Giesing/Au:"Resi, steh uns bei"

Die neue Schutzpatronin der Münchner Mieter rollt mit einem Demonstrationszug durch die Stadt. Der Protest richtet sich gegen Gentrifizierung

Von Ilona Gerdom, Giesing/Au

Eingewickelt in ein graues Tuch steht eine Figur auf der Ladefläche eines Geländewagens. Unter dem Jubel von Giesingerinnen und Giesingern wird sie enthüllt: die "Resi Stenzia" - neue Schutzpatronin der Münchner Mietbevölkerung. Ersonnen wurde sie von der "Aktionsgruppe Untergiesing". Um Resi Stenzia angemessen zu feiern, organisierten die Aktivisten am Freitagabend einen Umzug - genauer gesagt eine Mieten-Demo.

Etwa 200 Leute haben sich versammelt, um die Schutzheilige in Empfang zu nehmen. Manche halten Plakate hoch, auf denen Sätze stehen wie "Resi steh uns bei" oder "Die Miete frisst die Dauerkarte". Mit so vielen Besuchern hätten sie nicht gerechnet, erklärt Kerem Schamberger von der Aktionsgruppe: "Wir hatten die Demo nur für 50 Teilnehmer angemeldet." Dass sich so viele Münchnerinnen und Münchner eingefunden haben, freut auch Klaus Müller von der Initiative "Heimat Giesing". Er kennt den Startpunkt der Prozession, die Obere Grasstraße 1, gut. Bis vor vier Jahren hatte da nämlich das Uhrmacherhäusl gestanden. Am 1. September 2017 war es illegal abgerissen worden. Seitdem ist Heimat Giesing aktiv und veranstaltet regelmäßig Mahnwachen. Für die Gruppe steht dabei die Forderung im Mittelpunkt, Denkmalschutz den Interessen von Investoren vorzuziehen. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder hier: "Mittlerweile haben wir schon die fünfzigste Mahnwache hinter uns", sagt Müller. Und man habe einiges erreicht. Zum Beispiel ist der Fall des Uhrmacherhäusls bis vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gekommen. Nach dessen Urteil Ende Juli besteht nun Hoffnung, dass das denkmalgeschützte Gebäude wieder aufgebaut wird.

Resistenzia.-Festlicher Umzug

Gute zwei Stunden zieht die Prozession durch das Viertel.

(Foto: Catherina Hess)

Langsam setzt sich der Demonstrationszug zur Musik der "Express Brass Band" in Bewegung. Es geht erst die Gietl-, dann Aigner- und Ichostraße entlang, danach den Giesinger Berg hinunter. Ganz vorne rollt die Resi, ihre Begleiter sprechen Fürbitten: "Tapfere Resi Stenzia, bewahre uns vor komplett überteuerten Mieten, vor hartherzigen Spekulanten, vor einem gentrifizierten München, vor einer Stadt, die ihre Seele zu verlieren droht." Um das zu erreichen, hat die Aktionsgruppe Untergiesing klare Forderungen. Zum Beispiel einen Mietendeckel. Aber: "Man muss die Mieten nicht nur einfrieren, sondern absenken, denn sie sind jetzt schon viel zu teuer."

Zur Unterstützung sind nicht nur die Mitglieder von Heimat Giesing gekommen. Auch der Aktionskünstler Wolfgang Flatz, Tilman Schaich von #ausspekuliert und Matthias Weinzierl, Sprecher der bundesweiten Kampagne "Mietenstopp", geben Fürbitten mit auf den Weg. Weinzierl bringt auf den Punkt, welche Forderung die Aktivisten verbindet: "Es muss etwas passieren. Sonst entscheidet allein der Geldbeutel, wer hier wohnen kann. Wir müssen jetzt anfangen."

Am Freitag folgen die Demonstrierenden noch einer roten, aus Epoxidharz hergestellten Resi. Bald soll sie in Bronze gegossen werden. Später wird sie auf einem Betonsockel thronen. Wo, ist noch nicht klar. Das versucht die Aktionsgruppe gerade mit dem Bezirksausschuss auszuhandeln, der die Skulptur mitfinanziert hat. Sowohl der Probeguss als auch die spätere Bronze-Resi sollen "an eine solidarische Gesellschaft erinnern" und ein Symbol für den "Protest gegen herrschende Mietverhältnisse sein", erklärt Schamberger. Klar müsse aber sein: "Die Resi Stenzia ist eine Schutzpatronin, die uns begleitet, aber die Kämpfe müssen wir selber führen."

Gute zwei Stunden zieht die Prozession durch das Viertel. Dann erreicht sie ihr Ziel: das Atelier in der Au an der Eduard-Schmid-Straße 2. Dort zeigt die Aktionsgruppe eine Ausstellung zu "Mieten, Verdrängung, Protest und Stadtentwicklung".

Die Ausstellung ist Donnerstag, 14. Oktober, und Freitag, 15. Oktober, von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Am Samstag, 16. Oktober, kann sie von 14 Uhr an besucht werden. Der Eintritt ist frei.

© SZ vom 11.10.2021
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