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Haidhausen:Ferienprogramm für minderjährige Flüchtlinge

Ein bisschen Normalität: In Haidhausen wird es ein Ferienprogramm für minderjährige Flüchtlinge geben. (Bild: Archiv)

(Foto: Robert Haas)
  • Für zwei Wochen findet in der Preysingstraße ein Sommerferienprogramm für minderjährige Flüchtlinge statt.
  • Angeboten wird eine Wasserrutsche, Fußball, Skaten, Tanz, Musik und Ausflüge - ein wenig Normalität für die Jugendlichen.

Von Inga Rahmsdorf

Mancherorts in Deutschland ist derzeit die Rede von einem Katastrophenmodus und davon, dass eine Grenze erreicht sei bei der Aufnahmefähigkeit von Flüchtlingen. Auf dem Gelände des Kirchlichen Zentrums in Haidhausen ist davon nichts zu sehen. Dabei ist man hier mittendrin im Thema. Doch nicht mit alarmierendem Gepolter, sondern mit leisen Tönen und einem ganz pragmatischen Ansatz führen der Kreisjugendring (KJR) und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) vor, was auch zur Asylpolitik gehört.

Seit Montag findet für zwei Wochen auf dem Gelände in der Preysingstraße ein Sommerferienprogramm statt, für jugendliche Flüchtlinge, die alleine nach Deutschland gekommen sind. Es ist ein Pilotprojekt in München, für das sich das weitläufige Gelände des Kirchlichen Zentrums gut anbietet. Wasserrutsche, Fußball, Skaten, Tanz, Musik und Ausflüge - ein wenig Normalität in einem sonst so gar nicht normalen Leben der Jugendlichen.

Große Begeisterung und Hilfsbereitschaft

"Da die Deutschkurse im August eine Sommerpause einlegen, haben wir in dieser Zeit das Ferienprogramm für die jungen Flüchtlinge organisiert, sagt Fabian Pfundmeier, der das Projekt "Willkommen in München" (WiM) des Kreisjugendrings leitet. Bei allen Seiten sei man auf viel Entgegenkommen und große Begeisterung gestoßen, sagt auch der BDKJ-Diözesanvorsitzende Korbinian Werner. "Es sind ganz normale Jugendliche mit ganz normalen Bedürfnissen, ganz egal ob atheistisch, muslimisch oder christlich." Obwohl derzeit auch die Hochphase der Zeltlager und Ferienfreizeiten laufe, würden mehr als 40 Ehrenamtliche mithelfen.

Und es sind nicht nur die Vertreter der beiden Jugendverbände, die andere Töne anschlagen, als manch ein Ministerpräsident oder Landrat in den vergangenen Tagen. "Wer glaubt, dass die Willkommenskultur in Deutschland an ihre Grenzen stößt, der irrt sich massiv", sagt Markus Schön, der ebenfalls zur Vorstellung dieses neuen Sommerferienprogramms gekommen ist, und dem man nicht vorwerfen kann, dass er keine Ahnung hätte von den täglichen Herausforderungen, vor die eine Kommune derzeit durch die ankommenden Flüchtlinge gestellt wird.

Wie die Zusammenarbeit mit den Behörden klappt

Schön ist Vertreter der Leitung des Jugendamtes München, das dieses Jahr etwa 6000 unbegleitete Minderjährige in Obhut nehmen muss. Das Sommerferienprogramm stehe für eine gelebte Willkommenskultur in der Stadt München und für ein Engagement, das man nicht genug schätzen könne.

Auch Sozialreferentin Brigitte Meier, die immer neue Unterkünfte für die Asylbewerber auftreiben muss, weist entschieden von sich, dass die Stadt in einem Katastrophenmodus sei. Meier spricht davon, dass es schon eine Selbstverständlichkeit und Normalität sei, dass sich die Münchner Jugendarbeit auch um Flüchtlinge kümmere. "Vergangenes Jahr im Sommer waren wir noch in einem Krisenmodus, da wusste ich morgens nicht, wo wir die Flüchtlinge abends unterbringen können", sagt sie.

Und auch da habe der Kreisjugendring sehr geholfen, als er sich kurzfristig bereit erklärte, Flüchtlinge im Zeltlager des Kapuzinerhölzl unterzubringen. Mittlerweile sei die Stadt beim Thema Flüchtlinge in einem "geordneten Improvisationsmodus" - und die Teilnehmer dieses Ferienprogramms, "das sind Münchner Kinder und Jugendliche, um die wir uns ganz selbstverständlich kümmern".

© SZ vom 07.08.2015/mmo

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