bedeckt München 17°
vgwortpixel

Eichenau:Der Pfarrer soll gehen

Dekan Bauernfeind hält einen Verbleib des Seelsorgers für unmöglich. Seiner Ansicht nach entzweit er die Schutzengelgemeinde.

Der Streit in der Gemeinde der katholischen Schutzengelkirche in Eichenau lässt sich nur lösen, wenn Pfarrer Martin Bickl geht. Diese Meinung vertritt der Fürstenfeldbrucker Dekan Albert Bauernfeind. "Wenn in der Gemeinde Frieden einkehren soll, ist es notwendig, dass er die Stelle wechselt", sagte der Dekan, der Bickls Vorgänger in Eichenau war, am Sonntag. Der Pfarrer sei selbst "Gegenstand der Entzweiung", deshalb fehle die Kraft, die die Gemeinde zusammenhalte, sagte Bauernfeind. Bickl habe mit allen, die in der Gemeinde intensiv mitgearbeitet hätten, gebrochen. Außerdem fehle dem Pfarrer das Problembewusstsein.

Da Bickl Bauernfeinds Stellvertreter als Dekan ist, müssten die beiden Geistlichen eigentlich intensiv zusammenarbeiten. Laut Bauernfeind ist jedoch das Gegenteil der Fall. Seit seiner Installation in Eichenau vor zwei Jahren habe Bickl "jede Kommunikation" mit ihm abgebrochen und eine Klärung des Sachverhalts verweigert. In seine Vorwürfe bezieht der Brucker Dekan auch die Kirchenleitung ein. Der zuständige Weihbischof habe nicht ernst- oder wahrgenommen, was in Eichenau im Gange sei. Obwohl er die Zuständigen informiert habe, sei "keine Reaktion" erfolgt. Bauernfeind befürchtet deshalb, dass die Verantwortlichen die Dinge aussitzen wollten, mit der Gefahr, dass "in Eichenau alles den Bach runter geht".

Im Gegensatz dazu steht eine Stellungnahme des Ordinatias vom Freitagnachmittag, nach der dieses um eine möglichst rasche Lösung der Querelen bemüht ist. Das Ordinariat begleite die Gemeinde bei der Bewältigung ihrer Probleme seit längerem, sagte eine Sprecherin. So habe es "Angebote zur Mediation und Supervision" gegeben. Die Auseinandersetzungen zwischen Mitglieder des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderats auf der einen und Pfarrer Martin Bickl auf der anderen Seite waren bald nach der Amtseinführung Bickls ausgebrochen, aber unter der Decke gehalten worden.

Nach dem Rücktritt von zehn der 15 Pfarrgemeinderäte hatten sich die Kritiker am vergangenen Donnerstag an die Öffentlichkeit gewandt. Martin Bickl hatte am Freitag die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von sich gewiesen und seinerseits die seiner Meinung nach treibenden Kräfte, Ex-Kirchenvorstandsmitglied Paul-Gerhard Ulbrich und die ausgetretene Pfarrgemeinderätin Helga Blaschke, scharf kritisiert. Aus dem Ordinariat hieß es, die Personalverantwortlichen hätten das Gespräch mit dem Pfarrer gesucht, auch fänden Gespräche mit den ehemaligen Pfarrgemeinderatsmitgliedern statt. Außerdem habe sich der Diözesanrat des Themas angenommen, ebenso der Dekanatsrat.

© SZ vom 08.10.2012

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite