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"Heavens Gate":Kletterhalle im Werksviertel muss für drei Jahre schließen

Im "Heavens Gate" kann man in die 30 Meter hohen Silotürme klettern.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Kletterhalle "Heaven's Gate" im Werksviertel muss voraussichtlich für drei Jahre schließen.
  • In direkter Nachbarschaft werden große Bauprojekte umgesetzt - darunter das geplante Hotelsilo, das 80 Meter hoch werden soll.
  • Der Geschäftsführer der Halle hadert mit der Schließung - aber er sieht auch neue Chancen.

Ein letzter Kraftakt, eine letzte Anstrengung. Mit den Händen zieht sich ein Mädchen die Kletterwand hoch, von unten sehen die Klassenkameraden gespannt zu. Die Schülerin erreicht ihr Ziel und verharrt noch ein Weilchen da oben in der Luft. Ein passendes Bild für die Zukunft der Boulder- und Kletterhalle "Heavens Gate" am Ostbahnhof. Denn die ganze Anlage befindet sich in der Schwebe.

Bauarbeiten in unmittelbarer Nachbarschaft machen eine Zwangspause nötig. Weil nebenan und auf dem Dach ein Hotelturm entstehen soll, muss die Kletterhalle drei Jahre lang schließen. "Behördliche Auflagen zwingen uns dazu", sagt Markus Wiegand, Sprecher der Firma Otec, Eigentümer des Grundstücks.

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Die Hiobsbotschaft von einer dreijährigen Pause sorgt für Unruhe beim Geschäftsführer der Kletterhalle, Benjamin Plahl. "Als ich das gehört hab, das war erst mal ein Schock." Er ging von nur einem Jahr Pause aus, wie es ihm vom Eigentümer gesagt worden sei. Das wiederum kann der Otec-Sprecher nicht nachvollziehen. "Die Modernisierung der Halle dauert ein Jahr, der Bau des Hotels drei Jahre." Weil letzteres zu einem Teil direkt über die Kletterhalle gebaut wird, sei Personenverkehr während des Baus zu gefährlich, sagt Wiegand.

Die Halle befindet sich auf dem Areal der einstigen Pfanni-Werke. Das Gelände gehört heute Otec-Chef Werner Eckart, dem Enkel des Pfanni-Gründers. Der Geschäftsmann hatte dort seit langem Großes vor: Wo einst der Kunstpark und die Kultfabrik Menschen zum Feiern anzogen, soll bis 2020 ein neues Stadtviertel entstehen. Mit Wohnungen, Büros und Bars, Geschäften und Hotels. Inklusive Münchner Konzerthaus. Und mittendrin im neuen Kreativquartier liegt die Kletterhalle. "Sie ist für uns eine wichtige Institution", sagt der Otec-Sprecher. Kultur, Sport, Kreativwirtschaft - da passt die Attraktion sehr gut ins Konzept.

Doch Ende März ist erst mal Schluss, sagt der Chef im Kletterhaus. Dass es dazu kommen würde, sei schon seit vier, fünf Jahren klar gewesen, so Plahl. Der Mietvertrag sei stets nur für ein, zwei Jahre verlängert worden. "Es hieß immer, wir müssen weg. Man konnte nicht wirklich viel investieren, die Zukunft war immer ungewiss."

Nun steht sie fest - und Plahl ist nicht allzu glücklich darüber. "Drei Jahre sind schon bitter. Kürzer wäre besser." Man habe sich bislang auf ein Jahr Pause vorbereitet. "Wir haben schon peu-à-peu die Zahl der Mitarbeiter verringert." Die verbliebenen vier Festangestellten werden sich was Anderes suchen müssen. Denn wirtschaftlich würden die bevorstehenden Jahre fast ohne Umsatz schwierig, sagt Plahl.

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