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Prognose:München wächst noch schneller als gedacht

Rolltreppe am Marienplatz in München, 2016

Immer schneller, immer weiter nach oben. München wächst rasant und die Politik sieht keine Chance, den Bevölkerungsanstieg zu begrenzen.

(Foto: Florian Peljak)
  • Das Planungsreferat hat seine Wachstumsprognose weiter angehoben.
  • 2030 soll München die Einwohnerzahl von 1,8 Millionen überschreiten. Bisher ging das Planungsreferat von 1,723 Millionen Bürgern bis 2030 aus.
  • Für die Stadt bedeutet das unter anderem: Sie wird noch mehr Wohnungen, Schulen und Kindertagesstätten benötigen.

Von Heiner Effern

Die Stadt München wird noch stärker wachsen als bisher angenommen. Bereits im Jahr 2030 wird die Einwohnerzahl die Marke von 1,8 Millionen überschreiten. Das geht aus dem neuen Demografiebericht hervor, den das Planungsreferat Anfang Mai im Stadtrat vorstellen wird. Damit korrigiert die Verwaltung ihre eigene Prognose deutlich nach oben, sie schlägt damit noch einmal die komplette Einwohnerzahl einer Stadt wie Rosenheim obendrauf. Bisher ging München von 1,723 Millionen Bürgern bis 2030 aus. Dieser erwartete Anstieg wird auch politisch Folgen haben: München wird noch mehr Wohnungen, Schulen und Kindertagesstätten benötigen. Der öffentliche Nahverkehr und die Straßen werden noch mehr Betrieb bewältigen müssen.

Die Stadt aktualisiert ihre Prognose für das Bevölkerungswachstum in regelmäßigen Abständen. Im Jahr 2025 sollen demzufolge 1,749 Millionen Menschen in München leben. Zehn Jahre später sollen es bereits 1,851 Millionen sein. Das explodierende Wachstum der Stadt wird die Politik im kommenden Jahrzehnt beschäftigen wie kein anderes Thema. "Wir haben keine Möglichkeit, den Zuzug wirksam zu begrenzen. Das stellt uns vor die große Herausforderung, dennoch den liebenswerten Charakter Münchens zu erhalten. München muss lebenswert bleiben", sagt CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. Sein SPD-Kollege Alexander Reissl sieht die Stadt unter Zugzwang, weiter kräftig zu investieren. "Neue Wohnungen, Schulbau, Verkehrsinfrastruktur, diese Themen werden noch mehr Bedeutung erhalten."

Ein Zwist zwischen den beiden Regierungsparteien zeichnet sich allerdings bei diesen Prioritäten schon ab. Die SPD will beim Neubau städtischer Wohnungen klotzen, damit der Mietmarkt "uns nicht vollkommen auseinanderfliegt", sagt Reissl. Die CSU trug diesen Kurs bisher im Stadtrat mit, doch immer mehr Äußerungen lassen darauf schließen, dass sie städtisches Bauen um jeden Preis immer kritischer sieht. "Ganz wesentlich ist der Aspekt einer baulichen Nachverdichtung mit Augenmaß", sagt Fraktionschef Pretzl. "Wir brauchen Wohnraum genauso wie Gewerbeflächen und grüne Freiflächen. Die Balance zu finden, wird die Aufgabe der nächsten Jahre sein."

In diesen Jahren wird die Stadt immer voller werden. Das Wachstum hat zwei Säulen: Zum einen werden im Jahr etwa 5000 Münchner mehr geboren als sterben, Tendenz relativ stabil. Zum anderen wandern konstant deutlich mehr Menschen zu als ab. Viele aus Deutschland, noch mehr aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Der Ausländeranteil, gemessen an sogenannten wohnberechtigten Personen, wird um fünf Prozentpunkte auf 32,9 Prozent ansteigen. Insgesamt wird die Stadt in den kommenden Jahren im Schnitt um etwa 20 000 Einwohner wachsen, bis 2030 soll sich diese Zahl bei 14 000 einpendeln.

Wie massiv sich diese Prognose auf die Stadtplanung auswirken wird, zeigt ein Blick auf die Jugend: In der Altersstufe der Kinder von zehn bis 15 Jahren wird die Zahl der Münchner bis zum Jahr 2035 um ein Viertel wachsen. Das heißt, es müssen 16 806 neue Schulplätze für sie geschaffen werden.

Auch für die Krippen stellt das Wachstum eine große Herausforderung dar: Bis 2035 hätten etwa 5000 Kinder Anspruch auf einen Platz. Der rasante Zuzug sorgt auch dafür, dass München eine junge Stadt bleibt, obwohl auch die Zahl der über 65 Jahre alten Münchner um etwa 60 000 steigen wird.

Solche Prognosen seien für die Planung wichtig, jedoch keine wirklich verlässlichen Größen, heißt es im Demografiebericht ausdrücklich. Denn natürlich beeinflussen auch nicht vorhersehbare Kriege oder Wirtschaftskrisen die Zahlen der Menschen, die nach München kommen. Deshalb werden in dem Bericht auch zwei weitere Szenarien skizziert, eines für einen deutlicher milderen und eines für einen noch wilderen Anstieg der Bevölkerung in der Stadt. Im oberen Szenario wird die 1,8- Millionen-Marke schon 2027 geknackt, im Jahr 2035 würde München mit 1,922 Millionen bereits der zweiten Million sehr nahe kommen. Damit würde die Stadt um 370 600 Einwohner in 20 Jahren wachsen, also um mehr als Drittel. Im unteren Szenario der Vorhersage gäbe es 2035 etwa 1,75 Millionen Münchner.

© SZ vom 26.04.2017/eca
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