Kritik:Unter Kollegen

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Janine Jansen und das Chamber Orchestra of Europe in der Isarphilharmonie.

Von Sarah Maderer

Wie stimmig Melancholie und beschwingter Tanz ineinander greifen können, bewies das Chamber Orchestra of Europe unter der Führung von Sir Antonio Pappano am Mittwochabend in der Isarphilharmonie mit einem hochromantischen Programm. Schon mit dem ersten Einsatz in Maurice Ravels viersätziger Tanzsuite "Le Tombeau de Couperin" für Orchester zeigte sich die präzise Eleganz dieses außergewöhnlichen Klangkörpers, der in der Isarphilharmonie sein natürliches Habitat gefunden zu haben scheint. Jeden einzelnen Musiker im Blick und mit konsequentem Fluss verwandelte Pappano lyrisches Piano in nicht minder weiches Forte.

Sergej Prokofiev hat sein Erstes Violinkonzert eigenwillig angelegt: Ein sprudelndes Scherzo steht hier an zweiter Stelle, gerahmt von zwei langsamen Sätzen; Solo- und Orchesterpart bilden mehr Einheit als Opposition. Ideale Voraussetzungen für das aufopferungsvolle Spiel der niederländischen Violinistin Janine Jansen. Als wäre sie ein weiteres Mitglied dieses internationalen Kammerorchesters aus Solisten und Stimmführern, integriert sie sich in dessen Mitte, holt sich ihre Einsätze persönlich von Kollegen ab. Jansens Bogenhand ist ihre Kernkompetenz, jeder Aufstrich eine andere Facette, jeder Akzent wohl überlegt platziert. Die geforderten Klangfarben von glitzerndem Flautando bis koboldhaftem Staccato gelingen ihr glaubhaft, selbst in den zuweilen schlierigen Höhen ihrer tiefen Saiten.

Die zweite Konzerthälfte eröffnet Dvořáks Serenade für Orchester in reiner Streicherbesetzung, eine beispiellose Darbietung in Bezug auf Musikalität und Klangqualität. Mit dem Verantwortungsgefühl von Solisten und der Verbundenheit eines Orchesters erzeugen die Musiker ein Destillat dessen, was Kammermusik kann. Wie berauscht muss wohl Pappano davon sein, der sich seit Dvořáks Walzer und spätestens zu Zoltán Kodálys "Tänze aus Galánta" über sein Dirigentenpodest wiegt. So sehr, dass er den Abend nicht mit den impulsiven ungarischen Volksmelodien enden lässt, sondern dem begeisterten Publikum Sibelius' "Valse Triste" als Zugabe schenkt.

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