SZ-Serie "Im Märzen der Bauer ...", Teil 3 Der richtige Moment

Im Mai experimentiert Georg Huber mit Sojasaat, während sich seine Frau Christine neu orientiert

Von Valentina Finger und Ingrid Hügenell, Puchheim

Anfang Mai hat Georg Huber eine für ihn neue Feldfrucht ausgebracht. Auf drei Feldern mit einer Gesamtfläche von 21 Hektar hat er Sojabohnen gesät - das erste Mal in seiner Karriere als Landwirt. Die Sojabohne ist in Deutschland überhaupt ein Neuling auf den Feldern, sie stammt ursprünglich aus Asien. Eigentlich wollte Huber Körnermais anbauen. Davon riet ihm sein Naturland-Berater jedoch ab - Futtermais aus Umstellungsbetrieben lasse sich kaum vermarkten. Gewählt hat er die Sojasorte "Merlin", die relativ früh reift. Der Anbau ist ein Wagnis: Das Biosaatgut ist teuer, etwa 400 Euro kostet es - pro Hektar. Und der Anbau ist nicht einfach.

Vor der Aussaat hat Huber einen bewährten Trick angewandt, ein Blindsaatbeet: Er bereitete die Felder so vor, als wolle er aussäen, und ließ sie dann liegen. Die Unkrautsamen keimten. Direkt bei der Saat der Feldfrüchte kurz darauf wurden die kleinen Keimlinge aus dem Boden gerissen und zerschnitten. Einige Tage nach der Saat striegelte Huber seine Sojafelder, sehr vorsichtig, um die in vier Zentimeter Tiefe liegenden Bohnen nicht zu beschädigen, die womöglich schon gekeimt hatten.

Georg Huber prüft auf dem Acker, ob die Sojabohnensaat durch die Bodenbearbeitung Schaden genommen haben könnte.

(Foto: Matthias F. Döring)

Weil Huber die Sojaäcker im Februar gepflügt hatte und es seitdem kaum Niederschlag gab, "war der Boden komplett ausgedürrt", erklärt er. Außerdem war es lange zu kalt. Sojabohnen brauchen wie Mais mindestens zehn Grad Bodentemperatur, damit sich der Keimling aus dem Samen wagt. Feucht und warm genug war es erst nach dem Regen Ende April. Ist die Sojabohne erst einmal gekeimt, hält sie Trockenheit recht gut aus. Es ist jedoch möglich, dass die Kälte der vergangenen Wochen die Ernte negativ beeinflusst. Beim Nachgraben hat Huber bisher vitale Sojabohnen mit Trieben, aber auch solche gefunden, die bereits aufgegeben haben.

Der trockene April machte Huber überhaupt Sorgen. Nach der Saat bekam das Sommer-Tritikale, eine Getreideart, zwei Wochen lang kein Wasser, es keimte nur zögerlich. Dafür ist von den Schäden durch Mangan-Mangel beim Winter-Tritikale wundersamerweise nichts mehr zu sehen. Auf dem Grünland gab es kaum Wachstum. Wo Huber im Wasserschutzgebiet nach einem Schaden durch Mäuse nachsäen musste, regnete es nur einmal kurz. Womöglich fingen die Grassamen an zu keimen und starben dann wegen der folgenden Trockenheit ab. "Ich weiß nicht, ob das was wird", sagt der Bauer skeptisch.

Christine Huber (links) erklärt Teilnehmerinnen ihrer Kräuterwanderungen die Vorzüge der Pflanzen.

(Foto: Matthias F. Döring)

Immerhin hatten die Futtererbsen optimale Saatbedingungen - der Boden war trocken genug, dass Huber ihn befahren konnte, ohne große Schäden zu verursachen, es war aber noch genug Feuchtigkeit vorhanden, dass die Erbsen keimen konnten. "Die sind sehr gleichmäßig aufgelaufen", freut sich der Bauer. Dann kam Regen, der vorgesehene Striegelgang musste verschoben werden. Das sei aber nicht so schlimm, erklärt er. Denn weil er bis voriges Jahr konventionell gewirtschaftet und Herbizide verwendet hat, sind bisher nur wenige Unkrautsamen im Boden.

Nun gilt es, im Wald Sturmholz aufzuarbeiten, bevor der Käfer die Bäume befällt. Und dann muss Huber den Zaun um seine Christbaumplantage richten. Denn er hat acht Shropshire-Lämmer gekauft, die ihm dort, zwischen den jungen Tannen, den Bewuchs abfressen sollen.

Etwas Neues hat im Mai auch Hubers Frau Christine gewagt: Vor zwei Wochen hat sie die Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie bestanden, für die sie lange gelernt hat. Die 45-Jährige, die im Egenhofener Ortsteil Rottenfuß auf einem Einödhof aufgewachsen ist, bewirtschaftet den Hof zusammen mit ihrem Mann. Obwohl sie ausgebildete Agrarbetriebswirtin ist, machen Stall- und Feldarbeit nur einen geringen Anteil ihres Alltags aus. Ihre volle Aufmerksamkeit widmet sie ihrer "Kräuteria", wo sie Seminare zu den Themen Kräuter, Fasten und Achtsamkeit anbietet.

38 sogenannte Bachblüten

hat der Arzt Edward Bach in den Dreißigerjahren identifiziert. Ihre Essenzen sollen dazu beitragen, Gemütsstörungen und daraus resultierende körperliche Beschwerden zu heilen. Einige von ihnen wachsen in unmittelbarer Nähe des Kreuthofs, wo Christine Huber in ihrer Kräuteria auch Bachblütentherapie anbietet. Dazu gehören die Kiefer, die Lärche, die Zitterpappel, die Eiche und der Odermennig. Letzteren kategorisierte Bach als Nummer eins: Er soll Menschen, die sich nie so geben, wie sie wirklich sind, zu mehr Unverstelltheit verhelfen.

Als Kräuterpädagogin und Bachblütenberaterin kennt Christine Huber quasi alles, was hierzulande wächst, und weiß, was man damit anfangen kann. Auf Kräuterspaziergängen führt sie kleinere Gruppen durch die Natur um den Hof, vorbei an den Erbsen- und Maisfeldern und an oft vergessenen Heilkräutern wie Storchschnabel oder Nelkenwurz. "Es heißt ja immer, bei uns würde nichts mehr wachsen. Aber in Wahrheit kennen die Leute bloß nichts mehr", sagt sie. Rund 50 Heilkräuter gibt es in unmittelbarer Umgebung des Kreuthofs. Die meisten nutzt die Bäuerin in ihre Küche oder als Medizin: Die Blätter des Gundermanns überzieht sie mit Schokolade, aus Giersch macht sie Limonade und als Frühjahrskur isst sie täglich einen Löwenzahnstiel. Bei Krämpfen hilft eine Tinktur aus Gänsefingerkraut, und wenn ihre Kinder mit juckenden Mückenstichen aufwachen, bringt eine Breitwegerich-Salbe sofortige Linderung.

Von einst etwa 90 Kräuter- und Gemüsesorten nehme der Mensch nur noch etwa 30 zu sich. Weil in den Gewächsen jedoch viele wichtige Nährstoffe stecken, ermutigt sie die Teilnehmer auf den Spaziergängen, viel zu probieren. So erfährt man, dass sich die pfeffrig schmeckenden Samen des Hirtentäschels gut auf einem Butterbrot machen oder dass der Sauerklee seinen Namen nicht von ungefähr hat. Zu allem weiß Christine Huber außerdem eine Anekdote, zum Beispiel über die Dornröschen-Spindel, die aus Weißdorn gewesen sein soll: "Niemand will von mir im Detail den Aufbau eines Blattes wissen. Es sind die Geschichten, die hängen bleiben."

In den vergangenen Jahren hat die Bäuerin diverse Ausbildungen absolviert, hat gelernt, wie man räuchert, korrekt fastet oder im Moment innehält. Seit 2013 gibt sie diese Kenntnisse in der Kräuteria weiter. Im Seminarraum, dem Herzstück der Räumlichkeiten, zu denen auch ein Beratungszimmer und ein Meditationssaal im Keller gehören, hängen getrocknete Kräuter von der Decke, eine Wand steht voll mit Räucherwerk von Alantwurzel bis Zirbelholz. Nach Hubers Heilpraktiker-Ausbildung befindet sich die Kräuteria gerade im Umbruch: Brotback- und Kräuterkochkursen will sie in Zukunft weniger anbieten. Dafür möchte sie das Augenmerk auf natürliche Heilmethoden für Körper und Seele legen. Ihr Ziel ist es, ihr neu geprüftes Wissen mit Entspannungsmethoden, Bachblütenkuren und begleiteten Spaziergängen zu kombinieren, um Natur und Psychotherapie zu vereinen. Fühlt sie sich selbst mal nicht gut, räuchert sie am liebsten mit einem Kraut, dessen Duft ihr guttut. Auch ansonsten versucht sie, das, was sie gelernt hat, bei sich selbst anzuwenden: Sie meditiert, so oft es geht, oder versucht, sich beim Gassigehen mit Hofhund Leo nach der Achtsamkeitslehre auf nur einen Sinn zu konzentrieren. Weil sie oft unter Strom steht, gelingt ihr das Abschalten aber nicht immer. Ganz anders sieht es laut Christine Huber bei ihrem Mann aus: Ihm falle das Verweilen im Moment leicht, obwohl er nicht über dasselbe Methodenwissen verfüge. Eine mögliche Erklärung hat sie dafür: "Ich denke, dass er durch die Arbeit in der Landwirtschaft einfach sehr erdverbunden ist."