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Geburten in München:Baby Planner unterstützen Schwangere gegen Gebühr

Endlich fand sie eine. Doch kurze Zeit später zog sie in einen anderen Bezirk, in dem die Hebamme nicht arbeitete. Die Suche begann von vorne. Sie fand eine Hebamme, deren Urlaub allerdings kurz nach dem errechneten Geburtstermin begann. Besser als keine, dachte sie. Von der Arbeit der Hebamme war Komann dann begeistert. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt sei sie so eine wichtige Hilfe gewesen.

"In dieser Stadt möchte man keine Geburt erleben", sagt Claudia Lowitz. Sie arbeitet seit fast 30 Jahren als Hebamme und betreut Frauen vor und nach der Geburt. Sie hat erst wieder von Juli 2018 an freie Kapazitäten. Wer sich nach der sechsten Schwangerschaftswoche meldet, ist zu spät dran. Ein Zeitpunkt, an dem viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie ein Kind bekommen. Seit etwa fünf Jahren habe sich die Situation dramatisch verschlechtert, so Lowitz: "Für Frauen, die keine Hebamme finden, ist die Versorgung schon zusammengebrochen."

Eine Telefon-Hotline soll helfen

Das Gesundheitsreferat hat im August gemeinsam mit dem Geburtshaus eine Telefon-Hotline eingerichtet, die helfen soll, noch kurzfristig Hebammen an Schwangere zu vermitteln. Sie werde gut angenommen, sagt Jacobs. Aber auch wenn Stadt und Kliniken daran arbeiten, die Situation zu verbessern: Die hohen Lebenshaltungskosten schrecken viele Hebamme davon ab, nach München zu ziehen oder hier zu bleiben. "Der Beruf der Hebamme muss aufgewertet werden", fordert Astrid Giesen, Vorsitzende des bayerischen Hebammenverbands.

Finanziell und fachlich. In Bayern gibt es keine akademische Ausbildung für Hebammen. Dabei sei das der entscheidende Hebel, an dem der Freistaat ansetzen müsste, um in die Zukunft des Berufs zu investieren, so Giesen. Anders als in vielen anderen Bundesländern kann man in Bayern nur eine Ausbildung zur Hebamme machen.

Weil die Suche immer schwieriger wird, wenden sich Schwangere immer häufiger an Frauen wie Véronique Goldbrunner. Sie ist selbst Mutter von drei Kindern und hat vor sechs Jahren ihr eigenes Unternehmen gegründet. Als sogenannter Baby Planner berät und unterstützt sie schwangere Frauen gegen eine Gebühr. Zu ihren Angeboten gehören unter anderem auch die Suche nach einer Hebamme und Geburtsklinik. Goldbrunner ist gut vernetzt, aber wenn Frauen sich zu spät melden, kann auch sie keine Wunder vollbringen.

Teresa Komann hat sich vor der Geburt ihrer Tochter auch um einen Kinderarzt gekümmert. Vier Praxen, die sie anrief, nahmen keine neuen Patienten auf. In der fünften sagte man ihr, sie solle sich nach der Geburt melden. Doch als ihre Tochter auf der Welt war, hatte der Kinderarzt Sommerferien. Die Suche ging erneut los. Offiziell herrscht in München eine Überversorgung an Kinderärzten. Deshalb darf sich kein weiterer niederlassen. "Das ist ein Witz", sagt Philipp Schoof. "Es herrscht ein akuter Mangel." Bei dem Kinderarzt stehen die Patienten Schlange. Auf Termine muss man lange warten. Er und seine Mitarbeiter arbeiten oft bis 23 Uhr. Schoof möchte keine Patienten abweisen, doch wenn es so weitergeht, dann müsse auch er einen Aufnahmestopp verhängen.

Gerne würde Schoof einen Kollegen einstellen, doch das kann er nicht. Das hängt mit der bundesweiten Regelung zur medizinischen Versorgung zusammen. Die stammt noch von 1992, als Horst Seehofer Bundesgesundheitsminister war, und sie legt fest, wie viele Patienten auf einen Arzt kommen. Doch seit 1992 haben die Aufgaben der Kinderärzte stark zugenommen. Es sind Impfungen dazu gekommen, und allein im ersten Jahr werden sechs Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. In München haben außerdem viele der Kinderärzte noch eine Fachausbildung, Schoof ist Kinder-Rheumatologe. Er zählt in der Statistik aber wie ein normaler Kinderarzt. Seine Rheumapatienten, die auch von weit weg anreisen, behandelt er oft abends.

Ein Problem in München ist auch die ungleiche Verteilung über das Stadtgebiet. In Altstadt-Lehel kommen auf einen Kinderarzt knapp 500 Kinder, in Milbertshofen-Am Hart 11 000 Kinder. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat vergangene Woche in einem Schreiben an die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) einen neuen Versorgungsschlüssel, eine kleinteiligere Bedarfsplanung und mehr Mitspracherechte für die Kommune gefordert. Man sehe die Problematik auch, sagt eine KVB-Sprecherin, doch die Entscheidung darüber liege beim Gemeinsamen Bundesausschuss. Der müsse zunächst die rechtliche Grundlage ändern, sonst habe die KVB keinen Handlungsspielraum.

Teresa Komanns Tochter ist jetzt vier Monate alt. Ihre Eltern haben sie beim Kita-Finder der Stadt angemeldet. Von September an brauchen sie einen Krippenplatz. Etwas Sorgen macht sich Komann schon, ob es bis dahin mit dem Platz klappen wird.

© SZ vom 09.12.2017/haeg
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