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Kommunalwahl in Planegg:Ein Liberaler auf drei Rädern

Unterwegs ins Rathaus: Philipp Pollems bewirbt sich für die FDP um den Posten des Bürgermeisters in Planegg.

(Foto: Catherina Hess)

Philipp Pollems, Bürgermeister-Kandidat der FDP, wirbt mit Hilfe einer italienischen Ape für seine Ideen

Die Planegger FDP imitiert den verstorbenen früheren FDP-Chef Guido Westerwelle: Sie macht Wahlkampf nicht nur mit Kandidaten, sondern auch mit einem Automobil. Allerdings ist es kein Bus-Ungetüm, wie das "Guidomobil" Westerwelles eines war, sondern ein kleines Lastenwägelchen, genannt Ape, das man aus dem Urlaub im Süden gut kennt. Mit dem nagelneuen Motorrad fährt in den nächsten Wochen der parteilose FDP-Bürgermeisterkandidat Philipp Pollems durch die Planegger und Martinsrieder Straßen, verteilt Prospekte und will mit den Bürgern so in Kontakt kommen.

Beim Wahlkampfauftakt des 53-jährigen Unternehmers auf dem Planegger Marktplatz hatte Pollems jedenfalls die Lacher auf seiner Seite. Dabei geht es ihm, wie er sagt, nicht nur um Symbolpolitik: Der kleine gelbe Roller soll auch ein Hinweis darauf sein, dass es nicht immer der SUV sein muss, der die gestresste Hausfrau zum Supermarkt fährt. Pollems jedenfalls hat das Gefährt seiner Frau zum Geburtstag geschenkt - und sie nutzt es auch. "Wie wollen wir in Zukunft leben?" fragt der seit 1971 in Planegg lebende Kandidat ganz grundsätzlich und fügt gleich an: "Mehr Verkehr, mehr Wohnungen und mehr Konsum hat sich als problematisch herausgestellt. Also brauchen wir neue Paradigmen." Nur als Parteifreier könne er "ausschließlich an der Sache orientiert" sein. Ein Hauptthema ist für Pollems, der an der EU-Business School in München einen Lehrauftrag für Ethik und Finanzwirtschaft hat, die "gute Stube Planeggs", sprich die Bahnhofstraße. So wie sie sich heute zeigt, habe sie "keinen Charakter: Man kauft ein, kann aber nicht flanieren. Eine planerische Katastrophe."

Eine Tiefgarage und Einkaufszentren am Bahnhof würden die Sache nur verschlimmern. Deshalb will Philipp Pollems zusammen mit seinen bisherigen Gemeinderatskollegen Peter von Schall-Riaucour, Fritz Haugg und Christian Haugg eine Seite der Bahnhofstraße als reinen "Shared-Space-Bereich" ausbauen: Alle wären dort dann gleichberechtigt. Nur so sei ein "Erlebnis-Shopping möglich und das momentan feststellbare Ladensterben aufzuhalten".

© SZ vom 18.01.2020
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