Fürstenfeldbruck Rewe-Filialleiter landet viralen Hit mit Rückrufaktion

Körbe wie dieser sind in letzter Zeit in Fürstenfeldbruck häufiger "verschwunden".

(Foto: Rolf Vennenbernd)

Mit dem ironischen Facebook-Post wollte der Supermarktchef gestohlene Einkaufskörbe zurückbekommen. Und bekam mehr Aufmerksamkeit als erwartet.

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Wer im Meer der digitalen Informationen gehört werden will, der muss zu drastischen Mitteln greifen und vor allem unterhaltsam sein. Mit ein bisschen Glück landet man dann einen viralen Volltreffer, der weit über die Grenzen der eigenen Fans und Follower verbreitet wird. Einer, der das im kleinen Rahmen schon seit längerem ganz ordentlich beherrscht, ist der Inhaber der Brucker Rewe-Filiale, Alex Kersten.

Immer wieder unterhält er seine Kunden auf der Facebook-Seite der Filiale unter anderem mit Beobachtungen aus dem Supermarkt-Alltag, vom 85-jährigen Dauerbesucher, der über seine Friedhofsflirts berichtet, bis zum Einkauf eines "jungen stattlichen Mannes": "Erdbeeren, Prosecco, Duftkerze, Taschentücher, Zigaretten, leer, leer, leer, Bildzeitung und gleich dahinter - Kondome", dürfen die amüsierten Besucher da lesen. Mal kassiert Kersten dafür 15 "Likes", mal knapp 200.

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Doch nun ist ihm wohl der Höhepunkt seiner Social-Media-Karriere gelungen, bis auf die Seiten der Hannoverschen Allgemeinen, des Computermagazins Chip und sogar des Stern hat er es damit geschafft. Aber was war das für ein Post, der so ein Aufsehen erregt? Nun ja, Kersten hatte offenbar genug davon, dass ständig rote Einkaufskörbe aus seiner Filiale geklaut werden. Also startete er einen "Rückruf": "Aufgrund eines technischen Defekts herrscht bei dem Modell "roter Rewe Einkaufskorb" Lebensgefahr. Bitte benutzen Sie daher den Korb nicht außerhalb meiner Verkaufsfläche". Alle unrechtmäßigen Besitzer sollten deshalb handeln, bevor es zu spät ist, und die Körbe zurück bringen.

Schnell reagierten Tausende Nutzer auf den Eintrag, die Sozial-Media-Welle kommt ins Rollen. So postet eine Nutzerin ein Foto von einem roten Rewe-Korb, vor der Fähre in Warnemünde und schreibt dazu "Ganz schön weit gekommen", was Kersten mit einem humorvoll-erschütterten "Fingerabdrücke sichern!", kommentiert. Während der Großteil der Nutzer also mit Humor oder Zustimmung reagiert, gibt es auch die unvermeidliche Portion Gegenwind: "Rewe verdient genügend!" oder "Ah Rewe, heul net rum, ihr habt Genug Geld", heißt es da unter anderem.

Auch auf diese Angriffe hat Kersten mit Humor reagiert, doch irgendwann scheint ihm der ganze Trubel zuviel geworden zu sein. Mittlerweile hat er den Originalpost mit der Rückruf-Aktion gelöscht. Jedoch nicht, ohne noch eine Erklärung hinterher zu schieben. "Selbstverständlich geht von meinen Körben keinerlei Gefahr aus. Diesbezüglich kann ich alle beruhigen, die dieses schöne Designerexemplar zu Hause und seit Veröffentlichung meines Post zittrige Knie haben", schreibt er für alle, an denen die Ironie des Ausgangsposts vorbei gegangen ist. Dann schlägt er allerdings ernstere Töne an. Er hoffe, er habe es geschafft, dass sich der ein oder andere künftig Gedanken darüber macht, dass der Korb-Diebstahl ihm als Selbstständigem finanziellen Schaden verursacht.

Die Resonanz darauf ist allerdings längst nicht mehr so groß wie zuvor - die Karawane der unterhaltungshungrigen Facebooknutzer ist längst weiter gezogen. Dafür hat Kersten wohl tatsächlich bereits den ein oder anderen Korb zurück bekommen.

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