nicht aus Weizenmehl hergestellt wird, sondern aus Soja, Reis und Hafermehl. Die Variante nach Art des Chefs, belegt mit Garnelen und mit reichlich gehobeltem Trüffel (13,90 Euro), war vorzüglich. Obwohl der Teig von dem einer Pizza optisch nicht zu unterscheiden ist, abgesehen vom voluminöseren Rand, ist eine "Pinsa" doch viel lockerer und luftiger.

Experimentiert wird auch mit der klassischen Pizza. Sie kommt auf Wunsch in viereckiger Form mit gefülltem Rand oder als "Duetto" - halb normal, halb Calzone - auf den Tisch. Auch weil sie in einem Holzofen gebacken wird, ist sie besonders gelungen.

Die Gäste jedenfalls wissen die Anstrengungen des Locanda-Teams zu schätzen. Das Lokal verfügt über stattliche 180 Plätze, dennoch bilden sich abends oft Warteschlangen an der Tür, weil alle Tische belegt sind. In der italienischen Gemeinde in München gilt die Locanda ohnehin als Tipp. Die Atmosphäre an den Tischen mit rot-weiß-karierten Tüchern ist dementsprechend südländisch-quirlig. Es wird geschwatzt und laut gelacht, und sobald die Speisen serviert werden, herrscht andächtige Stille über den Tellern.

Die Vorspeisen kommen solide daher

Bei den klassischen Vorspeisen war noch nicht abzusehen, was die Küche zu leisten imstande ist. Der Tomatensalat mit roten Zwiebeln und reichlich Basilikum (4) erschien ebenso solide wie der Mozzarella Caprese (7,50), wobei die Tomaten jeweils ein wenig blässlich auf den Tellern lagen. Der Meeresfrüchtesalat (12) bot da schon einen intensiveres Geschmackserlebnis. Ein fein gewürztes Allerlei von Oktopus, Muscheln und Scampi türmte sich neben Selleriestückchen und Paprika zu einem kleinen Berg, der am Tisch großen Gefallen fand. Nur etwas zu kühl wurde der Insalata di Mare serviert. Besonders gefiel der pochierte Zander auf Orangen-Carpaccio mit amerikanischer Sauce (8,90) als erster Gang. Der sorgfältig gegarte Fisch harmonierte prächtig mit den Orangenaromen und dem mayonnaiseartigen Dipp.

Ein echtes Herbstgericht brachte der flotte und freundliche Kellner, der nebenbei auch die Kinder mit kleinen Scherzen bei Laune hielt, mit dem Hirschbraten (17,90) auf den Tisch. Kastanien und ein lockeres Gratin aus Kartoffeln und Kürbis begleiteten drei stattliche Scheiben des Fleisches, das von einer vorzüglichen Sauce umgeben war, von der man sich durchaus mehr gewünscht hätte. Der Hirsch selbst war zart und rund im Geschmack.

Die Filet-Medaillons (25,90) mit einer Pilzhaube standen dem in nichts nach, allerdings war das Fleisch in diesem Fall etwas trocken geraten, was bei einem Filet nicht passieren sollte. Eine üppige Portion Bohnen im Speckmantel rundeten das Gericht ab. Perfekt gegart indes das Rinderfilet, begleitet von verschiedenen Gemüsen (21). Das Fleisch war, wie gewünscht, auf den Punkt medium gebraten.

Die Weine sind allesamt zu empfehlen

Wie es schon beim Meeresfrüchtesalat der Fall war, bewiesen die Köche auch bei der Fischsuppe nach Art des Hauses (19) ein glückliches Händchen. In einem überaus aromatischen Sud schwammen teils ausgelöste Krustentiere neben Fischfilets. Geröstete Weißbrotscheiben rundeten das leichte, wohlschmeckende Potpourri ab.

Ein weißer Grillo Costadune (7,50 das Viertel) passte hervorragend dazu. Überhaupt sind die Weine in der Locanda Busento zu empfehlen. Sie werden alle glasweise, im Viertelliterkrug oder als Flasche angeboten.

Tadellos gelungen waren auch die Desserts, wobei es hier keine echten Überraschungen gab. Ein intensives Minzgelee erfrischte die Panna Cotta mit Beeren (5), das Tiramisu (4,50) war nichts weniger als eine üppige Sünde.

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