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Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Auf offener Straße vergewaltigt

  • Die 16-Jährige wollte mit den drei Männern von Höhenkirchen-Siegertsbrunn nach München fahren.
  • Auf dem Weg fallen zwei über sie her und vergewaltigen sie, einen dritten Übergriff verhindert ein mutiger Augenzeuge.
  • Die zwei mutmaßlichen Vergewaltiger sitzen inzwischen in Untersuchungshaft, der dritte ist wieder auf freiem Fuß.

Von Martin Bernstein, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Drei junge Männer sind am Freitagabend mitten in Höhenkirchen-Siegertsbrunn über eine 16 Jahre alte Münchner Schülerin hergefallen, die mit ihnen zusammen zum S-Bahnhof gehen wollte. Zwei 27 und 17 Jahre alte Afghanen vergewaltigten die Jugendliche auf offener Straße; der dritte Täter, 18 Jahre alt, wurde von einem couragierten Passanten, der dazwischenging, in letzter Minute verjagt.

Weil so viele Anwohner, die das Geschehen auf der Haringstraße mitbekommen hatten, sofort die Polizei alarmierten, gelang es dieser mit einem Großaufgebot, die drei mutmaßlichen Täter noch am Ort zu stellen und festzunehmen. Ein Polizeisprecher lobte die Zivilcourage der Augenzeugen. Die beiden mutmaßlichen Vergewaltiger aus Großkarolinenfeld und Germering sitzen nun in Untersuchungshaft. Bei dem dritten Mann aus Emmering sah ein Haftrichter keine Wiederholungs-, Flucht- oder Verdunkelungsgefahr, die einen Haftbefehl rechtfertigen würde.

Nach Angaben der Polizei war die 16-Jährige - auch sie soll einen Migrationshintergrund haben - aus München nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn gekommen. Ob sie bereits in Begleitung eintraf, ist noch offen. Vor der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge an der Bahnhofstraße traf sich eine größere Personengruppe, darunter auch die drei Afghanen, die ebenfalls von auswärts gekommen waren. Ob sie sich verabredet hatten, konnte die Polizei am Sonntag nicht sagen.

Kurz nach 20 Uhr wollte die junge Frau mit den drei Männern nach München zurückfahren. Zusammen brachen die vier auf. Schräg gegenüber der Unterkunft, auf Höhe der Haringstraße, fielen die drei jungen Männer über die Schülerin her. Der 27-Jährige und der 17-Jährige zwangen die junge Frau zum Geschlechtsverkehr. Dann griff ein Augenzeuge des Geschehens ein und ging dazwischen. Daraufhin ergriffen die drei Täter die Flucht.

Mittlerweile waren auch Anwohner in dem ruhigen Wohnviertel auf die Tat aufmerksam geworden. Gegen 20.19 Uhr erreichten zahlreiche Notrufe die Einsatzzentrale der Münchner Polizei. Die Anrufer berichteten von einer Vergewaltigung auf offener Straße. Die Polizei schickte sofort mehr als 50 Einsatzkräfte in die Gemeinde im Landkreis München. Der Rettungsdienst kümmerte sich um die Verletzungen der 16-Jährigen, die ambulant behandelt wurden. Die Jugendliche wurde nach der Behandlung und nach der Befragung durch die Polizei von ihrer Mutter abgeholt.

Vom Hubschrauber aus gelang es der Polizei, die drei flüchtigen Täter mit einer Wärmebildkamera zu orten. Alle drei Verdächtigen befanden sich noch in der Nähe des Tatorts und wurden von Beamten der Polizeiinspektionen 31 aus Unterhaching und 24 aus Perlach festgenommen. Sie wurden zunächst in die Haftanstalt des Polizeipräsidiums Münchens gebracht. Am Samstagnachmittag erließ ein Haftrichter gegen die zwei mutmaßlichen Haupttäter Haftbefehl. Der ältere der beiden wohnte bisher in einer Flüchtlingsunterkunft in Großkarolinenfeld im Landkreis Rosenheim, der jüngere kam aus Germering. Der dritte Tatverdächtige, der vorerst auf freien Fuß gesetzt wurde, wohnt in Emmering im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Eine gemeinschaftlich begangene Vergewaltigung gilt als besonders schwere Tat, die mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet wird.

© SZ vom 18.09.2017
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