bedeckt München 10°
vgwortpixel

Fürstenfeldbruck:Netzwerk für Nachfolger

Ramona Bosch verantwortet als Filialdirektorin nicht nur die Filiale der Commerzbank in Fürstenfeldbruck, sondern auch die Niederlassungen in Oberschleißheim und Dachau.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Commerzbank vermittelt Kaufinteressenten an Firmeninhaber

150 Jahre ist die Filiale der Commerzbank zwar noch nicht in Fürstenfeldbruck, aber mitfeiern wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Jubiläum ihrer Bank dieses Jahr schon. Grund zum Feiern haben sie nicht nur wegen des Jubiläums, sondern auch angesichts des Geschäftsberichts für 2019, denn sowohl die Zahl der Kunden hat sich erhöht als auch das Wachstum im Kreditgeschäft. Die anhaltend niedrigen Zinsen hätten mehr Menschen dazu ermuntert, Darlehen für den Hausbau und Ratenkredite für die Erfüllung persönlicher Wünsche abzuschließen, sagte Filialdirektorin Ramona Bosch bei der Vorstellung der Zahlen für 2019 in Fürstenfeldbruck. Das Geschäftsvolumen der Filiale ist demnach auf 116 Millionen Euro gestiegen.

Gegenüber dem Vorjahr hat die Commerzbank Fürstenfeldbruck 40 Prozent mehr neue Kredite für die Baufinanzierung ausgereicht, das waren insgesamt 5,3 Millionen Euro. Auch das Neugeschäft mit den Ratenkrediten ist gestiegen, immerhin um zwei Prozent gegenüber 2018 (1,7 Millionen Euro). Die Unternehmenskundenberater haben laut Bosch 103 Neukunden hinzugewinnen können, so dass nun 1353 Betriebe mit der Bank Geschäfte machen.

Die Firmeninhaber fragten aber nicht nur nach Krediten oder Anlagemöglichkeiten, sondern besprächen auch die Nachfolgeregelung im Unternehmen mit ihrem Bankberater, sagte Ramona Bosch. In Fürstenfeldbruck leitet Arno Slawinski den Unternehmerkundenbereich und berichtete davon, dass man im vergangenen Jahr sieben Unternehmer mit potenziellen Nachfolgern ins Gespräch bringen konnte. "In der gesamten Region Fürstenfeldbruck suchen derzeit rund 500 Unternehmer einen Nachfolger. Fast die Hälfte schaut sich außerhalb der Familie um", sagte Arno Slawinski.

"Das Thema Nachfolge betrifft mehr als 34 Prozent aller Unternehmen und macht daher einen wesentlichen Teil unserer Beratungsgespräche aus", sagte Slawinski. Um einen Unternehmer, der seine Firma nach seinem Ausscheiden nicht auflösen, sondern weiterverkaufen möchte, zu einem möglichen Nachfolger zu verhelfen, bediene man sich eines Portals. Darüber könnten sich Unternehmer ganz einfach über die Eingabe der Postleitzahl und der Branche einen Überblick verschaffen, ob es einen Interessenten gäbe. Gibt es dann Übereinstimmungen, etwa bei der Branche, beginne das Netzwerken, sagte Ramona Bosch. Die Bank begleite dann auch die Firmennachfolger.

Unterstützung bekommen auch Gründer, wenn sie ihre Ideen und Businesspläne vorstellten. Aufgrund der Vernetzung und der Erfahrung der Berater kann laut Bosch relativ rasch der mögliche Erfolg des neuen Unternehmens eingeschätzt werden. So gewinne man auch Kunden.

Der Kundenzuwachs im vergangenen Jahr ist nach Angaben von Ramona Bosch auch auf das weiterhin bestehende Angebot eines kostenlosen Girokontos zurückzuführen. "Kündigt eine andere Bank an, ein Girokonto nicht mehr kostenlos zu führen, haben wir diesen Kunden am nächsten Tag da", sagte Bosch. "Die Bereitschaft zum Wechsel der Bankverbindung ist so hoch wie nie zuvor."

Schon jetzt sei zu sehen, dass ein großer Teil der Kunden seine Bankgeschäfte online abwickele. Mehr als die Hälfte der Kunden nutzten PC, Tablet und Smartphone. Vor allem die Kunden, die die Banking-App auf dem Smartphone nutzen, könnten damit rechnen, dass ihnen bis Ende 2023 alle Bankprodukte über eben diese Banking-App zur Verfügung stehen. Bereits jetzt würden, so die Filialdirektorin, Wertpapierkäufe und -verkäufe über das Handy abgewickelt.

Auch der Negativzins ist bei der Commerzbank in Fürstenfeldbruck weiterhin ein Thema. Für die Privatkunden sei das kein Thema, sagte Bosch, erst ab einer Einlagesumme von 250000 Euro werde ein Verwahrentgelt erhoben. Allerdings liegt nach Meinung der Filialdirektorin noch viel zu viel Geld von Brucker Commerzbank-Kunden wenig gewinnbringend auf den Konten, nämlich 30 Millionen Euro: "Aus Sparern müssen Anleger werden", fordert Bosch.

© SZ vom 09.03.2020
Zur SZ-Startseite