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Kindersachbuch:Die Ungeheuer dieser Welt

Wovor haben Monster Angst?

Credit: Guillaume Duprat

Im Kopf des Zerberus singt sein Bezwinger Orpheus.

(Foto: Guillaume Duprat/Knesebeck)

Frankenstein, King Kong oder Godzilla - Monster verbreiten Schrecken. Doch wovor fürchten sich die Ungeheuer selbst? Guillaume Duprats Buch "Wovor haben Monster Angst?" blickt in die Köpfe der vermeintlich Bösen.

Von Barbara Hordych

Ob Frankenstein, King Kong, der Höllenhund Zerberus oder der Yeti - Monster haben die Menschheit von jeher fasziniert. "Monster sind zweifellos universelle Begleiter der Menschheitsgeschichte" beschreibt der Mediziner und Wissenschaftshistoriker Michael Hagner das Phänomen. Denn seit die Menschen zu zeichnen und malen begannen, erschufen sie Fabelwesen und Ungeheuer. Diese verstörenden Fantasiewesen, die keine Entsprechungen in der realen Natur finden, bezeugen, wie durch die Erschaffung monströser Wesen Erfahrungen mit Fremdheit oder dem Unheimlichen bewältigt wurden.

Wie es hingegen in den Köpfen der vermeintlich Bösen aussehen könnte, zeigt wiederum der französische Autor und Illustrator Guillaume Duprat in seinem Kindersachbuch "Wovor haben Monster Angst?" (Knesebeck Verlag 2020). Was fühlt Frankensteins Monster, wenn es durch die Nacht gejagt wird? Wie geht es dem Yeti, wenn ein selbsternannter Forscher in sein Revier eindringt? Wie sieht ein Außerirdischer uns Menschen? Diese Fragen beantwortet der Autor in zwölf wundersamen Geschichten. In zahlreichen Klappen kommen die Ungeheuer zu Wort und offenbaren ihre wahren Gefühle. Spielerisch und ganz nebenbei lernen die Kinder verschiedenste Mythen, Klassiker der Weltliteratur und des Kinos kennen. Da ist beispielsweise King Kong, ein riesiger Gorilla mit unbändiger Kraft, den amerikanische Forscher auf einer einsamen Insel vor der Küste Indiens entdecken. Das Monster verliebt sich in Ann, die einzige Frau der Expeditionsgruppe; anschließend wird er nach New York verschleppt, wo er der Öffentlichkeit wie ein Zirkustier präsentiert werden soll. Als ihm die Flucht gelingt, entführt er Ann, klettert mit ihr das Empire State Building hinauf. Längst ist die Situation, in der er seine Gefangene auf dem Wolkenkratzer vorsichtig mit der pelzigen Hand umklammert hält, ein ikonisches Bild. Seit seiner Premiere im Film King Kong aus dem Jahr 1933 taucht das Monster in zahlreichen Filmen und Computerspielen auf.

Weit in die griechische Antike zurück reicht die Legende vom dreiköpfigen Höllenhund Zerberus, der den Zugang zur Unterwelt bewacht und jeden zerfleischt, der ihn passieren will. Nur von der Stimme des Sängers Orpheus lässt er sich derart betören, dass er zu träumen beginnt und seine Wachaufgabe vergisst. Bis heute taucht der Zerberus in zahlreichen Geschichten wieder auf, etwa in Joanne K. Rowlings "Harry Potter und der Stein der Weisen". Dort spielt ein dreiköpfiger Hund eine Rolle, den Harrys Freund Hagrid von einem Griechen gekauft hat. Hagrid überträgt dem bedrohlichen Wesen die heikle Aufgabe, statt des Tors zur Unterwelt den Zugang zum Stein der Weisen zu bewachen.

© SZ vom 16.04.2020
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