Kritik:Naturgewalt

Lesezeit: 1 min

Kritik: Ekstase: "Ghost-Note"-Gründer Robert "Sput" Searight und Bassist MonoNeon.

Ekstase: "Ghost-Note"-Gründer Robert "Sput" Searight und Bassist MonoNeon.

(Foto: TJ Krebs)

Die sensationelle US-Band "Ghost-Note" in der Unterfahrt.

Von Oliver Hochkeppel, München

Es ist lange her, dass eine Band in der Unterfahrt bis kurz vor Mitternacht gespielt hat. Und dass am Schluss schon einmal ausnahmslos alle Gäste standen und tanzten, daran konnten sich selbst Publikums-Veteranen nicht erinnern. Wie eine Naturgewalt hatte Ghost-Note den ausverkauften Saal überrollt, die amerikanischen Weltmeister eines Funk 2.0 mit Snarky-Puppy-Nukleus.

Denn aus Michael Leagues Grammy-dekoriertem, inzwischen die großen Säle flutenden Kollektiv entstammt der Schlagzeuger und Ghost-Note-Gründer Robert "Sput" Searight, der jetzt in der Unterfahrt den Oberzeremonienmeister gab. Auf seine Cues und Ansagen reagierten seine sechs Kollegen, und seiner spontanen Eingebung entsprang auch das während der Corona-Zeit um 36 noch unveröffentlichte Stücke (gleich drei Alben!) angewachsene Repertoire - am vorigen Abend hätten sie noch ein komplett anderes Programm gespielt, berichtete der Saxofonist Jonathan Mones hinterher. Und wie Mones, Posaunist Danny Wytanis, Gitarrist Peter Knudsen, Keyboarder Dominique Xavier Taplin, Bassist MonoNeon und Perkussionist Devin Way diese Kommandos umsetzten, muss jeden zur Verzweiflung treiben, der sich schon einmal in einer R'n'B- oder Funk-Band versucht hat.

Denn perfekter (und moderner!) kann man diese ekstatische Musik nicht spielen, den Spagat zwischen Coolness und Konzentration, zwischen solistischem Glanz und konzertiertem Miteinander, zwischen messerscharfer Grundrhythmik und atemberaubenden Wechseln nicht besser bewältigen. Wer die Band schon 2018 auf ihrer ersten Europa-Tournee gesehen hat, mag höchstens ein bisschen das Spinnöse, Irisierende vermissen, wie es noch bei MonoNeons kuriosem Outfit, dem psychedelisch-bombastischen Ghost-Note-Klassiker "Fragile" oder einem elektronisch verfremdeten Saxofon-Solo zu erleben war. Dafür bekommt man nun das Heißeste, das je den R'n'B-Kosmos von James Brown bis Prince mit dem Jazz-Spirit veredelt hat.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB