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Immobilien:Im Werksviertel gab es nicht nur Pfanni

Markant ist vor allem das sogenannte Werk 3, das in früheren Zeiten wesentlicher Bestandteil der Kartoffelknödel-Fabrik Pfanni war. In seinen Grundstrukturen blieb es erhalten, wurde dann vollständig modernisiert und aufgestockt. Das Werk 3 ist das Zentrum des Werksviertels, um das sich weitere Projekte entwickeln. Der benachbarte frühere Kartoffelspeicher wird aufgestockt. Geplant ist dort unter anderem ein Hotel.

Aber auch neue Hochhaus-Projekte prägen das Bild. Und zum Prozess der Erneuerung gehört natürlich auch der künftige Konzertsaal. Außerdem sind Wohnungen und ein Park geplant. Es ist ein Charakteristikum des Werksviertels, das nicht alles einst Vorhandene abgeräumt und durch neue Bauten ersetzt wird. Zeugnisse aus der Vergangenheit sollen immer wiedersichtbar sein - und damit dem Quartier ein besonderes Markenzeichen verleihen.

Ganz anders als etwa beim Rodenstock-Gelände in der Isarvorstadt zwischen Auen-, Ehrengut- und Isartalstraße. Wie beim Bernbacher-Areal blieb nichts mehr von der Geschichte des Herstellers von Brillengläsern und -fassungen an dieser Stelle übrig. Die Fabrikgebäude wurden abgerissen, um Platz zu machen für das Wohnquartier Rodenstock-Garten. Nur der Name gibt also einen Hinweis auf das 1877 gegründete Unternehmen.

Die neuen Wohnhäuser gruppieren sich um einen ruhigen und begrünten Innenhof. Wieder zur Geltung kommen sollte der unterirdisch verlaufende Westermühlbach. Er fließt oben an den Terrassen der Erdgeschosswohnungen vorbei. Die Lage des Quartiers zwischen Dreimühlen- und Glockenbachviertel gilt als außergewöhnlich gut. Allerdings gab es anfangs viele Proteste aus der Nachbarschaft. Manche Bewohner konnten sich mit dem modernen Fremdkörper in ihrer Gegend, die von vielen alten und zum Teil auch denkmalgeschützten Häusern geprägt ist, nicht anfreunden.

Bei den Planungen für eine Umstrukturierung des Siemens-Areals in Obersendling musste dagegen keine Rücksicht auf die architektonische Geschichte der Umgebung genommen werden. Entsprechend opulent waren die ersten Entwürfe für ein Neubau-Viertel. Dort sollte sogar so etwas wie eine Skyline das Bild prägen. Neben den 75-Meter-Turm aus dem Jahr 1963 sollten nämlich zwei 112 und 148 Meter hohe Bauten gestellt werden.

Immer wieder Anleihen an die alten Namen

Doch nach dem Hochhaus-Bürgerentscheid, wonach Bauten nicht höher als 100 Meter in den Himmel ragen dürfen, und auch aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen hat Siemens schließlich auf das ehrgeizige Neubau-Projekt verzichtet. Wesentliches Merkmal des aktuellen Erscheinungsbildes des Wohn- und Geschäftsquartiers sind fünf nahe beieinanderstehende, knapp 50 Meter hohe Wohnhäuser.

Klein, aber fein gibt sich das Projekt "Lagot" an der Ismaninger Straße in Alt-Bogenhausen. Liest man das Wort für die Neubau-Anlage von hinten nach vorn, kommt "Togal" heraus. 1914 ist das Pharmaunternehmen in München gegründet worden. Die Firma hat ihren Stammsitz verlassen; dort stehen nun moderne Bauten mit exklusiven Eigentumswohnungen. Der neubarocke Altbau, der zur Togal-Verwaltung gehörte, blieb erhalten. In der noblen Stadtvilla befinden sich Büros und Wohnungen.

Auch das ehemalige Gelände des einstigen Motorrad-Herstellers Zündapp an der Anzinger Straße in Berg am Laim macht Karriere. Die Fabrikationshallen sind längst verschwunden. Ende der Achtzigerjahre entstand dort ein mächtiger Gewerbeblock. Aber schon lange arbeitet dort niemand mehr. 2013 fand sich ein mutiger Investor, der aus der Bürohaus-Brache ein attraktives und lebendiges Quartier machen will. Rund 400 Wohnungen sind geplant. Die Gestaltung lehnt sich an das benachbarte Werksviertel an: Fassaden mit Klinkersteinen und loftartige Grundrisse der Wohnungen interpretieren die Industriearchitektur längst vergangener Zeiten.

© SZ vom 24.05.2017/bica/vewo
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