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BMW-Welt:Das beliebteste touristische Ziel in Bayern? Ein riesiges Autohaus

Die inszenierten Emotionen lässt sich BMW im Übrigen gut bezahlen. Die einfachste Variante der Übergabe kostet 495 Euro, da ist aber - neben der Verpflegung in der Lounge - nur eine komprimierte Einweisung in das neue Fahrzeug dabei. Die Premium-Variante gibt's für 160 Euro mehr, da passiert das Ganze schon ausführlicher.

Betriebsanleitungen studieren muss heutzutage übrigens niemand mehr: Im PIC, dem Product Information Center, erfährt der Kunde interaktiv, wie denn Spurassistent, Allradlenkung, Wärmebildkamera und was nicht noch alles funktionieren. 845 Euro kostet die "Premium Advanced"-Übergabe, da gehört dann unter anderem noch ein Chauffeur-Service dazu, ein Drei-Gänge-Menü im Restaurant Bavarie, und vollgetankt ist das Auto außerdem.

Im Verwaltungstrakt des Gebäudes, wo der Sichtbeton nicht mehr außergewöhnlich, sondern schlicht wirkt, sitzt Helmut Käs in seinem Büro und ist immer noch begeistert von der BMW-Welt, die er seit dreieinhalb Jahren leitet. Sie ist, und das ist dann doch erstaunlich, das beliebteste touristische Ziel in Bayern. Drei Millionen Besucher waren's im Jahr 2016, während das Schloss Neuschwanstein nur auf etwa 1,5 Millionen kommt - das könnte aber, soviel gibt Helmut Käs zu, nicht nur daran liegen, dass in Ludwigs Märchenschloss kaum Sportwagen zu sehen sind, sondern auch daran, dass es halt doch ein wenig abseits nahe Füssen liegt und nicht mitten in der Landeshauptstadt.

Amerikaner umarmen ihr neues Auto - Deutsche schauen, ob kein Kratzer dran ist

Was das Bauwerk der Wiener Brachial-Architekten von Coop Himmelblau denn insgesamt gekostet hat, das sagt BMW nicht dezidiert. Nur so viel: In der Größenordnung der Allianz Arena, und das waren 340 Millionen Euro. Geld verdient die BMW-Welt direkt kaum, sieht man vom Merchandising-Shop und der Gastronomie ab, und für Veranstaltungen kann alles auch gemietet werden.

Aber es gehe, sagt Käs, um etwas anderes: Um Markenbindung, daran, die Leute heranzuführen und aufzunehmen in die BMW-Familie, und zudem die Marke in bestem Licht strahlen zu lassen. Themen wie autonomes Fahren, E-Mobilität oder der ganze Komplex der Digitalisierung in und mit dem Auto - da, so sagt der Leiter, müsse die BMW-Welt weit vorne sein, immer schon im Voraus zeigen, was kommen wird.

Autos zu kaufen - das ist nicht vorgesehen in der BMW-Welt, auch wenn ab und zu Besucher, oft solche mit Tüchern um den Kopf, befehlen, man möge nun diesen Wagen aus der Ausstellung doch gleich fertigmachen, er werde sofort mitgenommen, das Geld sei in bar vorhanden. Ausländische Besucher stellen zwei Drittel des Publikums, der größte Anteil davon sind Amerikaner. Manfred Junk, der die Auslieferung leitet, kann exakt einen Unterschied zwischen US-Amerikanern und Deutschen benennen: "Die Amerikaner sind sehr emotional - die schmeißen sich auf die Motorhaube und umarmen ihr neues Auto. Der Deutsche schaut erst mal nach, ob auch kein Kratzer im Lack ist."

Kratzer hat Franz Silbereisen keinen gefunden an seinem neuen 2-er. Mit seiner Frau Elfriede ist er aus Niederbayern angereist und bekommt nun die erste Einweisung. Die BMW-Welt, die findet er schon "einmalig", so was hat er noch nie erlebt, auch wenn er schon seit Jahrzehnten BMW fährt. Allerdings: Gerührt ist er dann eigentlich doch nicht, eher beeindruckt. "Gerührt war ich letzte Woche", sagt Silbereisen, "als ich das alte Auto zum Händler gebracht hab'. Den hab ich 15 Jahre gefahren. Da kann man schon nostalgisch werden."

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