Innenstadt Chinesen geben mehr Geld in München aus als arabische Touristen

Haushaltswaren wie hier bei Zwilling in der Weinstraße sind bei Touristen aus China begehrt, am liebsten mit deutschem Qualitätssiegel.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Touristen sind für den Münchner Einzelhandel eine wichtige Einnahmequelle - vor allem, weil viele einheimische Kunden eher online shoppen.
  • Besonders Gäste aus China kaufen während ihres meist kurzen Aufenthalts fleißig ein. Im Schnitt für 513 Euro pro Tag und damit mehr als arabische Besucher.
Von Franziska Gerlach

Ein Nein ist für chinesische Touristen manchmal nicht so einfach zu verstehen. Nicht aus Unwillen, sondern weil sie dieses Wort eher selten verwenden. Und deshalb könne es schon einmal vorkommen, sagt Eduard Schöwe, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof am Marienplatz, dass die chinesischen Touristen nicht auf Anhieb begriffen, wenn ihnen ein Mitarbeiter erklärt, dass man von den begehrten Koffern eines Kölner Herstellers gerade keine vorrätig habe, weder auf der Verkaufsfläche, noch im Lager. Da hilft es dann auch nichts, wenn sie nach dem Vorgesetzten verlangen.

Diese Anekdote dient freilich nur als Beispiel dafür, dass chinesische Touristen beim Einkaufen anders ticken als die Kunden aus Europa. Kaufhof-Geschäftsführer Schöwe hat die Gäste aus China dennoch sehr gerne bei sich im Haus und beschäftigt sogar eine Mitarbeiterin, die chinesisch spricht. Schließlich lässt keine Nationalität mehr Geld in der Stadt, weder die arabischen Gäste, noch die russischen.

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Das hat eine neue Studie ergeben, die am Dienstag im Haus des Handels vorgestellt wurde. Der bayerische Handelsverband hatte die BBE Handelsberatung mit dieser Untersuchung beauftragt. An sechs Tagen Ende August befragten chinesischsprachige Mitarbeiter 153 chinesische Touristen in der Neuhauser Straße, der Kaufingerstraße und am Marienplatz, um sie besser zu verstehen. In Zeiten, da so mancher Münchner seine Einkäufe lieber vom Rechner aus tätigt, setzt der Handel seine Hoffnung auf ausländische Touristen.

Mit gutem Grund: 513 Euro gibt ein chinesischer Tourist pro Tag in München aus, so hat die neue Studie ergeben, und somit deutlich mehr als arabische Shoppingtouristen, die pro Kopf täglich 367 Euro in den Münchner Geschäften lassen. Deren Einkaufsverhalten hatte der Handelsverband bereits 2015 untersuchen lassen - und kann nun also Vergleiche ziehen: Während der arabische Tourist an einem Tag neun Geschäfte schafft, sucht ein Gast aus China im Durchschnitt nur vier Läden auf.

Wie die Studie ergeben hat, schlagen Touristen aus China aber gar nicht unbedingt bei den Luxusartikeln zu, 61 Prozent der chinesischen Gäste kauften bevorzugt im "mittelpreisigen Segment". Lebensmittel, Kleidung und Parfums zum Beispiel. Seit 2008 ein Melamin-Skandal das Vertrauen in chinesische Babynahrung erschüttert hat, decken sie sich in Drogerien auch gerne mit Milchpulver und ähnlichen Produkten ein. Besonders beliebt sind außerdem Haushaltswaren.

Deutsche Markenprodukte sind gefragt

Natürlich nicht irgendwelche. Wie Christof Back, Marketing-Mitarbeiter bei Kustermann, weiß, legen chinesische Kunden großen Wert auf deutsche Markenprodukte, die gerne noch mit einem Qualitätssiegel ausgestattet sein dürfen. Ähnliches ist aus dem Geschäft zu hören, das der deutsche Schneidwarenhersteller Zwilling an der Weinstraße betreibt. "Tütenweise", sagt Filialleiter Aron Hinkofer, würden die Kunden aus Fernost die Waren aus dem Geschäft tragen. Töpfe, Messer oder Nagel-Etuis.

Die Mitarbeiter sprechen natürlich Englisch, gefragt ist diese Kompetenz aber gar nicht immer. Manche Touristen zeigten nämlich der Einfachheit halber auf ihrem Smartphone ein Foto des gewünschten Produkts, sagt Hinkofer. Die meisten informierten sich vorab im Internet - und wüssten ganz genau, was sie wollen. Gehe es um ein Mitbringsel, zückten sie im Laden das Smartphone und knipsten ein Foto. Das gehe dann per Whatsapp einmal von München nach China und wieder zurück. "Da fällt die Kaufentscheidung oft innerhalb weniger Minuten", sagt Hinkofer.

Viel Zeit bleibt den Chinesen in München in der Regel ohnehin nicht, im Durchschnitt halten sie sich 2,1 Tage an der Isar auf. Die meisten sind mit einer größeren Gruppe unterwegs und klappern gleich mehrere Städte ab, beliebte Ziele in Deutschland seien neben der bayerischen Landeshauptstadt auch Berlin, Köln und - wohl seines internationalen Flughafens wegen - Frankfurt.

Deswegen sei natürlich auch der Bau der dritten Startbahn wichtig für den Münchner Handel, sagt HBE-Präsident Ernst Läuger. "Denn die erste Stadt, die ein Tourist besucht, die greift schon vieles ab." Will heißen: Landet der Flieger aus China in Frankfurt, wird sich wohl eher der dortige Handel über gute Umsätze freuen und nicht der Münchner. Wie der Studie zu entnehmen ist, ist die Zahl der chinesischen Touristen an der Isar seit 2006 um 10,8 Prozent gestiegen, seit 2015 aber um 0,5 Prozent zurückgegangen. Vor allem in den Herbstmonaten 2016 seien viele Touristen ausgeblieben - in der Zeit nach dem Münchner Amoklauf.

Chinesen reagierten auf solche Meldungen sehr sensibel, weiß Karin Baedeker von München Tourismus. Trotzdem bestehe nach wie vor "ein großes Vertrauen" in die Sicherheit der Stadt, nach dem Einbruch der vergangenen Monate gehe es nun wieder aufwärts. Die Handelsexperten dagegen wollen den Amoklauf als Grund für den Rückgang nicht überbewerten. Es sei eher "eine Gemengelage", die zu rückläufigen Besucherzahlen führe: Die strengeren Visa-Auflagen wirkten sich da sicher aus, aber auch die Tatsache, dass Chinesen mittlerweile eine Einfuhrsteuer von 25 Prozent auf im Ausland gekaufte Produkte entrichten müssten.

Umso wichtiger sei es für Händler, sich möglichst gut auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe einzustellen. Kooperationen mit den chinesischen Reiseveranstaltern seien denkbar oder die Einführung des in China gängigen Zahlungssystems in den Geschäften. Vor allem aber: ein höflicher, freundlicher Ton im Kundenkontakt. Den schätzen im Übrigen nicht nur chinesische Touristen.

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