Architektur Münchens zweithöchstes Bauwerk fällt

Die fünf Türme des Heizkraftwerks Süd prägen die Münchner Skyline und dienen vielen als Orientierungspunkt.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Stadtwerke wollen das Heizkraftwerk Süd stark umbauen. Unter anderem soll der 176 Meter hohe Kamin abgerissen werden.
  • Die Stadt würde damit eine ihrer weithin sichtbaren Landmarken verlieren.
  • Machbar aber wäre es: Das Heizwerk, zu dem der Kamin gehört, wird seit 2018 nicht mehr genutzt.
Von Sebastian Krass

München verliert sein derzeit zweithöchstes Bauwerk: Die Stadtwerke (SWM) planen einen groß angelegten Umbau auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd und wollen dabei auch den 176 Meter hohen Kamin der stillgelegten Hochdruckanlage abreißen. Das geht aus Unterlagen zur nächsten Sitzung der Stadtgestaltungskommission am Dienstag hervor.

Es ist ein ungewöhnliches Thema für die Debatte von Architekten, Stadträten und Planungsexperten. Aber das Heizkraftwerk mit den fünf Schloten und seiner exponierten Lage direkt an der Isar, prägt die Silhouette der Stadt, das einzige noch höhere Gebäude ist der Olympiaturm mit 291 Metern. Zweithöchstes Bauwerk ist künftig das Hochhaus Uptown München mit 146 Metern.

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Die geplanten Neubauten am Heizkraftwerk Süd in Sendling sind so gravierend, dass die Kommission, die den Stadtrat bei Bauprojekten von besonderer Bedeutung berät, damit befasst wird. Neben dem Abriss des Kamins ist der Neubau eines Schlotes vorgesehen, der etwa halb so groß werden soll. Zudem planen die Stadtwerke einen Wärmespeicher, der in einer Simulation als zylinderförmiges Gebäude von ebenfalls beträchtlicher Höhe dargestellt ist, und "eine Rohrbrücke für Wärme und Kälte", die auf Stelzen entlang der Schäftlarnstraße verläuft.

Die Höhe des Wärmespeichers und der Stelzen bleiben offen, ebenso wie die Zeitplanung und die Kosten des Projekts. Man könne keine Angaben über die vorliegenden Unterlagen hinaus machen, bevor man "die Pläne bei unserer Eigentümerin, der Landeshauptstadt München, vorgestellt" habe, erklärt eine SWM-Sprecherin. Das passiere am Dienstag in der Stadtgestaltungskommission.

Auf dem Gelände an der Schäftlarnstraße in Sendling wollen die Stadtwerke einen mächtigen Wärmespeicher und eine Rohrbrücke für Wärme und Kälte bauen. Simulation: SWM

(Foto: )

Dass es Überlegungen gibt, den großen Kamin abzureißen, war seit vergangenem Sommer bekannt. Das Heizwerk, zu dem er gehört, ist seit Mai 2018 abgeschaltet. Die SWM hatten im Sommer noch erklärt, sie seien sich der städtebaulichen Bedeutung des Schornsteins, der für viele Münchner auch ein Orientierungspunkt ist, bewusst. Deshalb wollten sie prüfen, ob sie den Schlot erhalten. Die Prüfung ist nun offenbar negativ ausgefallen.

Die Stadtwerke wollen nach Thermalwasser bohren

Was die SWM vorhaben, ist unter Punkt eins der Tagesordnung für die Stadtgestaltungskommission zusammengefasst. Danach haben sie einen "Bauantrag für den Neubau einer Wärmestation" gestellt. Ihr Zweck: die "Einbindung der Thermalwasserwärme der neuen Geothermiebohrungen am Heizkraftwerk Süd". In dem Gebäude soll die Technik zur Gewinnung der Erdwärme und ihre Weiterverarbeitung unterkommen. Die SWM wollen auf dem Gelände an insgesamt sechs Stellen nach Thermalwasser bohren, um daraus Erdwärme zu gewinnen und an das Fernwärmenetz abzugeben. Die dritte Bohrung hat am Donnerstag begonnen. Es soll die größte Geothermieanlage Deutschlands werden.

Unter Geothermie versteht man generell die in Form von Wärme gespeicherte Energie unterhalb der Erdoberfläche. Bis Ende 2019 sollen die Bohrarbeiten abgeschlossen sein, schreiben die SWM auf ihrer Homepage. 2020 solle die Anlage vollständig ans Netz gehen und mit einer Leistung von 50 Megawatt dann 80 000 Haushalte mit Wärme versorgen. München will die erste Großstadt sein, die sich komplett mit Fernwärme aus erneuerbaren Energien versorgt, das Ziel der Stadtwerke ist das Jahr 2040.

Für den geplanten Wärmespeicher ist eine weitere Baugenehmigung nötig. Ebenfalls für die Öffentlichkeit sichtbar und damit Thema für die Stadtgestaltungskommission sind Veränderungen in der Fassade an der Schäftlarnstraße. Dort sollen Öffnungen und Lamellen eingebaut werden, zudem soll ein "Tonnenaufbau" auf dem Gebäude entfernt werden.

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