Kommunalwahl in Planegg:Feine Unterschiede

Kommunalwahl in Planegg: CSU-Kandidat Hermann Nafziger (v. l.), Judith Grimme (Grüne) und die anderen Bewerber.

CSU-Kandidat Hermann Nafziger (v. l.), Judith Grimme (Grüne) und die anderen Bewerber.

(Foto: Robert Haas)

So viele Kandidatinnen und Kandidaten wie noch nie kämpfen um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde. Bei einem Podium im Kupferhaus bemühen sich die sechs Frauen und zwei Männer um Profil

Von Rainer Rutz, Planegg

Sechs Frauen und zwei Männer aus den unterschiedlichsten politischen Lagern streben das Bürgermeisteramt von Planegg und Martinsried an, eine Zahl an Bewerbern, wie sie sonst in Bayern nirgends erreicht wird. Was wollen diese Kandidaten, was vertreten sie? Bei der Podiumsdiskussion des Münchner Merkur im gesteckt vollem Kupferhaus kam es zwar zu keiner wirklichen Diskussion - dafür reichte angesichts der Kandidatenschwemme die Zeit nicht. Und bei den großen Themen waren sich auch alle Kandidaten weitestgehend einig: Verkehr, Wohnen, Sicherheit, Jugend, Zuzug. Und dennoch kristallisierten sich einige feine Unterschiede heraus, die möglicherweise wahlentscheidend sein können.

Etliche Polit-Neulinge treten an: Christine Berchtold für die SPD, Philipp Pollems als Parteifreier für die FDP, Angelika Lawo für die Grüne Gruppe 21, Astrid Pfeiffer für ihre eigene "Wählergruppe Planegg-Martinsried" und Susanne Trenkle als "Unabhängige Bürgermeisterin Planegg-Martinsried". Sie treffen auf Profis mit langer politischer Erfahrung: Hermann Nafziger für die CSU, Cornelia David für die Freien Wähler und Judith Grimme für die Grünen. Acht Aufgabenfeldern mussten sich die Kandidaten stellen, die MM-Redaktion hatte zuvor aus Leserfragen ausgewählt. Um die Veranstaltung in den Griff zu bekommen, hatten die MM-Redakteure Andreas Deny und Nicole Kalenda ein rigoroses Zeitlimit vorgegeben: Zwei Minuten Redezeit pro Vorstellung und Thema - streng kontrolliert von einer elektronischen Uhr, die bei Ende der Redezeit nicht zu überhörende Geräusche von sich gab. Das war frustrierend, aber dringend nötig.

"Ortsumfahrung von Martinsried" ein Dauerthema in Planegg: Eine "kleine Umfahrung" hält Judith Grimme, wie fast alle Redner, für nötig, eine Gewerbetrasse lehnt sie ab. Cornelia David will die Vision einer Untertunnelung der Germeringer Straße weiterverfolgen: "Denn das würde alles entlasten." Alle anderen Kandidaten halten das für unrealistisch, vor allem wegen der Kosten. Astrid Pfeiffer bemüht auch hier, wie bei allen anderen Themen die "Strukturpolitik", die sich ändern müsse: "Solange wir Wachstum haben, wird sich nichts ändern." Sie fordert eine "interkommunale Verkehrsplanung". Philipp Pollems will vor allem die Lkws wegbekommen, eine Verlängerung der kleinen Umgehung lehnt er wie alle anderen ab.

Beim Thema Wohnen und Mieten konzentrieren sich alle Kandidaten auf den Bahnhof. Christine Berchtold kann sich "80 bis 90 Wohnungen" vorstellen, hauptsächlich Genossenschaftsmodelle und auch eine Begegnungsstätte. So ähnlich sehen das auch Angelika Lawo - auch sie favorisiert eine Nachverdichtung, ebenso wie Susanne Trenkle. Unterschiede gibt es bei Hermann Nafziger, der die Gründung einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft - Vorbild Gräfelfing - fordert. Und der Unternehmer Philipp Pollems glaubt an den Markt, "der das regelt", sieht weiteres Potenzial einer Bebauung "auf den Flachdächern im Gewerbegebiet". Für Cornelia David ist "ein guter Mix aus mehreren Modellen" denkbar. Und Astrid Pfeiffer sieht auch hier die "Strukturpolitik" in der Verantwortung. Ändern werde sich nur etwas, "wenn der Druck auf München nachlässt". Die Forderung aus dem Publikum, keinen Zuzug mehr zuzulassen, lehnen alle Bewerber weitgehend ab. "Wir können doch keine Mauern bauen", sagt Pollems. Cornelia David zeigt sich "stolz" über die Flüchtlingspolitik der Gemeinde und die damit verbundene, gelungene Unterbringung, ebenso über die große Anzahl von Wissenschaftlern aus Martinsried, denen man einen Zuzug nicht verwehren könne. Judith Grimme und Astrid Pfeiffer lehnen, wie die meisten anderen auch, private Investoren für Wohnungsbauprojekte auf gemeindlichem Grund ab. "Jugend" verband ein Besucher mit "Lärm und Vandalismus". Damit kam er bei den Kandidaten nicht gut an. Alle fordern "neue Angebote" (Trenkle, Pfeiffer) und "Gesprächsangebote" (David, Berchtold). Pollems will "Platz schaffen" und sieht eine "Konfrontation zwischen Jugend und Gemeinde: Das macht mir Angst". Viel Applaus bekam Hermann Nafziger für seine Kritik am Programm des Kulturforums im Kupferhaus: "Hier hat noch nie eine Rockband gefunzt." Genau das brauche die Jugend.

"Zusammenarbeit im Gemeinderat": Da beschworen alle die Toleranz, "Menschlichkeit im Umgang mit dem anderen" (Grimme) oder "das tägliche Brot der Einigung" (Pollems). Parteiendenken habe hier nichts verloren, verspricht David, und nur Angelika Lawo sagt: "Mir ist auch wichtig, dass ich eine Hausmacht bekomme. Denn ich will die Grüne Gruppe und ihre Inhalte durchbringen."

© SZ vom 24.02.2020
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