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Internet:Student spioniert Wohnungen per Webcam aus

Virtuelle Interaktionen

Webcams lassen sich illegal von fern manipulieren und steuern.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Ein 23 Jahre alter Student aus München hat sich illegal Zugriff auf fremde Computer verschafft, die schickten dann Tausende Fotos an seinen Rechner.
  • Polizisten stellten auf seiner Festplatte zudem Bilder sicher, die Frauen beim Umziehen, auf der Toilette oder beim Duschen zeigen.
  • Vor Gericht kommt der Angeklagte am Ende trotzdem glimpflich davon.

Von Christian Rost

Ein 23 Jahre alter Student aus München hat mit einer Spionagesoftware teils unbeabsichtigt 32 fremde Computer infiziert, die Daten seiner Opfer ausgespäht und auch deren Wohnungen. Das Programm lud Dateien herunter, übernahm die Kontrolle der Mikrofone und Webcams und schoss damit Tausende Bilder. Doch nicht nur wegen des illegalen Ausspähens musste sich Markus F. (Name geändert) am Mittwoch vor dem Münchner Amtsgericht verantworten. Er hatte laut Anklage auch heimlich Frauen beim Duschen oder in Umkleidekabinen gefilmt.

Der Student besorgte sich im Dezember 2010 in einem Shop im Internet eine Schadsoftware aus der sogenannten "Blackshades"-Familie. Dafür zahlte er 50 US-Dollar. Das Programm installierte er auf seinem Computer und verfügte damit auch über einen Trojaner, den er heimlich in einen anderen Computer einschleuste. Von dort verbreitete er sich weiter auf andere Rechner. Der Student sagte, er habe davon nichts bemerkt. Ein Experte des Landeskriminalamtes konnte diese Behauptung nicht widerlegen.

Ein Trojaner tarnt sich als nützliches Programm, späht aber im Hintergrund die Aktivitäten des jeweiligen Computernutzers aus. Markus F. hätte zum Beispiel alle Dateien auf den fremden Computern durchsuchen können. Laut seinem Geständnis hatte er bewusst aber nur einen einzigen PC infiziert.

Der Trojaner tat aber auch auf den anderen betroffenen Computern seinen Job: Er manipulierte die Webcams von zwei Rechnern so, dass diese alle zwei Sekunden automatisch Bilder schossen und an den PC von F. lieferten. In jedem dieser Fälle wurden mehr als 16 000 Aufnahmen angefertigt. Das mit der Schadsoftware infizierte Gerät einer Frau aus dem saarländischen Bexbach speicherte unterdessen, vom Trojaner gesteuert, alle drei Sekunden automatisch Bilder vom Bildschirminhalt und schickte diese an F.s Computer. Insgesamt 1000 solcher Screenshots stellte die Polizei auf einer Festplatte des Angeklagten sicher. Bei 26 weiteren Computern setzte sich ein sogenannter Keylogger in Gang. Mit dieser Funktion wurden sämtliche Eingaben des Nutzers auf der Tastatur protokolliert und wiederum an F. übermittelt. Er habe das erst bemerkt, so der Angeklagte, als sein Computer mit Daten förmlich übergelaufen sei. Noch ehe er diese löschen konnte, stand die Polizei vor seiner Tür. Die Ermittler hatten seine Adresse bei der Firma gefunden, die die Schadsoftware illegal verkauft hatte. Auf seinem Rechner entdeckten die Beamten zudem Bilder, die 15 Frauen beim Umziehen, auf der Toilette oder beim Duschen zeigen. Markus F. hatte sie laut Anklage durch Schlüssellöcher und Fenster beobachtet und fotografiert.

Weil er überdies heimlich den Schambereich einer erst 13-Jährigen gefilmt haben soll, war er auch wegen des Besitzes jugendpornografischer Schriften angeklagt worden. F. bestritt, diese Aufnahmen selbst angefertigt zu haben. Seine Aktivitäten am Computer wertete die Staatsanwaltschaft als unerlaubtes Ausspähen von Daten, illegale Datenveränderung sowie als Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen.

Das Gericht verhandelte den Fall nicht-öffentlich, weil Markus F. einige Taten noch als Jugendlicher begangen hatte. Er kam letztlich glimpflich davon, wie sein Verteidiger Jürgen Hadinger bestätigte: 1000 Euro Geldauflage muss der Student zahlen.

© SZ vom 20.10.2016/bhi

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