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Konzern-Zentrale am Wittelsbacherplatz:Siemens feiert Richtfest

Die Siemens-Zentrale am Wittelsbacherplatz wird schneller fertig als geplant.

(Foto: Robert Haas)

Frei zugänglich, offen und hell: Siemens will sich mit seiner Zentrale am Wittelsbacherplatz nicht abschotten. Beim Richtfest wird deutlich, welche Bedeutung das Bauprojekt für das Museumsviertel hat.

Man kann es kaum glauben: Eine neue Großimmobilie ohne massive Nachbarproteste, Planungspannen, Zeitverzögerungen und Kostenexplosionen? Das Weltunternehmen Siemens setzt alles daran, sich mit dem Bau seiner Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz nicht in die Skandalliste von Projekten einzureihen, über die in der Öffentlichkeit immer wieder diskutiert wird.

Gerade dieses künftige Hauptquartier steht wegen seiner Größe, seiner besonderen Lage in der Altstadt und seiner Bedeutung für den Konzern unter spezieller Beobachtung. Es ist nun - mit seiner weitgehend frei zugänglichen Erdgeschosszone, den vier Büro- und zwei Dachgeschossen - im Rohbau fertig. Und das viel früher als erwartet.

Konzernchef Joe Kaeser fehlte zwar wegen eines seit Längerem festgelegten Termins beim Richtfest. Aber auch Siemens-Finanzvorstand Ralf P. Thomas verkündete gern die angenehme Botschaft. Die Kosten "im niedrigen dreistelligen Millionenbereich" bewegten sich im vorgegebenen Rahmen, alles funktioniere bestens, die 1200 Mitarbeiter könnten wie vorgesehen vom Frühjahr 2016 an die Büros beziehen.

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Ein ausgezeichnetes Baustellenmanagement sowie die enge Zusammenarbeit mit Nachbarn und mit der Stadt gelten als die entscheidenden Erfolgsfaktoren für das Projekt. Es sei ein gutes Beispiel dafür, wie ein "solches anspruchsvolles Bauvorhaben harmonisch in das Altstadtensemble eingebettet werden könne", lobte Oberbürgermeister Dieter Reiter. Eine schwierige Aufgabe sei gelöst worden, sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk.

300 Meter lange Schallschutzwand

Die neue Zentrale respektiere die denkmalgeschützte Umgebung, setze aber auch mit der Architektur Impulse. Bei dem Komplex handle es sich um eines der weltweit modernsten Gebäude, sagte Siemens-Immobilienchef Zsolt Sluitner: "Wir wollen die Mitarbeiter begeistern, die Nachbarn und ganz München."

Der offene und helle Charakter des Hauptquartiers mit seinen Höfen lässt sich bereits ablesen. Jetzt beginnen die Arbeiten an den Fassaden und auch beim Innenausbau. Die 300 Meter lange Schallschutzwand, die fast keine durch die Baustelle verursachten Belästigungen nach außen dringen ließ, wird bis zum kommenden Frühjahr schrittweise abgebaut. Immer wieder wurde beim Richtfest betont, dass sich Siemens mit seiner Zentrale nicht abschotten wird.

Denn auch die Bürger sollen etwas von dem neuen Innenstadtquartier haben. Die Erdgeschosszonen sollen zudem eine attraktive Verbindung zwischen dem Stadtzentrum und den Museen im Kunstareal der Maxvorstadt schaffen. "Es gibt eine ganz neue Wahrnehmung des Altstadtrings, der bisher eine eher trennende Funktion hatte", sagt Stadtbaurätin Merk.

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Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Sanierung des Altstadtring-Tunnels am Rand des Siemens-Areals sollen vom Baureferat bessere Übergänge über die breite Ringstraße geprüft werden. Die bisher abweisende Fußgänger-Unterführung verschwindet, an der Oberfläche soll mehr Platz für Passanten entstehen - etwa vor der Markuskirche und vor dem Gebäudetrakt der Bayerischen Landesbank. Die Siemenszentrale sei ein erster wichtiger Schritt, "um die stadträumliche Situation im Umfeld neu zu ordnen", sagt Merk.

"Natürlich müssen wir intensiv überlegen, wie wir das Museumsviertel besser mit der Innenstadt verknüpfen", sagt OB Reiter. Überhaupt habe Siemens eine interessante Vorbildfunktion: "Man könnte doch auch andere Bürokomplexe für Passanten öffnen, damit diese besser durch die Stadt kommen."