Hilfe für Flüchtlinge Wie Gutgemeintes nicht immer funktioniert

Kleiderspenden sind begehrt - und Helfer, die sie sortieren.

(Foto: Ina Fassbender/Reutes)
  • Die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen ist groß - viele Menschen möchten sich engagieren.
  • Dabei muss die Hilfe koordiniert ablaufen und Freiwillige müssen geschult werden.
  • Immer wieder ist eine Geste gut gemeint, aber trotzdem nicht sofort sinnvoll.
Von Inga Rahmsdorf

Erst kürzlich wollte ein Münchner gleich 300 Flüchtlingskinder in den Zirkus Krone einladen. Ein großzügiges Angebot, gewiss. Doch die Flüchtlingsbetreuer der Stadt lehnten ab. Kinder, die vielleicht gerade Traumatisches erlebt hätten, könne man nicht einfach in eine aufregende Zirkusvorstellung schicken, erläuterten sie. Außerdem gab es Probleme, wie es sie im Alltag eben gibt: Es fehlten Autos oder Bus- und Bahntickets, um die Kinder zum Zirkus zu bringen. Der gut gemeinte Vorschlag, war nur eines von zahllosen Angeboten, die Münchner in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht haben.

Viele wollen Flüchtlinge unterstützen. Allerdings ist es mit dem Helfen eben nicht immer so einfach, wie manch einer sich das vorstellt. Nicht selten treffen unterschiedliche Erwartungen oder Wünsche aufeinander und führen zu Missverständnissen, wie sich in München immer wieder beobachten ließ.

Warum Hilfe erst einmal aufgebaut werden muss

"Bei uns melden sich täglich sehr viele Leute, die helfen wollen", sagt Jana Weidhaase, die das Ehrenamt der Inneren Mission in München koordiniert. Und nicht alle könne sie einsetzen. Für Menschen, die helfen wollen, sei das oft schwer nachzuvollziehen. Schließlich erfahren sie täglich, dass immer mehr Asylbewerber ankommen und dass Unterstützung gebraucht wird. "Aber es hängt viel daran", sagt Weidhaase. "Projekte müssen aufgebaut, Strukturen geschaffen und vorgehalten werden, die Ehrenamtlichen müssen geschult und begleitet werden." Das geht manchmal eben nur mit Helfern, die bereits Erfahrung haben.

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Die Zahl der in Bayern aufgenommenen Flüchtlinge steigt weiter. Jetzt sollen sogar Beamte im Ruhestand die Behörden bei ihrer Arbeit unterstützen.

Einen ersten Höhepunkt hatte die Hilfsbereitschaft der Münchner erreicht, als im vergangenen Jahr die Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Bayernkaserne überfüllt war. Viele Münchner standen bald mit Kleidern und Lebensmittelspenden vor der Tür. Dabei wurde allerdings schnell deutlich, dass es eine gute Koordination der Organisationen und Ehrenamtlichen braucht. Kleiderspenden zum Beispiel helfen nur, wenn sich auch Freiwillige finden, die sie sortieren und ausgeben.

Wie die Hilfe koordiniert funktionieren kann

Die Bayernkaserne gilt mittlerweile als ein Vorzeigebeispiel. Professionelle wie ehrenamtliche Helfer, Vertreter von 40 Ämtern und Einrichtungen, treffen sich regelmäßig, um ihre Arbeit zu koordinieren. Vor dem Tor der Einrichtung wurde das "Lighthouse Welcome Center" eröffnet. Eine Holzhütte, die den Flüchtlingen als Anlaufstelle dient.

Ehrenamtliche heißen sie dort willkommen, empfangen die Menschen täglich mit Kaffee, Tee und Keksen. Und nachdem Anwohner aus der Umgebung der Einrichtung gegen die Flüchtlinge protestiert hatten, wurden sie von den Helfern und der Stadt eingebunden. Mittlerweile ist die Stimmung im Bezirk gut, nicht wenige aus der Nachbarschaft helfen. Es war eine wichtige Erfahrung, so ist von Wohlfahrtsverbänden und Behörden gleichermaßen zu hören. Sie hätten gelernt, wie wichtig es ist, Nachbarn frühzeitig einzubeziehen - bei jedem Flüchtlingsprojekt.

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Wo Ihre Hilfe gebraucht wird

Viele Vereine und Organisationen, die sich in München und im Umland um Asylbewerber kümmern, suchen Spenden und ehrenamtliche Mitarbeiter. Eine Auswahl der wichtigsten Adressen.

Damit Privatleute, Firmen und Organisationen, die helfen wollen, sich orientieren können, hat die Stadt München eine Telefonhotline eingerichtet. Zudem haben Wohlfahrtsverbände gemeinsam mit der Stadt das Internetportal "Willkommen in München" aufgebaut, eine Anlaufstelle, die ehrenamtliche Hilfe organisiert. Wer helfen oder spenden möchte, erfährt, an wen er sich wenden kann, wo es Bedarf gibt - und wo nicht.