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Giesing/Neuperlach:Lebenswichtige Frischluftschneise

Frischluftschneise Hachinger Tal

Grüne Schneise vor der Stadt: Mit den Pfeilen will die Bürgerinitiative Frischluftzufuhr für München zeigen, wie der Luftzug verläuft.

(Foto: Privat)

Ehe eine Bebauung des Grünzugs im Münchner Südosten vorangetrieben wird, soll das Ergebnis einer Stadtklima-Untersuchung veröffentlicht werden. Belastbare Daten liegen längst vor, glaubt eine Bürgerinitiative. Sie hat auch eine Online-Petition gestartet

Es sind schwierige Zeiten, welche die Menschen hier wie andernorts augenblicklich durchleben. Der hoffentlich erfolgreiche Kampf gegen die Corona-Pandemie ist von größter Bedeutung. Alle anderen Themen rücken im Vergleich dazu in den Hintergrund. Dessen ist sich Thomas Kiesmüller sehr bewusst. Umso wichtiger ist es laut dem Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Frischluftzufuhr für München, an deren "spezielles Umweltthema" zu erinnern. Ein Thema, das auch nach Überwinden der jetzigen Krise noch von Bedeutung sein dürfte. "Denn es betrifft", wie Kiesmüller in dem Info-Update "Aktuelles Nr. 5" schreibt, "unsere Zukunft und die der nachfolgenden Generationen im Großraum München."

Nach Einschätzung der Bürgerinitiative wird die Frischluftzufuhr für mehr als 100 000 Menschen im Südosten Münchens durch das "Strukturkonzept Hachinger Tal" gefährdet. Die BI begründet dies mit der geplanten großflächigen und überwiegenden Bebauung der Frischluftschneise bei Unterbiberg mit Gewerbeflächen. Dabei sei schon heute aufgrund des Klimawandels eine zunehmende Hitzebelastung in München feststellbar. Die BI verweist deshalb auch auf den Monitoringbericht 2019 der Bundesregierung zur deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Darin stehe, dass Hitzewellen vermehrt Todesfälle verursachen. So habe es in den Jahren 2006 und 2015 zusätzlich 6000 Hitzetote vor allem im Süden Deutschlands gegeben, Städte wie München seien besonders gefährdet. Für die BI ergibt sich daraus die naheliegende Forderung: "Wir wollen erreichen, dass diese wichtige Frischluftschneise von weiterer Bebauung freigehalten wird."

Um dieses Ziel zu erreichen, ist auch eine Online-Petition ins Leben gerufen worden. Nach Angaben des BI-Sprechers Kiesmüller haben diese seit 11. Januar dieses Jahres mehr als 1900 Personen unterschrieben. Die örtlichen Bezirksausschüsse von Obergiesing-Fasangarten und Ramersdorf-Perlach lehnten die Bebauung der Frischluftschneise ebenfalls ab. Aber auch viele weitere Politiker in München, den umgebenden Gemeinden und des Landtags unterstützten ihr Anliegen. Bestätigt in ihrem strikten Nein zu weiteren Eingriffen in der Frischluftschneise sehen sich die BI-Mitglieder vom Münchner Landrat Christoph Göbel (CSU) und dem Regionalen Planungsverband: Diese hätten in Antwortschreiben dargelegt, dass Neubiberg zwar die gemeindliche Planungshoheit habe, aber diese Planung anscheinend den Funktionen des regionalen Grünzugs und den Zielen der Raumordnung entgegenstehe und deshalb keine Genehmigung erteilt würde.

Schließlich verweist die Bürgerinitiative noch auf das vom Münchner Stadtrat in Auftrag gegebene mikroklima-ökologische Gutachten. Darin soll nach Auskunft des Planungsreferats die Bedeutung der Frischluftzufuhr aus dem Hachinger Tal detailliert untersucht werden. Dieses Gutachten soll Anfang des zweiten Quartals 2020, also demnächst, ausgeschrieben werden und das Planungsgebiet und die von der Frischluftzufuhr berührten Nachbarkommunen umfassen. Ehe es konkret vorliegt, ist vermutlich mit einem Bearbeitungszeitraum von circa einem Jahr zu rechnen. Dabei liegen belastbare Daten nach Kenntnis der BI im Rathaus bereits vor. Die BI jedenfalls erklärt: "Die Ergebnisse der bisherigen Stadtklimauntersuchungen und langfristige klimaökologische Auswirkungen wurden bisher nicht berücksichtigt, obwohl die Untersuchung schon abgeschlossen ist."

In diese Richtung scheint auch ein Antrag zum Strukturkonzept Hachinger Tal zu gehen, den die Bürgerversammlung für Obergiesing-Fasangarten am 4. Juli vergangenen Jahres beschlossen hat. Darin wird das Planungsreferat aufgefordert, die Veröffentlichung und Auswertung der neuesten Stadtklima-Untersuchung durch das Umweltreferat vor weiteren eigenen Planungsüberlegungen in diesem Grünzug abzuwarten. Die klimatischen Auswirkungen einer Bebauung in diesem Grünzug für die Bevölkerung in München und Umland seien mit allen Betroffenen öffentlich zu diskutieren. Die Ergebnisse seien dem Stadtrat und allen beteiligten Stellen vor einer Entscheidung vorzulegen. Außerdem soll sich das Planungsreferat laut dem Antrag vorsorglich dafür einsetzen, dass der Grünzug im Südosten der Stadt für die ungehinderte Frischluftzufuhr in vollem Umfang erhalten bleibt und dort keine weitere Bebauung erfolgt. Eine Antwort der Verwaltung auf den Antrag steht noch aus.

© SZ vom 27.03.2020

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