Höhenkirchen-Siegertsbrunn 16-Jährige vergewaltigt: Mutmaßliche Täter waren alkoholisiert

Der Schauplatz der Tat in Höhenkirchen. Anwohner und ein Passant alarmierten die Polizei, die ohnehin ganz in der Nähe war.

(Foto: Angelika Bardehle)
  • Zwei Männer sollen am Freitagabend eine 16-Jährige auf einer Straße in Höhenkirchen-Siegertsbrunn vergewaltigt haben.
  • Die Vergewaltigung durch einen dritten Täter wurde laut Polizeiangaben nur dadurch verhindert, dass die Gruppe von einem Augenzeugen gestört wurde.
  • Die Bürgermeisterin von Höhenkirchen zeigt sich bestürzt darüber, dass die Tat nun ausgenutzt werde, um in der Gemeinde Angst und Schrecken zu verbreiten - bislang herrschte dort stets ein guter Umgang zwischen Bürgern und Asylbewerbern.
Von Martin Bernstein und Anna Reuß

Die beiden Männer, die laut Polizei am Freitagabend eine 16-Jährige auf einem verlassenen Grundstück in Höhenkirchen vergewaltigt haben, hatten vor der Tat Alkohol getrunken. Das ergab Informationen aus Polizeikreisen zufolge ein Schnelltest. Beide sind nach wie vor in Untersuchungshaft, ein dritter Tatverdächtiger bleibt dagegen auf freiem Fuß.

Als ein Augenzeuge auf den Tatort zulief, rannten die Männer weg. So konnte verhindert werden, dass sich auch der dritte Mann an dem Mädchen verging. Zwei von ihnen waren 2015, einer 2014 nach Deutschland eingereist. Ihr Status werde derzeit geprüft, sagte ein Polizeisprecher. Zum Teil waren die Täter der Polizei bereits bekannt, jedoch nicht wegen Sexualdelikten.

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Höhenkirchens Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) betonte am Montag, die Unterkunft existiere seit 15 Jahren "problemlos". Es gebe dort lediglich geringe Schwierigkeiten unter den Bewohnern, wie sie "in jedem Geschosswohnbau passieren" könnten. Sie sei bestürzt darüber, dass diese Tat nun ausgenutzt werde, um in der Gemeinde Angst und Schrecken zu verbreiten, wo sonst ein guter Umgang zwischen Bürgern und Asylbewerbern herrsche: "Ich sage es mal auf gut Bairisch: Da kommen ein paar Grattler und zerschießen uns alles."

Mayer schilderte, dass die drei Männer am Freitag von außerhalb nach Höhenkirchen gekommen seien und mit einigen Asylbewerbern aus der Gemeinschaftsunterkunft gefeiert hätten. Wegen dieser Party in der Unterkunft sei die Polizei verständigt worden, da Beschwerden von anderen Bewohnern über einen bestimmten Asylbewerber eingegangen waren. Ob die 16-Jährige die Täter da bereits kannte, sei wegen laufender Ermittlungen nicht in Erfahrung zu bringen, sagte Mayer.

Die in Deutschland geborene Deutsch-Italienerin habe bereits mehrere Nächte vor der Tat in der Gemeinschaftsunterkunft in Höhenkirchen geschlafen, verlautete aus Polizeikreisen weiter. Gegen 20 Uhr sollen die drei Afghanen im Alter von 17, 18 und 27 Jahren zusammen mit dem Mädchen die Unterkunft verlassen haben. In der Zeit, bis die Beamten dort eintrafen, um sich um den Störenfried zu kümmern, wurde das Mädchen in unmittelbarer Nachbarschaft vergewaltigt. Deshalb waren Polizisten zum Tatzeitpunkt lediglich 150 Meter vom Tatort entfernt. Ein Polizeisprecher lobte ausdrücklich die "Zivilcourage" der Anwohner und eines Passanten. Ohne deren schnelle Notrufe hätten die Täter nicht so schnell gefasst werden können.

Mayer forderte die Regierung von Oberbayern auf, an der Gemeinschaftsunterkunft Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Die Polizei habe ihr zugesichert, nun häufiger in Höhenkirchen Präsenz zu zeigen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums München bestätigte, dass die Polizeiinspektion Ottobrunn verstärkt an "neuralgischen Punkten" um den Bahnhof herum Streifen postieren will, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken.

Wie Armin Ganserer, Leiter der Polizeidienststelle Ottobrunn, sagte, hat es in der Unterkunft am Bahnhofsplatz zwar immer wieder Einsätze gegeben, jedoch überwiegend wegen Ruhestörungen und kleinerer Streitigkeiten. Auch seien keine Außenstehenden Opfer von Straftaten geworden, sondern es habe sich meistens um interne Auseinandersetzungen gehandelt.

Höhenkirchen sei "kein Kriminalitätsschwerpunkt", so Ganserer: "Es ist mir wichtig, dass wir da differenzieren: Die Straftaten wurden zwar von Migranten begangen, aber nicht von Bewohnern der Unterkunft." Franz Dielmann vom örtlichen Arbeitskreis Asyl spricht von einem guten Verhältnis zwischen Bevölkerung und Asylbewerbern in der Vergangenheit: "Wir hatten bisher keine Probleme." Landrat Christoph Göbel (CSU) sprach am Montag in der Sitzung des Kreisausschusses von einem "schockierenden Vorfall". Um das Risiko solcher Straftaten in Zukunft zu minimieren, will er auf 24-Stunden-Betreuung der Unterkünfte sowie Integrationsberatungsstellen setzen.